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Messfehler Freestyle libre 2

Offline Qualtiero

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Hallo zusammen...

.. ich habe vor ca 6 Monaten auf Freestyle Libre 2 umgestellt. Es gab von Beginn an schon immer Probleme mit mit dem Stromverbrauch des neuen Lesegerätes, sowie mit der Bedienung des Touchdown-Display.

 Doch seit kurzem ergibt sich folgendes:

Vor kurzem bekam ich von der Diabetikärztin ein neues zusätzliches Medikament, nämlich  JARDIANCE Das soll dafür sorgen, dass Zucker über den Urin abgeführt wird, auch beim Gewicht soll es etwas helfen. Ich war hocherfreut, als mir mein Freestyle Libre 2  nur noch Werte zwischen 45 und 120mg/dl angezeigt hat. Alles schien völlig in Ordnung, bis ich, nachdem ich etwas gesündigt habe, den Zucker messen wollte, dieser war immer noch 47 (mit Pfeil nach unten). Nachdem dies nicht sein konnte, habe ich blutig nachgemessen und stellte fest, dass ich 237 mg/dl hatte, das ist ein Unterschied von 190mg/dl!!!!!!!!  Ich war einem Herzinfarkt näher als einem Zuckerschock Von nun an habe ich ständig parallel gemessen, Freestyle Libre 2, zeigte bei jeder Messung zwischen 90 und 130mg/dl an. Das es ist, finde ich persönlich Körperverletzung!!!!
 Wenn jemand nur mit dem Freestyle misst,  wird er sich permanent zu wenig Insulin spritzen, was durchaus sehr gefährlich sein. Was wenn jemand, wie ich, bei niedrigem Zucker, mit etwas Obst oder Süßigkeiten, den vermeintlich niedrigen Zucker nach oben bringen will obwohl der Zucker tatsächlich hoch ist? Kann das nicht lebensgefährlich sein?
 Ich denke ernsthaft darüber nach, Anzeige wegen Körperverletzung zu erstatten, auch wenn die vermutlich nichts bringt,

Entschuldigung, dass ich das mitgeteilt habe, es lag mir auf dem Herzen.

Gruß Alexander


Offline Gyuri

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 :herz: -lich Willkommen  :hi:

Wenn du die Suchmaschine bemühst, wirst du bezüglich "Messfehler bei FSL" sehr viele Beiträge finden. Und du wirst sehr viel Zuspruch finden. Aber eine Ausnahme gibt es hier auch:

 :rotwerd: mich

Mir sind solche ähnliche Abweichungen durchaus bekannt, kann aber damit gut leben … weil ich ganz einfach andere Anforderungen an die gebotene Messtechnik stelle als das bei einer blutigen Messung gemacht wird. Ich sage immer, wer sein Verhalten an (blutigen) Blutzuckerwerten festmacht, sollte seine allgemein gültige Strategie nicht nach Werten des FSL ausrichten.
Auch wenn das Marketing von Abbott das verspricht, das FSL bietet ganz andere Informationen, die mir wichtiger sind als eine gelegendliche blutige Messung.

Genaueres findest du in all meinen Beiträgen zu FSL & Messfehler.

Gruß vom Gyuri

Alle sagten: Das geht nicht. :nein:
Dann kam einer, der wusste das nicht,
und hat's einfach gemacht. :ja:


Offline Qualtiero

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 :herz: -lich Willkommen  :hi:

Wenn du die Suchmaschine bemühst, wirst du bezüglich "Messfehler bei FSL" sehr viele Beiträge finden. Und du wirst sehr viel Zuspruch finden. Aber eine Ausnahme gibt es hier auch:

 :rotwerd: mich

Mir sind solche ähnliche Abweichungen durchaus bekannt, kann aber damit gut leben … weil ich ganz einfach andere Anforderungen an die gebotene Messtechnik stelle als das bei einer blutigen Messung gemacht wird. Ich sage immer, wer sein Verhalten an (blutigen) Blutzuckerwerten festmacht, sollte seine allgemein gültige Strategie nicht nach Werten des FSL ausrichten.
Auch wenn das Marketing von Abbott das verspricht, das FSL bietet ganz andere Informationen, die mir wichtiger sind als eine gelegendliche blutige Messung.

Genaueres findest du in all meinen Beiträgen zu FSL & Messfehler.


Hallo Gyuri...

... zunächst herzlichen Dank für Deine Antwort. Erlaube mir trotzdem, dass ich anderer Meinung bin.
Ich als Patient und meine Diabetologin als Ärztin haben uns voller Vertrauen an Abbott gewendet bzw. für die Produkte dieser Firma entschieden, weil wir eine Verbesserung oder Erleichterung erhofft und auch erwartet haben sowie auch erwarten durften.
Dass es tatsächlich zu abschätzbaren Abweichungen zwischen Gewebezucker und Blutzucker kommen kann,  ist inzwischen auch mir bekannt. Aber da kalkuliert man zwischen 16 und 20 mg/dl.

Wenn jedoch ein Unterschied von bis zu 190mg/dl vorhanden ist, dann darf man nicht von geringen Abweichungen sprechen, sondern der Patient ist in tatsächlicher Lebensgefahr. Ist der Patient dann noch wegen Beweglichkeitseinschtänkungen nicht in der Lage für Abhilfe zu sorgen, kann der Bestatter schon mal seine Pferde einspannen.

Doch selbst dann,  wenn man nicht blutig nachmisst, sondern sich auf die Anzeige beim Freestyle libre 2 blind verlässt, begibt man sich - ohne dass man die geringste Ahnung davon hat - wieder in Lebensgefahr.

Ich darf, nein ich muss mich  als Patient  und auch als Arzt auf die Ergebnisse eines Messverfahrens zu jeder Tages- und Nachtzeit verlassen können.

Was das Verfahren von Abbott ermöglicht, es gibt eine lückenlose Dokumentation  des von dem Gerät erfassten Daten. Doch was nützt diese, wenn das dokumentierte völlig falsch ist? Und dass es falsch ist, daran besteht ja wohl kein Zweifel.

Es ist ein Skandal, den Abbott sich hier leistet, wobei es Abbott völlig wurscht  ist,  ob Menschen sterben oder Schaden nehmen.

Dass sollte man eigentlich an jede Wand in Deutschland sprühen, also den Vorgang über die Presse an die Öffentlichkeit bringen.

Ein einziger Sensor kostet den Versicherer  oder mich 52,-€ und das ist. zu den Messfehlern und der Lebensgefahr ein weiterer Skandal.

Gruß Alexander


Offline Gyuri

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Von Haus aus sind bei jedem Messsystem (mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 95%) Abweichungen von ±20% zu einer Referenz-Messung möglich. In 5% aller möglichen Messergebnisse ist sogar mit noch größeren Abweichungen zu rechnen.

Was du da genauso wie die allermeisten Anwender machen und was im Grunde irreführend wird:
Ihr vergleicht das Libre (1 oder 2) nicht mit einer Referenz, sondern mit einem Messmittel, dass ungefähr den gleichen Abweichungen unterliegen dürfen. Da ist dann (zu 95% aller Möglichkeiten) eine Abweichung von bis zu ±40% möglich.
Schlimmer noch! Ihr geht (kritiklos) davon aus, dass für ein Diabetesmanagement IMMER der aktuelle Zuckeranteil von kapilarem Blut die einzig zu verwertende Maßeinheit sein kann.
Wenn dem so wäre, wäre grundsätzlich eine Verwendung von Zuckermessung im ZZW zu unterlassen.

Wer aber neue Wege gehen will, weil er die Messung z.B. mit dem FSL für "praktisch" hält, sollte sich auch neue Strategien einfallen lassen und nicht "einfach" so weiter machen wie zu Zeiten der blutigen Messung. Oder anders gesagt, wer so weiter machen will, wie bereits seit vielleicht 40 Jahren gemessen, gespritzt und gegessen wird, mag das gern tun, sollte dann aber die Finger von FSL oder sonst etwas lassen, was anders misst.

Jede Bemühung, ein System mit einem anderen zu "kalibrieren" muss scheitern, wenn man bedenkt, dass es keinen einfachen Umrechnungsfaktor geben kann.
Und wenn wir es noch einwenig genauer nehmen wollen, wie ich es als ehemaliger Laborleiter eines Kalibrierlabors tue, darf gar nicht von "Kalibrieren" sprechen, bestenfalls von "Justieren".

Beim Kalibrieren wird zuerst ein Vergleich des Prüflings mit einer (ausreichend zuverlässigen) Referenz vorgenommen und dann geschaut, ob die Abweichungen in der Spezifikation sind. Ist das nicht der Fall, kann mit Justage versucht werden, die Abweichungen  zu veringern. Geht das nicht, ist des Messmittel für die Anforderungen nicht geeignet. Geht es aber, muss nach dem Justieren neu kalibriert werden.

Wer sich also einen Agorythmus einfallen lässt, mit dem die Libre-Ergebnisse den blutigen Ergebnissen ähnlicher werden, hat justiert, aber nicht neu kalibriert. Kalibrieren kann der Anwender aber nicht, dass kann nur der Hersteller selbst, oder ein zertifiziertes neutrales Kalibrierlabor.

Abbott sagt indirekt, dass nach der Werkskalibrierung nicht mehr viel gemacht werden kann. Die Software zum Angleichen an blutige Messungen wird nie richtig funktionieren. Würden alle blutigen FSL-Messungen mit den Scan-Werten (nach einem bestimmten Prüfmuster) übereinstimmen, wäre das was anderes. Ich habe das aber noch nie nur ganz selten beobachten können.

Auch wenn es so manch ein Diabetologe und viele Diabetesberater und auch Abbott selbst nicht gern hören: Es wäre an der Zeit, eine neue Strategie für Systeme wie FSL zu entwickeln. Ich bin da (wieder mal) ein Stück weiter und wurstle mit all den scheinbaren "Fehlern" mindestens ähnlich sicher weiter, wie ich es 20 Jahre lang mit BZ-Messgeräten tat. Teststreifen waren auch nie wirklich zuverlässig und man benötigte oft eine Unzahl an Teststreifen um überhaupt irgendwas zu erkennen.

Was bei mir mit FSL nicht geht:
Meine Frau misst auch mit FSL. Früher konnten wir uns gegenseitig mal mit Teststreifen aushelfen, oder sogar das Messgerät vom Partner verwenden. Na ja, bei der Auswertung durch den Diabetologen musste man eine Liste mit "falschen" Werten mitbringen. Der Diabetologe schaute sich aber meist nur die letzten 14 Tage genauer an, falls die Einzelmessungen eine statistische Auswertung zuließen. Auf ein externes Tagebuch schaute er gar nicht, weil die meisten Diabetiker da nichts brauchbares ablieferten. Heute schaut die Diabetologin ebenfalls nur die letzten 14 Tage im FSL genauer an und freut sich, wenn die Notizen dazu möglichst lückenlos gemacht wurden.
Gruß vom Gyuri

Alle sagten: Das geht nicht. :nein:
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Offline Joerg Moeller

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Es ist ein Skandal, den Abbott sich hier leistet, wobei es Abbott völlig wurscht  ist,  ob Menschen sterben oder Schaden nehmen.

Lies dir doch mal die Anleitung dazu durch. Die beschreibt ja schon, dass man in manchen Situationen besser noch mal blutig kontrolliert.
Bei einigen sind die Unterschiede eben höher als bei anderen. "Lebensgefahr" besteht da jedenfalls nicht, das ist medizinisch nicht haltbar.

Bei mir sind die Abweichungen jedenfalls bei jeder Kontrollmessung (die ich bei jedem Sensor mache) absolut im grünen Bereich.
Hätte ich auch immer solche Abweichungen wie Du würde ich es in die Tonne treten und mich nach etwas anderem umsehen. Manche haben ja schon mit dem Umstieg auf Dexcom gute Erfahrungen gemacht.

Viele Grüße
Jörg
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Offline carrick

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Hallo
Ich habe meinen letzten Freestyle 2 Sensor vor 2 Wochen ablaufen lassen und keinen mehr nachbestellt ...und siehe da plötzlich kümmert sich Abbott um mich ,bekomme persönliche Anrufe und es wir auf meine Hinweise der Ungenauigkeit geantwortet...davor ...keine Reaktion oder computeranimierte Rückantworten und vom Supportgequassel
nicht zu reden...ich bin sehr lange darauf eingegangen und habe eine hohes Toleranz an den Tag gelegt,aber auch ich erwarte eine gewisse Genauigkeit und nicht nur eine Tendenz... diese  kenne ich mittlerweilen . ..und gerade auch für meine gelegentlichen Hypos nächtens  brauche ich eine verlässliche Messeinrichtung und nett wenn diese auch am Tag verlässlich ist...deshalb gerade mit Dexcom telefoniert..diese versprechen dieses alles ....mal testen..Sensor am Bauch ist mir auch schon mal lieber..doch es ist auch einiges teurer wie das freestyle Produkt, da kommen pro Quartal mal ca.900€ zusammen...und für dieses Geld kann man auch einiges erwarten.Ich check nun meine Kasse für einen Wechsel und berichte weiter.... ;)


Offline Gyuri

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(…) Ich check nun meine Kasse für einen Wechsel und berichte weiter.... ;)
Ganz ohne böse Hintergedanken!
Ich würde schon gern wissen, wie es bei dir weiter geht.

btw:
Alexander bzw. @Qualtiero hat sich nach diesen beiden Beiträgen wohl nicht mehr sehen lesen gelassen? Ist im Grunde schade. Nicht dass mir gerade nach Streit läge oder gelegen war - ich bin immer für eine Diskussion mit offenem Ausgang zu haben - ganz ehrlich :heilig:
Gruß vom Gyuri

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