Diabetesfragen > Allgemeiner Bereich
Spiegel Nachrichten - Sparen durch die Hintertür / Das Ende für Lispro & Co?
Oli:
Eben, als ich den neuen Spiegel lese, sehe ich auf Seite 69 folgendes
ZITAT:
"Ein neues Sparmodell wollen die Gesetzlichen Krankenkasse an Deutschlands Diabetikern erproben. Danach sollen die kurzfristig wirksamen synthetischen Insulin-Medikamente wie Aspart, Glulisin und Lispro nicht mehr von Kassen erstattet werden. "Das angestrebte Behandlungsziel", heißt es in einer Beschlussvorlage für die Sitzung des Gemeinsamen Bundesausschusses am 21. Februa, "ist mit Humaninsluin ebenso zweckmäßig, aber kostengünstiger zu erreichen." Vom Zwang zum Humaninsulin sollen allerdings jene rund 400.000 Patienten ausgenommen werden, die bereits heute auf das mordernere, aber auch teurere synthetische Insulin eingestellt sind. Alle zukünftigen Patienten aber müssen sich mit Humaninsulin behandeln lassen - oder die teureren Medikamente aus eigener Tasche bezahlen. Mit dem Sparbeschluss würde der gemeinsame Bundesausschuss erstmals bestimmen, dass innerhalb einer Patientengruppe von den Kassen unterschiedliche Medikamente bezahlt werden. Die betroffenen Arzneimittelproduzenten sehen in der Diskussion um das synthetische Insulin den Einstieg in eine Zweiteilung der Medikamentenversorgung und eine Rationierung durch die Hintertür. Ingesamt werden in Deutschland derzeit etwa 1,5 Millionen Patienten mit Insulin gegen Diabetes behandelt."
ZITAT ENDE
Das grenzt IMHO schon an einen Skandal >:(
AxTRIM:
Hola!
Diffizieles Thema, ich würde sagen das es kein Skandal ist. Unser Gesundheitssystem ist zu teuer und wir können uns diese überteuerten Medikamente nichtmehr leisten. Gerade die Diabetes ist immer mehr auf dem Vormarsch, wo soll dass ganz dann enden. Wo kein Geld ist kann keins verteilt werden.
Und man streicht uns ja nicht das Insulin sondern nimmt uns "nur" den Luxus des schnelleren Wirkeintritts des KIA bzw. der längeren Wirkdauer des LIA. Weiterhin steht da, dass dies nur Neupatienten trifft. Wir sind also erstmal aus dem Schneider. Aber auch wenn man mir die Zuzahlung die mein Apidra mehr kostet als ein Humaninsulin streichen würde, ich würde die Pi mal Daumen 3€ pro Patrone mehr aus der eigenen Tasche zahlen. Da ich mit einer Patrone ca. 1 Woche hinkomme würde es mich ca. 7,-€/Monat mehr kosten. Da ich kein LIA einsetze würde mich eine Anpassung dort nicht treffen.
Maximal würde also eine Streichung der Zuzahlung für KIA & LIA einen Diabetiker ca. 14,-€/Monat kosten, im Jahr 168,-€. Klar, ist viel Geld, aber dann muss man halt entscheiden ob man sich den Luxus des kürzeren, bzw. nicht vorhandenen SEA bzw. der 24 stündigen Wirkdauer erkaufen möchte oder nicht.
Die Aussage "ist mit Humaninsluin ebenso zweckmäßig, aber kostengünstiger zu erreichen" halte ich für wahr und korrekt. Mit Humaninsulin ist es aufwändiger, aber ebenso zu erreichen wie auch einige Beispiele hier im Forum zeigen.
Vielleicht sollte man auch mal an das andere Ende der Fahnenstange gucken zu den Pharmaherstellern. Vielleicht würden die durch einen Umsatzeinbruch bei KIA und LIA einsehen, dass sie Ihr Insulin zu einem Markt-Angepassten Preis verkaufen sollten. 12,-€ für 3ml halte ich, gerade bei Insulin, für einen total überzogenen Preis. Aber so lange es das Gesundheitssystem bezahlt würde ich, als Hersteller, eben diesen Preis auch verlangen.
Dies wird ein langer Thread denkende Grüße,
Peter
Schnurble:
--- Zitat von: AxTRIM am Februar 06, 2006, 12:13 ---Aber auch wenn man mir die Zuzahlung die mein Apidra mehr kostet als ein Humaninsulin streichen würde, ich würde die Pi mal Daumen 3€ pro Patrone mehr aus der eigenen Tasche zahlen. Da ich mit einer Patrone ca. 1 Woche hinkomme würde es mich ca. 7,-€/Monat mehr kosten.
--- Ende Zitat ---
Soweit ich gehört habe, sollen bei diesem Sparmodell Analoga komplett nicht mehr übernommen werden, d.h. Du zahlst nicht nur aus eigener Tasche, was das mehr kostet als Humaninsulin, sondern den kompletten Preis.
Vor ca. 4 Jahren hatte ich auf einer Dienstreise mal mein komlpettes Spritzzeug zu Hause vergessen, und der Betriebsarzt in der Firma, wo ich war, konnte mir nur ein Privatrezept ausstellen, so dass ich das Geld fürs Insulin erstmal selber vorstrecken musste.
Ein 5er Pack Humalog 3ml Patronen kostete 144 DM. Auch wenn grössere Packungen (z.B. Insulinflaschen) sicher etwas preiswerter (pro ml) sind, ist das doch mehr als ich mir auf Dauer leisten könnte. Und ich habe jetzt Novorapid, das ist glaube ich sogar noch teurer als Humalog.
Es wäre ja schonmal ein Anfang, nicht jedem gleich ein Analogon zu verschreiben, sondern mit Humaninsulin anzufangen, und nur bei Bedarf auf Analoga zu wechseln.
Deshalb hoffe ich stark dass dieser Sparplan nicht umgesetzt werden wird...
LG,
Anja
AxTRIM:
Hallo Anja,
erstmal, ich hab oben natürlich nen dicken Rechenfehler drin: 3€ x 4,5 Wochen = 13,50€/Monat. Also müßte ich 13,50 Euro im Monat zusätzlich zum normalen Eigenanteil zuzahlen. Hätte ich zwei Analoga wären es schon 27,-€ im Monat mehr, im Jahr 324,-€. Uhi :o
Nun gut, zu deinem Post. Also, natürlich würde die Krankenkasse das übernehmen was normalerweise ein Humaninsulin kosten würde. Alles andere wäre rechtswidrig. Nur müßtest Du halt den Unterschiedsbetrag bezahlen. Ich mach nun mal die Vergleichsrechnung anhand von Humalog (welches hier ja die meisten Analoger einzusetzen scheinen) und Insuman Rapid. Preise von DocMorris:
Humalog:
10*3ml Ampullen = 122,60€ = 12,26€ pro Patrone
Insuman Rapid:
10*3 Ampullen = 88,18€ = 8,82€ pro Patrone
12,26 - 8,82 = 3,44 €
Der Diabetiker der also anstatt Insuman Rapid lieber Humalo möchte würde in Zukunft zusätzlich pro Patrone mit 3,44€ mehr belastet. Bei 4,5 Patronen im Monat macht das 15,48€ im Monat mehr, im Jahr 185,76€.
Nimmt er zusätzlich noch ein LIA, ich mache hier den Vergleich zwischen Lantus und Insuman Basal, kämen weitere Zuzahlung hinzu:
Lantus:
9*3ml Ampullen = 129,10€ = 14,34€ pro Patrone
Insuman Basal:
10*3ml Ampullen = 88,18€ = 8,82€ pro Patrone
14,34 - 8,82 = 5,52€
Hier würde der LIA Diabetiker also direkt mit 5,52€ mehr pro Patrone zur Kasse gebeten. Macht wiederrum bei 4,5 Patronen im Monat 24,84€ mehr, im Jahr 298,08€.
Der Diabetiker der also die volle Analoga Therapie wünscht muss in Zukunft ca. 480,-€ im Jahr oder eben 40,-€ im Monat mehr zuzahlen. Sicherlich ein ganz schöner Happen. Also eingefleischter Sozialdemokrat müßte ich im Prinzip dagegen sein, als Realist aber sehe ich kaum eine andere Möglichkeit außer der Zuzahlung.
Auch sehe ich in dieser Vorgehensweise die einzige Möglichkeit die Pharmaindustrie zum Nachdenken und Einlenken zu bewegen ihr Insulin endlich günstiger anzubieten. Es kann und darf nicht sein für 3ml eines Hormons - egal ob Gentechnisch verändert oder nicht - 14,43€ zu verlangen. Das sind Mondpreise und mit nichts zu rechtfertigen. Aber die Pharmaindustrie will die Preise ja immer mit den exorbitanten Forschungsgeldern die zur Entwicklung von Analoga Insulinen verwendet wurden rechtfertigen. Ne is klar!
Die Pharma-Industrie ist eine Abzocker-Industrie behauptende Grüße,
Peter
Schnurble:
Hallo Peter,
--- Zitat ---Also, natürlich würde die Krankenkasse das übernehmen was normalerweise ein Humaninsulin kosten würde.
--- Ende Zitat ---
Ich kann nur wiedergeben, was mein Diabetologe auf dem letzten Pumpentreffen in November erzählt hat. Natürlich ist es eine Riesenschweinerei und die Ärzte lehnen sich mächtig dagegen auf, aber der Beschluss sieht vor, Analoga von der Liste der Medikamente, für die KKs aufkommen, zu streichen. Damit kann Dein Arzt Analoga nicht mehr auf Kassenrezept verschreiben. Und damit ist die KK aussen vor, was die Finanzierung betrifft.
Das ist dann wie bei Grippemitteln, wer sie will, muss sie selber bezahlen, und zwar ganz. Die KK bezahlt ein Humaninsulin, wenn Dir der Arzt eins verschreibt. Wenn er dir was anderes verschreibt, was nicht in ihrem Leistungskatalog steht, zahlt sie auch nix.
Oder siehe Pflanzliche Mittel gegen allerlei Zipperlein - sind offiziell nicht als wirksam anerkannt und damit nicht im Leistungskatalog der KKs. Hat z.B. jemand Schlafprobleme und bekommt vom Arzt Schlaftabletten, bezahlt das die KK. Will er seinen Körper nicht mit Chemie belasten und lieber Baldriantropfen nehmen, muss er die selber kaufen und ganz aus eigener Tasche zahlen. Da beteiligt sich die KK nicht dran, nichtmal mit der Differenz zur Schlaftablette (abgesehen davon, dass Baldrian wahrscheinlich eh preiswerter ist als Schlaftabletten).
LG,
Anja
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