Autor Thema: Ungewöhnlicher pp-Verlauf  (Gelesen 827 mal)

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Ungewöhnlicher pp-Verlauf
« am: Oktober 29, 2020, 07:25 »
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Offline Joerg Moeller

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Re: Ungewöhnlicher pp-Verlauf
« Antwort #1 am: Oktober 29, 2020, 10:55 »
Ich hab das mal hierher verschoben. Der Erklärbär ist eigentlich für Einsteiger-Fragen gedacht, die dann mit möglichst einfachem Vokabular á la "Sendung mit der Maus" erklärt werden sollen.

So sieht das teilweise bei mir auch aus, und der Anstieg kommt dann Stunden später. Gestern Abend z.B. um 19:30 gemessen, um 20:15 lag ich bei 78 und heute Morgen um 5 Uhr ging es dann hoch, sodass ich massiv gegensteuern musste.

Ich vermute die Mahlzeit bei dir mal so um 14-15 Uhr herum. Der Abfall ab 16 kommt dann von deinem Bolus.

Viele Grüße
Jörg
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Offline Floh

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Re: Ungewöhnlicher pp-Verlauf
« Antwort #2 am: Oktober 30, 2020, 11:54 »
Ich kenne Gastroparese ja nur aus Erzählungen, aber so sieht mein Verlauf nie aus. Ich werfe meinen einfach nur als Vergleich ein:



Blaue Zahlen sind Bolus Einheiten, Rote Zahlen sind KH in Gramm.

Offline Joerg Moeller

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Re: Ungewöhnlicher pp-Verlauf
« Antwort #3 am: Oktober 30, 2020, 13:59 »
Aber wenn Glukose nicht im Blut auftaucht oder wie in letzter Zeit öfter erst nach Stunden, dann könnte sie in der Zwischenzeit auch in der Niere gewesen und später rückresorbiert worden sein.

Nein, das ist physiologisch unmöglich. Wie soll sie denn ohne über die Blutbahn aus dem Zwölffingerdarm (Duodenum) in die Nieren gelangen?

Ohne Pumpe wird es da schwierig, wenn wirklich eine Gastroparese vorliegt. Ich gebe meinen Mahlzeiten-Bolus immer als Dualbolus ab, d.h. ein Teil wird sofort abgegeben und der andere Teil über x Stunden verteilt. Ich mache das meist 50/50 und über 6 Stunden verteilt.

Es kann dann aber trotzdem vorkommen, dass der Magen ziemlich lange träge bleibt und der echte Anstieg dann erst so ca. 8h später einsetzt.

Da hab ich dann aber mittlerweile ein Gefühl dafür und gebe mir dann erstmal 6-7 IE als Sofortbolus und setze dann meine Basalraten für 12h auf 150%.
Meist reicht das, damit er nicht über 150 mg/dL geht und wenn er dann absinkt stoppe ich die temporäre Basalrate wieder.

Als Pen'ner kann man da nur mit langsamen Insulinen probieren oder wie schon mal erwähnt mit einer kleineren Dosis NPH.

Geh damit doch mal zum Gastroenterologen und lass das checken. Möglicherweise kann er das auch schon über einen Atemtest diagnostizieren, so dass Du dir eine Gastroskopie ersparen kannst. Und falls doch: lass die am besten unter Dormicum machen. Das erzeugt eine retrograde Amnesie und du fühlst dich dann hinterher besser ;-)

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Jörg
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Offline Joerg Moeller

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Re: Ungewöhnlicher pp-Verlauf
« Antwort #4 am: Oktober 30, 2020, 15:06 »
Nachtrag: wundert euch nicht, wenn ich mich jetzt erstmal nicht mehr melde. Ich gehe jetzt für zwei Wochen in den Urlaub  :) :ciao:

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Offline Duff Rose

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Re: Ungewöhnlicher pp-Verlauf
« Antwort #5 am: November 04, 2020, 16:28 »
In diesem CGM-Tagesprofil ist der pp-Verlauf nach genau einer Mahlzeit enthalten:


Außer dieser einen Mahlzeit wurde im abgebildeten Zeitraum nichts gegessen.
Als Basis wurden je 20 IE Levemir um 7 Uhr, 15 Uhr und 23 Uhr gespritzt.
Die Mahlzeit bestand aus immerhin ca. 7 (relativ schnellen) BE: 2 Milchbrötchen mit Marmelade.
Für die Mahlzeit wurden unmittelbar vorher, also ohne Spritz-Ess-Abstand, 25 IE Lispro gespritzt.
Preisfrage:
a)   Um wie viel Uhr war die Mahlzeit?
b)   Woran erkennt man das?
c)   Wie kommt ein solcher pp-Verlauf zustande?

Ach du liebe Zeit, wo bekommt man denn so eine gerade kurve hin? Hast du den ganzen Tag gelegen, dich nicht bewegt? Ich müsste mich erschiessen, damit die Kurve bei mir so verläuft.  :hilfe:

Mein Tipp lag bei 14:30, wobei ja mittlerweile aufgeklärt wurde.

Ich bin echt baff von der Kurve!  :staun2:
 

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Offline Floh

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Re: Ungewöhnlicher pp-Verlauf
« Antwort #6 am: November 05, 2020, 09:13 »
@Duff Rose ich hätte da noch ein Bild zur Beruhigung. Ist aber schon etwas älter.



So eine halb lesbare Quelle ist auch noch mit dabei. Ich bin immer noch zu faul diese rauszusuchen. Der Verlauf von SCHM ist also eher untypisch. Es ist aber schon so, dass Diabetiker (als einzige) einen völlig flachen Verlauf erzielen können, weil wir eben Insulin vor der Mahlzeit abgeben könnten. Langweilige Gesunde hinken da halt in der Regelungstechnik hinterher.


Offline Joerg Moeller

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Re: Ungewöhnlicher pp-Verlauf
« Antwort #7 am: November 16, 2020, 16:38 »
Aber mir ist auch nicht wirklich klar, was da genau in der Niere passiert. Da war ich wohl gerade krank, als das in der Physiologie-Vorlesung durchgenommen wurde ;D
Wirklich verstehen kann ich das nicht, wie und warum die Niere ausgerechnet nach dem essen da so viel rausholen und 2-3 Stunden später wieder rückresorbieren sollte.

Den genauen Ablauf hab ich gerade auch nicht parat, aber ich weiß wohl, dass die Nieren pro Tag 150-200 Liter Primärharn filtrieren und davon alles bis auf 1,5 - 2 Liter wieder rückresorbieren. Der Rest landet dann in der Harnblase und wird ausgeschieden.
Also muss das ein kontinuierlicher Prozess sein, da es ja kein Organ als Speicher für den Primärharn gibt.
Genaueres findest Du hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Nierentubulus

Zitat
Und in meinem Fall würde ich auch nicht unbedingt einen zweiten Bolus auf 6 Stunden verteilen. Wenn das Bolusinsulin nicht allzu falsch dosiert ist, sollte es genügen, zwei bis drei Stunden nach dem Essen den CGM-Verlauf gut zu beobachten und nachzuspritzen, sobald  der Trendpfeil nach (schräg) oben geht. 

Ich hab gestern abend so gegen 19:30 gegessen und bin dann für den Rest des Abends ziemlich niedrig geblieben (knapp an einer Unterzuckerung vorbei).

Dafür wurde ich dann heute morgen gegen 7 Uhr geweckt, weil der Glukosewert wieder stark anstieg. Es gibt aber auch Tage, da beginnt der Anstieg schon so 2-3h nach dem Essen. Lässt sich nie so 100%ig vorhersagen.

Zitat
Als Pen'ner kann man da nur mit langsamen Insulinen probieren oder wie schon mal erwähnt mit einer kleineren Dosis NPH.
Normales Humaninsulin hatte ich eigentlich auch als Alternative im Sinn, aber der Diabetologe meinte, ich sollte erstmal so weiter machen.
Das neue, beschleunigte Lispro mit dem unaussprechlichen Namen (ich glaube nicht, dass sie beim Handelsnamen eine sehr glückliche Wahl getroffen haben) würde auch allenfalls als Geheimwaffe für schnele Korrekturen Sinn machen.
NPH hatte ich mal als Basisinsulin, aber wirklich überzeugend war das nicht und als Bolus würde ich es wirklich nur nehmen, wenn es gar nicht anders geht.

Das Wesentliche daran ist ja für mich auch eher der Fakt, dass man heutzutage verschiedene Insuline mit verschiedenen Wirkprofilen hat.
Da ist es dann einfacher, für sich eine optimale Zusammenstellung zu finden. Man muss sich nicht immer auf ein einziges Insulin festlegen, wenn man einen Diabetologen hat, der die verschiedenen Insuline auch als Spezialwerkzeuge sieht.

Zitat
Ich denke mal über den Vorschlag nach, zum Gastrodingsda zu gehen, aber retrograde Amnesie möchte ich -glaube ich- gar nicht haben.
Vielleicht habe ich das ja auch schon machen lassen und habe es nur wegen der retrograden Amnesie vergessen. ;D

 ;D
Ich hab es schätzen gelernt, als ich nach einer Gastro aufgewacht bin und keine Erinnerungen daran hatte. Ich weiß, dass ich dabei wach gewesen sein muss (wie hätte ich sonst schlucken können?), aber ich hatte Null Erinnerung. Das war aber auch im KH und da hatte ich anders als bei meinem Internisten auch ein Bett, in dem ich nach dem Eingriff ausschlafen konnte.

Viele Grüße
Jörg

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