Autor Thema: Semaglutid: Hohe Wirksamkeit bei Diabetes und Übergewicht  (Gelesen 867 mal)

Offline Joerg Moeller

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Re: Semaglutid: Hohe Wirksamkeit bei Diabetes und Übergewicht
« Antwort #10 am: Oktober 29, 2018, 12:41 »
Welche Form der Resistenz ist denn nun die, die bei T2ern als Grunderkrankung zum Tragen kommt?

Eigentlich zumindest die genetisch bedingte Form und die Down-Regulation. Durch die genetisch bedingte steigt ja zunächst die Insulinausschüttung an (Hyperinsulinämie) und das bewirkt dann - wie auch bei anderen insulinpflichtigen Diabetikern, die zuviel Insulin spritzen - eben die Downregulation.

Bei DM2 ist eine Downregulation aber schwerer zu erkennen als bei DM1, wo die sich langsam entwickelt. Der DM1er kann ja seinen Quotienten "Gesamtinsulin pro Kilo Körpergewicht" im Auge behalten. Steigt der an ist das ein klares Anzeichen für eine Resistenzentwicklung.

Ganz klar zuordnen lässt sich das aber nicht, weil es ja auch körpereigene Hormone gibt, die an der Resistenz beteiligt sein können. Da müsste das schon ein Endokrinologe abklären.

Viele Grüße
Jörg
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Offline Joerg Moeller

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Re: Semaglutid: Hohe Wirksamkeit bei Diabetes und Übergewicht
« Antwort #11 am: Oktober 29, 2018, 13:10 »
deine Aufzählung der Resistenzen ist vielleicht noch nicht einmal komplett. (Es gibt z. B. mehr als ca. 10 Gene, die für einen Diabetes von Relevanz sind) Es ist aber auch nur eine Liste die keine Aussage macht welches Medikament gegen welche Resistenz angewendet wird bzw. werden kann. Zusätzlich kann es sich ja auch um Kombinationen der einzelnen Resitenzarten handeln und immer wird alles in einen Topf geworfen.

Ja, "Genetisch bedingt" ist ja auch nur ein Überbegriff. Schau dir allein mal die ganzen MODY-Typen an: http://www.diabetes-deutschland.de/mody_diabetes/
Und bei Diagnosestellung hat der DM2 ja mindestens schon zwei Ursachen für eine Resistenz (siehe meine Antwort an Tarabas)

Zitat
Um also gezielt OADs anzuwenden ist erst mal notwenig, zu erkennen welches Problem vorliegt. Nur "schlechte Insulinwirkung" reicht meiner Meinung nach nicht aus. Aus diesem Grund bin ich gegen Tabletten, die nicht gezielt wirken und vielleicht Schäden verursachen, die ebenso unerwünscht sind wie Diabetes selbst.

Das wird ja in der Regel auch versucht, indem man eine Lifestyle-Änderung andenkt. Die genetische Komponente kann man nicht beseitigen, aber zumindest den Anteil, den die Hyperinsulinämie beiträgt.
Kommt natürlich immer auch auf den jeweiligen Arzt an, bzw. auf die konkrete Anamnese und Befunde.

Und nicht zuletzt auf die Compliance seitens des Pat. Wenn die da ist, dann kann man in vielen Fällen etwas erreichen. Allerdings acuch nicht in jedem Fall, und dann kann man da nur symptomatisch vorgehen.

Viele Grüße
Jörg
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Offline Tarabas

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Re: Semaglutid: Hohe Wirksamkeit bei Diabetes und Übergewicht
« Antwort #12 am: Oktober 31, 2018, 23:26 »
Und dann soll es doch (wohl gerade auch bei T2 relevant) irgendwelche Aktivitäten von schlechtem Fett oder so geben, daß eine Resistenz bewirkt?
Typ 2 - Janumet 50/1000 - NovoRapid und Levemir - Freestyle Libre

Offline Kladie

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Re: Semaglutid: Hohe Wirksamkeit bei Diabetes und Übergewicht
« Antwort #13 am: November 01, 2018, 10:35 »
Hallo Joerg,

Zitat
orginal Joerg Moeller:
Das wird ja in der Regel auch versucht, indem man eine Lifestyle-Änderung andenkt.
Ich meinte doch etwas anderes: Wurde bei irgend jemandem versucht herauszufinden welche Art der Resistenz vorliegt ehe eine Therapie beginnt? Ich meine immer noch: Es wird sofort versucht den BZ zu senken unabhängig von der eigentlichen Ursache. (Ich spreche hier ausschließlich vom T2. Beim T1 sieht es anders aus - Hier sollte vielleicht mehr geforscht werden warum der Körper beginnt die eigenen Betazellen zu bekämpfen). Mag sein, daß geforscht wird aber ich höre seit Jahren keinerlei Ergebnisse darüber. Nur immer wieder neue Medikamente die an immer neuen Stellen in den Stoffwechsel eingreifen.

Eine Lifestyle-Änderung ist sicher hilfreich aber eben auch nur begrenzt wirksam wenn es eine physische Ursache hat die den BZ steigen lässt. Es ist sicher nicht falsch den BZ senken zu wollen aber mir reicht das nicht. Ich möchte wissen warum mein BZ gestiegen ist um danach die am genauesten wirksamen Antidiabetika verschrieben zu bekommen. Das Gießkannenprinzip lehne ich ab.
Wir sollten aus der Vergangenheit lernen
und in der Zukunft alles ausprobieren.

Offline Gyuri

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Re: Semaglutid: Hohe Wirksamkeit bei Diabetes und Übergewicht
« Antwort #14 am: November 01, 2018, 12:11 »
(…) Ich möchte wissen warum mein BZ gestiegen ist um danach die am genauesten wirksamen Antidiabetika verschrieben zu bekommen. Das Gießkannenprinzip lehne ich ab.
Besonders deutlich mag man das an der Therapie meiner Frau erkennen. Wir haben z.Zt. nur die Steuerschraube Insulinzufuhr um ein Entgleiten ihrer Glukosewerte (was anderes können wir nicht messen) in Bereiche >400mg/dl zu verhindern … verringern.
Mit gelegendlichen Einzelmessungen, wie sie früher bei uns üblich waren, könnten wir nicht einmal sicherstellen, dass die jeweilige Insulindosis zur Ernährung passt. AUfgrund der kontinuierlichen Messung wissen wir aber auch nicht viel mehr als dass es für sie besser wäre nichts mehr zu essen.
Es ist nahezu unerheblich, was ich ihr spritze. In der Nacht werden Fresssünden, die vielleicht beim letzten Abendessen, vielleicht aber auch beim letzten Mittagessen begangen wurden, bestraft.
Eines weiß ich sicher: Hinterherspritzen führt zu keinem befriedigenden Ergebnis. Die besten Ergebnisse erziele ich, wenn ich bei ihr das Frühstück ausfallen lasse, jedoch so viel spritze, wie es bei einem 7BE-Frühstück nötig wäre. So gelangen wir von vielleicht 300mg/dl auf vielleicht 140mg/dl … bis zum verspäteten Mittagessen.
Wie schon geschrieben: Ich kann nur den Glukose-Spiegel messen und die BE schätzen. Ach ja, Wiegen kann man auch noch. Und ich habe keine Ahnung was man besser machen könnte um die Lage zu verbessern. Trulicity hat übrigens bei ihr langfristig nichts bewirkt … außer für unerwünschte Nebenwirkungen zu sorgen. Meine Frau jetzt als Versuchskaninchen für Semaglutid freizugeben, kann genauso keine Option sein wie der Wechsel von einen Insulin zum Anderen.
Am 14.11. haben wir wieder einen DMP-Thermin. Dort kann ich zwar ungestraft meinem Frust freien Lauf lassen, großartig ändern wird das aber nichts. Es wird weiter an den Symptomen herumgebastelt, weil diese Strategie bei den meisten Diabetikern so aufgeht.

[Sarkasmus on]
Vielleicht sollte man uns das Libre wegnehmen und auch keine Teststreifen mehr verschreiben?
So kommen wir nicht mehr auf die Idee, aufgrund des Blutzuckers auf den Gesundheitszustand zu schließen. Vierteljährlich eine HbA1c-Messung sollte doch genügen?
[Sarkasmus off]
Gruß vom Gyuri

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Offline Renato

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Re: Semaglutid: Hohe Wirksamkeit bei Diabetes und Übergewicht
« Antwort #15 am: November 01, 2018, 23:31 »
Hallo Gyuri

Dein
[Sarkasmus on]
Vielleicht sollte man uns das Libre wegnehmen und auch keine Teststreifen mehr verschreiben?
So kommen wir nicht mehr auf die Idee, aufgrund des Blutzuckers auf den Gesundheitszustand zu schließen. Vierteljährlich eine HbA1c-Messung sollte doch genügen?

[Sarkasmus off]
ist gar nicht so abwegig.

Meist weiss ich gar nicht, warum mein BZ am Abend spät zu hoch ist, also ändere ich mein Verhalten auch nicht.  :mahl:
Seit zwei Jahren stimmt der errechnete HbA1c von SiDiary mit dem vom Hausarzt gemessenen überein.
Also überlege ich mir wirklich, ob ich die BZ Messerei nicht aufgeben soll.
n.B. die Nierenwerte, die Cholestrinwerte, die Leberwerte etc. mess ich ja auch nicht täglich (mehrmals).
Grüsse Renato

Offline Gyuri

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Re: Semaglutid: Hohe Wirksamkeit bei Diabetes und Übergewicht
« Antwort #16 am: November 02, 2018, 09:11 »
(…)
Seit zwei Jahren stimmt der errechnete HbA1c von SiDiary mit dem vom Hausarzt gemessenen überein.
Also überlege ich mir wirklich, ob ich die BZ Messerei nicht aufgeben soll.
n.B. die Nierenwerte, die Cholestrinwerte, die Leberwerte etc. mess ich ja auch nicht täglich (mehrmals).
Ja nuuun!  :kratz:
SiDiary kann nur aus möglichst zuverlässigen( "=normalverteilten" ) Stichproben dein HbA1c errechnen bzw. erahnen. Änderst du dein Messverhalten, wird es ganz schnell mit deiner Übereinstimmung des Langzeitwertes vorbei sein. Misst du weniger, wirst du auch weniger korrigierend eingreifen und der Labor-Langzeitwert wird sich dann u.U. auch verändern.
Gruß vom Gyuri

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Re: Semaglutid: Hohe Wirksamkeit bei Diabetes und Übergewicht
« Antwort #17 am: November 02, 2018, 11:35 »
Also überlege ich mir wirklich, ob ich die BZ Messerei nicht aufgeben soll.

Es kommt drauf an, was Du mit den gemessenen Werten machst. Sammelst Du die nur, dann müssen die wirklich nicht sein (dann reichen auch Stichproben um den Moment nicht zu verpassen, an dem die aktuelle Therapie nicht mehr ausreichend wirkt).

Aber wenn Du daraus Therapieänderungen ableiten kannst, dann ist es sinnvoll auch weiterhin zu messen. Bei jemandem, der nur mit oralen Antidiabetika (OAD) arbeitet, sehen solche Änderungen natürlich anders aus als bei einem Insuliner, der z.B. seine BE-Faktoren modifizieren kann oder auch mal einen Korrekturbolus abgibt.

Aber auch bei OAD kann man reagieren. Z.B. die Dosis verändern, bei einem hohen BZ einen Spaziergang machen oder bei der nächsten Mahlzeit ein bisschen den glykämischen Index verändern.

Hier in Deutschland gibt es Empfehlungen der Kassenärztlichen Vereinigungen, dass bei Nicht-Insulinern eigentlich keine BZ-Streifen verordnet werden müssen. Aber das ist in dieser Pauschalität eben falsch, wenn der einzelne Diabetiker aktiv an seiner Therapie teilnimmt.

Wenn ich im Auto nur Beifahrer bin, dann brauche ich keine Brille. Wenn ich selber fahre ist sie aber unverzichtbar!

Viele Grüße
Jörg
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