Diabetesfragen > Allgemeiner Bereich
diabetes ganz neu - und jetzt?
niahmey:
hallo...
ich bin 22 und hab seit einer woche diabetes typ I. naja, wahrscheinlich schon etwas länger, aber seit etwa einer woche weiß ichs. aber bis mir meine hausärztin gesagt hat, ich müsste direkt ins krankenhaus, da ich jeden moment ins koma fallen könnte, hab ich keine ahnung davon gehabt.
seit gestern bin ich aus dem krankenhaus...so gut klar komm ich bis jetzt noch nicht. bei mir dauerts noch, erstmal alles zu akzeptieren und ein bisschen demoralisiert bin ich auch. alle leute sagen immer, dass später alles ganz normal wird und man super mit seinem handicap leben kann und sie denundden kennen, der super damit zurecht kommt und derundder lebt ganz normal undsoweiter.
wie lange hat das denn bei euch allen gedauert? ich kann mir das noch nicht vorstellen, dass alles normal sein soll. ich hab noch totale probleme mit dem spritzen und berechnen der BEs, die ich dann auch wirklich essen will.
außerdem schwanken meine werte noch total, aber das ist wahrscheinlich normal, oder? ich hab trotzdem nicht wirklich das gefühl, dass ich richtig eingestellt bin, aber wahrscheinlich ist es nicht so gut seinen faktor direkt am anfang so ganz alleine zu verändern, oder? deswegen wollte ich wissen, ob jemand in münster einen diabetologen kennt, der gut und nett ist (aber mir scheints die meisten kommen eher nicht aus dieser ecke...)? oder geht man besser zum hausarzt?
beim spritzen bin ich mir auch manchmal unsicher. ich spritze lantus und humalog. das lantus spritze ich nur einmal um halb 10 abends, aber nur im krankenhaus bin ich zu dieser zeit ins bett gegangen. muss ich das denn direkt vorm schlafen gehen spritzen? und meistens esse ich auch noch danach was, ist das eher ungünstig, oder kommen sich die beiden verschiedenen typen insulin gar nicht in die quere? wenn ich spät ins bett gehe, ist dann trotzdem so gegen 2 uhr der punkt, an dem der zucker am niedrigsten ist?
naja, nachts ist der wert bei mir meist stabil, aber tagsüber gehts immer noch total durcheinander. soll ich denn dann auch wohl, wenn ich nichts essen will und trotzdem zu hohen zucker habe auch ohne zu essen Humalog zum korrigieren spritzen?
ich hab irgendwie so viele fragen und auch angst alles falsch zu machen...vielleicht kann einer von euch aus seiner erfahrung helfen? ich muss mir wahrscheinlich viel mehr zeit geben, aber ich bin so unruhig und will das so schnell wie möglich in den griff kriegen...auch wenn ichs mir bis jetzt noch nicht vorstellen kann, dass mir dieser doofe diabetes irgendwann nicht mehr so viel ausmachen wird :'(
jetzt hab ich mich erstmal ein bisschen ausgeheult, es schaffen ja soviele leute gut damit zu leben, also ich auch.
für einige tipps wäre ich sehr dankbar...
lg*
??? ???
reschmieba:
Hallo,
ich war 28 bei meiner Typ I Diagnose. Ist jetzt ein 3/4 Jahr her...
Ich denke, daß zwei Dinge enorm wichtg sind. Zum einen sollte man seinen - und ich meine den ganz persönlichen mit allen Eigenarten - Diabetes verstehen. Dazu bedarf es guter Ärzte, Vertrauen und Fragen, Fragen, Fragen. Dieses Forum und SiDiary können eine enorme Hilfe sein. Danke übrigens an alle hier! Je besser man seinen Diabetes versteht, desto besser kann man ihn kontrollieren. Zweitens ist es wichtig, daß Du ihn akzeptierst. Es ist völlig OK und nur normal, daß Du sicher ab und zu auf der Bettkante sitzt und heulst. Tue das. Aber wenn jeder Zehnte Deutsche ein Diabetiker ist und der liebe Gott bei Dir gerade bei 10 war, dann ist es so. Mit hat es geholfen, die ganze Sache aktiv anzugehen. Nimm die Spritze und traue Dich! Du mußt es ohnehin machen. Verstecke Dich nicht. Ich spritze z.B. in sehr vielen Restaurants offen. Du hast nichts verbrochen und kannst nichts für Deinen Diabetes. Und Du bist nicht krank, sondern hast nur einen Mangel an vermutlich irgendwas um 0,2 ml (!) einer durchsichtigen Flüssigkeit... Und wenn Du Sicherheit gewonnen hast, dann kannst Du auch genau bestimmen, wen Dein Diabetes etwas angeht und wen eben auch nicht...
Ich drücke Dir alle beide Daumen. Und ich kann Dich nur ermutigen, jede Frage hier (und auch Deinen Ärzten) zu stellen, die Du hast. Du wirst in der Tat sehen, daß sich zwar einige Dinge etwas verändern, nicht aber Dein Leben...
Beste Grüße,
reschmieba
Alf:
Hi niahmey,
erstmal willkommen im Club! :(
Also, mit jetzt einer Woche Diabeteserfahrung bricht nat. so vieles neues auf Dich ein, dass Du Dich nicht verrückt machen darfst, wenn's mal nicht so rund läuft! :knuddel:
Schwankende Werte sind nicht schön und auf Dauer auch ungesund aber da Du jetzt erst mal Deinen Diabetes angefangen hast zu therapieren und sich Dein Insulinbedarf gerade am Anfang (bis nach der Remissionsphase) sicher auch noch häufiger ändern wird, ist es wichtig, dass Du schritt-für-schritt vorgehst: Es gibt einige Stellen, an denen man schrauben kann aber es macht keinen Sinn, alle gleichzeitig zu verändern!
Versuche erst mal Sicherheit für Dich selbst zu gewinnen, z.B. das BE-Abschätzen. Das ist ein "Basic", das Du zuverlässig draufhaben solltest, denn wenn Du immer falsch schätzt (und nicht mehr wiegst), kann nat. auch die injezierte Insulinmenge, die Du aus der Essensmenge errechnet hast, niemals stimmen - folglich ist der BZ danach reine Glücksache... Deshalb sollten "Frischlinge" ja am Anfang auch tatsächlich die relevanten Nahrungsmittel abwiegen und Ihr Schätz-Vermögen trainieren. ;)
Wenn Du Dich(mit Hilfe Deiner Waage oder Deines Schätzvermögens) auf die BEs verlassen kannst, kann man darangehen, Insulinmenge, d.h. Basalversorgung und BE-Faktoren feinzujustieren: Will heißen, im Krankenhaus haben sie das mit Sicherheit versucht und Dir auch das erste Rüstzeug mit auf den Weg gegeben aber ich persönlich halte von stationärer Einstellung eines Neudiabetikers recht wenig, einfach weil zu hause dann doch "alles anders" ist. Du hast ganz andere Lebensverhältnisse, andere Bewegungsintensität, anderes Essen usw. und zudem ist der "Schock danach", jetzt alles alleine hinkriegen zu müssen, ein sehr viel größerer.
Aber jetzt auch das positive: Du hast sehr vielen Frischlingen bereits einiges voraus: Du unterhälst Dich hier mit "Leidensgenossen". Das wichtigste, was mir in meiner Diabeteskarriere (und davor bereits bei der meines Vaters und Bruders) bewusst geworden ist: Werde Dein eigener "Arzt". Mach Dich schlau, was in Deinem Körper vorgeht! Wenn Du Dich ausschliesslich auf Deine Ärzte verlässt kann's Dir passieren, dass Du irgendwann mal Pech mit einem hast und wirklich verlassen bist. :| *)
Ich hoffe, Du findest hier noch eine Empfehlung zu einem guten Diabetologen in Deiner Nähe, denn der kann Dir wirklich die Starthilfe und Sicherheit geben, die Du brauchst. Und zumindest so viel kann man sicher sagen: In einer diabetologischen Schwerpunktpraxis ist das Risiko schon mal fast auszuschliessen, dass Du auf einen triffst, der überhaupt keine Ahnung hat - bei Allgemeinmedizinern ist es um das Wissen zu Diabetes oftmals schon nicht mehr ganz so gut bestellt...
Also die wirklich konkreten Vorschläge, spritz da ein bisschen mehr und hier ein ein bisschen weniger, wirst Du hier nicht bekommen. Aber Du kannst Dir hier mit Sicherheit das Rüstzeug anlesen und andiskutieren, um jederzeit selbst sagen zu können: Hier brauche ich ein bisschen mehr und da ein bisschen weniger.
(Zu Deiner konkreten Frage: Grundsätzlich ist es in Ordnung auch ohne Essen einen zu hohen Blutzuckerwert zu korrigieren. Wichtig dabei: Jetzt am Anfang vorsichtig zu korrigieren [welchen Korrekturfaktor hast Du vom Krankenhaus für Dich bekommen?] und nicht zu schnell erneut zu korrigieren! D.h. wenn Dein BZ durch Humalog nach ~3 Stunden immer noch nicht auf Normalniveau ist, dann kannst Du nochmal korrigieren, gefährlich wäre es, wenn Du nach einer Stunde bereits ungeduldig wirst und nochmal korrigierst, denn da wirkt die erste Humalog-Injektion noch. Wie lange Humalog wirkt ist bei jedem anders aber 2-3 Stunden kann man da sicher als Faustregel annehmen)
Setz' Dich jetzt erstmal nicht zu sehr unter Druck! Lass Dir Zeit und wie gesagt: Nicht immer alles auf einmal ändern.
Eines weiß ich aber ganz sicher: Wenn Du jetzt ein bisschen am Ball bleibst, wirst Du nächstes Jahr schon über Deine Ängste schmunzeln: Heute kann man wirklich sehr gut mit seinem Diabetes leben! Es gibt viel schlimmeres...
Viele Grüße, Alf.
*) Ich war mal bei einem Allgemeinmediziner den ich für unter der Woche an meinem zweiten Wohnsitz "zur Reserve" haben wollte, falls mal irgendetwas kurzfristig anstünde. Nach dem Ersttermin hatte ich überlegt, ob ich bei der Ärztekammer nachfrage, ob sie jetzt schon jeden mit einem geschossenen Dokortitel auf die Menschheit loslassen... :kreisch: :zwinker:
Wie gesagt: Such Dir in jedem Fall einen Diabetologen, am besten eine Schwerpunktpraxis! :)
Gela:
Hallo niahmey,
die Jungs vor mir haben schon ganze Arbeit geleistet :ja:. Hier in diesem Forum kannst du deine Fragen stellen, wir helfen gerne weiter!
Vor einer Weile war ich auch auf der Suche nach einem guten Diabetologen und habe ihn über das Internet gefunden. Sozusagen mit dem Prädikat "von Diabetikern empfohlen" :zwinker: . Nach dem Motto "Suche Diabetologen im PLZ-Bereich...." habe ich mich im mehreren Foren und bei der google newsgroup sci.medizin eingetragen, die du hier auch unter den Links findest. Daraufhin bekam ich viele mails und konnte meine Auswahl treffen.
Ich wünsch dir viel Erfolg bei deiner Suche!
LG Gela
Angela:
Genau, es ist eh schon viel gesagt worden. Klar alles Neue ist am Anfang schwer. Such dir einen Diabetologen und mach Schulungen. Schau dir in Ruhe Jörgs Seite an. Sie ist sehr verständlich und da kannst du vieles erfahren. Und wenn du was nicht verstehst frag einfach.
Und es stimmt man bekommt es in Griff und dann gehört es einfach zu einem. Der eine akzeptiert ihn früher, der andere später. Ich hab 5 Jahre gebraucht, aber jetzt lebt er mit mir. Manchmal halt nicht so gut :baeh: aber was solls. Es wird schon werden, glaub mir jeder hat es geschafft.
Und ich kann allen anderen nur zustimmen. Du schaffst es schon :super:
Und wenn du wenn zum ausweinen braucht: diabetesinfo hört gerne zu. :rose:
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