Diabetesfragen > Allgemeiner Bereich
Das Aufstehphänomen
Joerg Moeller:
--- Zitat von: hws am November 20, 2005, 22:27 ---Ich habe mal darüber nachgedacht, dass das Aufstehphänomen auch vom archaischen Teil unseres Gehirnes gsteuert wird. Aufstehen hieß doch bei unseren Vorfahren oft: "Wir werden angegriffen" oder "Wir müssen jagen" und da wird doch dann ein höherer Blutdruck und ein höherer Zuckerspiegel gebraucht.
--- Ende Zitat ---
Zum Teil auch, sicher. Aber überwiegend geht es darum zu verhindern, daß das Blut der Schwerkraft folgt und in den Beinen versackt. Dann wird einem schwarz vor Augen und man befindet sich sofort wieder in der Waagerechten :zwinker:
Es gibt ja auch Leute, bei denen das krankheitsbedingt nicht so läuft wie es sollte. Das nennt man dann "orthostatische Dysregulation".
Aber diese sogenannten Katecholamine (zu denen auch Adrenalin und Noradrenalin gehören) hatten schon ganz klar die Aufgabe, den Körper für Kampf oder Flucht klarzumachen.
Da braucht man dann mehr Energie (->Glucosefreisetzung), mehr Sauerstoff (->Herzfrequenz wird erhöht) und ein sicher durchblutetes Gehirn (->Blutdruckerhöhung)
Joa:
Moin Jörg,
ich hab mir jetzt mal die von Dir verlinkten Seiten zu Gemüte geführt (besser zu führen versucht).
Nochmal Dank dafür.
Ich bin mir dann allerdings nicht schlüssig, dass es bei der wegen fehlender Insulinwirkung entstehenden
Resistenz nicht doch (auch) mit dem Aldosteron zusammenhängt.
> [Aufstehphänomen (AP) und Insulinresistenz]
--- Zitat von: Jörg Möller am November 20, 2005, 13:49 ---
Darüber hatten wir ja schon mal geredet, aber ich hab jetzt nochmal genauer nachgeforscht.
Aldosteron hat damit rein gar nichts zu tun (ist nämlich ein Mineralcorticoid und kein Glucocorticoid).
--- Ende Zitat ---
Beim Herumgooglen fand ich noch so Hinweise auf die Verwandschaft von Aldosteron und Kortison, wie auch Wirkzusammenhänge auf gleiche Zellkernrezeptoren.
"Die Kortikosteroidhormone Aldosteron und Kortison sind wichtig bei vielen Regulationsvorgängen ..."
oder unter (dort ganz unten):
Renin, Aldosteron und so weiter
Nu ist Kortison ja für seine nachhaltige Insulinresistenzverursachung bei mangelhafter Insulinabdeckung bekannt.
Wie die zustande kommt, kann ich allerdings nix zu sagen.
Warum sollte dann fehlendes Insulin für das artverwandte Aldosteron nicht auch ...?
--- Zitat ---Noradrenalin stößt das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) an und das dabei gebildete Angiotensin II erhöht die Insulinresistenz durch Abschwächung der Postrezeptor-Signaltransduktion.
(vereinfacht: AT II schwächt die Insulinwirkung in der Zelle ab, es werden dann pro Insulinmolekül weniger Glucosetransporter freigesetzt
--- Ende Zitat ---
Das hat die Auswirkung der AP-Resistenzentwicklung ohne Insulinabdeckung?
--- Zitat ---Nebenbei: das würde auch die BZ-Wirkung der Sartane erklären. Sartane sind ja Angiotensin II-Rezeptor-Blocker.
--- Ende Zitat ---
Die BZ-Wirkung von Sartanen besser von Telmisartan beruht angeblich auch oder insbesondere auf der Aktivierung des PPAR-gamma-Rezeptors der Zelle,
Aerztezeitung-Telmisartan
Telmisartan und Verbesserung der Insulinresistenz
wodurch Telmisartan die glitazonanaloge Wirkung bringt.
Mal abgesehen davon, dass die Sartane als praktisch nebenwirkungsfrei beschrieben werden:
"...liegt ein nicht unwesentlicher Vorteil in der geringen Nebenwirkungsrate, die jener der Plazebogruppe entspricht" (=Dein Link medmix.at),
verstehe ich dabei immer noch nicht, warum Glitazone bei Insulinsubstitution auf dem Index steht, Telmisartan aber nicht?
--- Zitat ---Natürlich könnte man eine ähnliche BZ-Wirkung auch für die ACE-Hemmer annehmen (ACE = Angiotensin-Converting-Enzym; das ermöglicht die Umwandlung von Angiotensin I in Angiotensin II).
Da funktioniert das aber nicht so gut, weil dann statt ACE in geringerem Umfang andere Enzyme diese Umwandlung vornehmen
--- Ende Zitat ---
Die Angiotensin II Blocker haben wohl einen merklichen Einfluss auf die Steigerung der Insulinsensivität, durch insbesondere die Verbesserung der Glucosetransportleistung, ähnlich wie die PPAR-gamma Rezeptoraktivatoren. Forschungsprojekt:…Renin-Angiotensin-System und PPARs (letztes Seitendrittel)
Bei dem von dir verlinkten Wirkzusammenhang ( DDZ (Bild2)), ist IMHO der Focus auf die vorstehenden Mechanismen gesetzt, eine kortisonartige nachgehende Resistenzentwicklung vom Aldosteron könnte einfach mangels Focussierung außen vor sein?
Auch zielt das Ganze auf das metabolische Syndrom ab, so dass ich es hinsichtlich des AP eher für tangential halte, da auch der Resistenzbegriff in eher anderem Zusammenhang steht. Resistenz ist halt ein Sammelbegriff für höchst unterschiedliche Sachverhalte.
Im Grunde ist es aber recht schnuppe, welche Chemie letztlich dazu führt, dass ein nicht mit Insulin gedeckeltes Aufstehphänomen zur Resistenz führt.
Wichtig ist, dass das AP mit Insulin gedeckelt wird. :bimmel:
Gruß
Joa
Joerg Moeller:
--- Zitat von: Joa am November 23, 2005, 01:08 ---Ich bin mir dann allerdings nicht schlüssig, dass es bei der wegen fehlender Insulinwirkung entstehenden
Resistenz nicht doch (auch) mit dem Aldosteron zusammenhängt.
--- Ende Zitat ---
Du weißt aber schon, daß das ein Mineralcorticoid ist?
--- Zitat ---Beim Herumgooglen fand ich noch so Hinweise auf die Verwandschaft von Aldosteron und Kortison, wie auch Wirkzusammenhänge auf gleiche Zellkernrezeptoren.
--- Ende Zitat ---
Okay, dann definier mir doch bitte mal den Weg, mit dem Aldosteron auf den BZ einwirkt. Und versuch das bitte ohne "hätte, könnte, würde" hinzukriegen.
--- Zitat ---
--- Zitat ---Noradrenalin stößt das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) an und das dabei gebildete Angiotensin II erhöht die Insulinresistenz durch Abschwächung der Postrezeptor-Signaltransduktion.
(vereinfacht: AT II schwächt die Insulinwirkung in der Zelle ab, es werden dann pro Insulinmolekül weniger Glucosetransporter freigesetzt
--- Ende Zitat ---
Das hat die Auswirkung der AP-Resistenzentwicklung ohne Insulinabdeckung?
--- Ende Zitat ---
Korrekt.
--- Zitat ---
--- Zitat ---Nebenbei: das würde auch die BZ-Wirkung der Sartane erklären. Sartane sind ja Angiotensin II-Rezeptor-Blocker.
--- Ende Zitat ---
Die BZ-Wirkung von Sartanen besser von Telmisartan beruht angeblich auch oder insbesondere auf der Aktivierung des PPAR-gamma-Rezeptors der Zelle,
--- Ende Zitat ---
Und weiter?
--- Zitat ---Mal abgesehen davon, dass die Sartane als praktisch nebenwirkungsfrei beschrieben werden:
--- Ende Zitat ---
Wirf mal einen Blick auf den Waschzettel...
--- Zitat ---verstehe ich dabei immer noch nicht, warum Glitazone bei Insulinsubstitution auf dem Index steht, Telmisartan aber nicht?
--- Ende Zitat ---
Weil bei den Glitazonen Beobachtungen gemacht wurden, die bei den Sartanen nicht gemacht wurden?
C4 lässt sich wunderbar kneten und wenn man einen elektrischen Funken ranführt mach es bumm. Deswegen fällt Kinderknetmasse aber noch lange nicht unter das Kriegswaffenkontrollgesetz...
Joa:
--- Zitat von: Jörg Möller am November 24, 2005, 01:37 ---
--- Zitat von: Joa am November 23, 2005, 01:08 ---Ich bin mir dann allerdings nicht schlüssig, dass es bei der wegen fehlender Insulinwirkung entstehenden
Resistenz nicht doch (auch) mit dem Aldosteron zusammenhängt.
--- Ende Zitat ---
Du weißt aber schon, daß das ein Mineralcorticoid ist?
--- Ende Zitat ---
Mineralcorticoide können keine (Kortison)Resistenz verursachen? :gruebeln:
--- Zitat ---
--- Zitat ---Beim Herumgooglen fand ich noch so Hinweise auf die Verwandschaft von Aldosteron und Kortison, wie auch Wirkzusammenhänge auf gleiche Zellkernrezeptoren.
--- Ende Zitat ---
Okay, dann definier mir doch bitte mal den Weg, mit dem Aldosteron auf den BZ einwirkt. Und versuch das bitte ohne "hätte, könnte, würde" hinzukriegen.
--- Ende Zitat ---
Da hatte ich auch bislang keine weiterführende Erklärung für. Welcher Zusammenhang bewirkt die Insulinresistenz in der Folge von Kortison. Und wie mindert ausreichendes Insulin diese? Aber ...
--- Zitat ---Noradrenalin stößt das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) an und das dabei gebildete Angiotensin II erhöht die Insulinresistenz durch Abschwächung der Postrezeptor-Signaltransduktion.
--- Ende Zitat ---
kannst Du schlüssig darlegen, wieso das Vorhandensein von Aufstehinsulin die nachfolgende Resistenzentwicklung auf der Grundlage von Noradrenalin-Angiotensin II unterdrücken sollte?
Insbesondere wenn es bei kurzem nächtlichen Aufstehen gar nicht gegeben wird? Der Noradrenalinschub als Sofortanpassung sollte da ja auch erfolgen?
Ich bleibe mal bei meiner vorangehenden Schlußbemerkung:
Im Grunde ist es recht schnuppe, welche Chemie letztlich dazu führt, dass ein nicht mit Insulin gedeckeltes Aufstehphänomen zur Resistenz führt.
Wichtig ist, dass das AP mit Insulin gedeckelt wird damit alles schön im
Insulin > < GlucoseGleichgewicht bleibt.
Gruß
Joa
Joerg Moeller:
--- Zitat von: Joa am November 24, 2005, 10:46 ---Mineralcorticoide können keine (Kortison)Resistenz verursachen? :gruebeln:
--- Ende Zitat ---
Definiere "Kortisonresistenz" (Und google mal nach dem Unterschied zwischen Mineral- und Glucocorticoiden)
--- Zitat ---
--- Zitat ---Okay, dann definier mir doch bitte mal den Weg, mit dem Aldosteron auf den BZ einwirkt. Und versuch das bitte ohne "hätte, könnte, würde" hinzukriegen.
--- Ende Zitat ---
Da hatte ich auch bislang keine weiterführende Erklärung für.
--- Ende Zitat ---
Dann darfst du das gern als These behalten, ich werde aber nicht daran glauben.
--- Zitat ---Welcher Zusammenhang bewirkt die Insulinresistenz in der Folge von Kortison.
--- Ende Zitat ---
Inhibition der Postrezeptor-Signaltransduktion.
--- Zitat ---Und wie mindert ausreichendes Insulin diese?
--- Ende Zitat ---
Es werden mehr Rezeptoren besetzt. (Überzahl-Prinzip)
--- Zitat ---
--- Zitat ---Noradrenalin stößt das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) an und das dabei gebildete Angiotensin II erhöht die Insulinresistenz durch Abschwächung der Postrezeptor-Signaltransduktion.
--- Ende Zitat ---
kannst Du schlüssig darlegen, wieso das Vorhandensein von Aufstehinsulin die nachfolgende Resistenzentwicklung auf der Grundlage von Noradrenalin-Angiotensin II unterdrücken sollte?
--- Ende Zitat ---
Siehe oben. Und schau dir mal an, warum ein DM2 mit Primärresistenz im Anfangsstadium eine Hyperinsulinämie hat.
--- Zitat ---Insbesondere wenn es bei kurzem nächtlichen Aufstehen gar nicht gegeben wird? Der Noradrenalinschub als Sofortanpassung sollte da ja auch erfolgen?
--- Ende Zitat ---
Der schon, der wirkt ja auch kurzfristig. Das RAAS wirkt mittelfristig.
Und das wird bei nur kurzem Aufstehen nicht benötigt.
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