Autor Thema: Selbstversuch: Von ICT auf Closed Loop mit CamAPS+YpsoPump  (Gelesen 1180 mal)

Offline Alf

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Im Spätsommer hatte ich die Möglichkeit, den frisch zugelassenen CamAPS Algorithmus mit der Ypsopump zu testen. Es folgt ein absolut subjektiver Test des Systems, das in einigen Dingen weniger mit dem Loop selbst als vielmehr mit den erforderlichen Gerätschaften zu tun hat. Im Grunde muss es jeder für sich ausprobieren!

Bis zum Test (und ich nehme es vorweg: auch danach) war ich mit einer ICT unterwegs, letzter HbA1c-Wert lag bei 5,9% vor dem Loop. Den Test habe ich dann gleich von 0 auf 100 gemacht - so wie man es eigentlich nicht machen sollte, denn ich bin sofort von Pens auf Loop umgestiegen.

Zur Vorbereitung habe ich bereits am Vortag das basale Lantus weggelassen und mit Insuman Rapid Lücken gefüllt, weil ich zu viele Überlagerung von Rest-Basal mit Loop vermeiden wollte. Das hat sehr ordentlich geklappt (Sensor sei Dank). Am Vortag der Pumpeninbetriebnahme hatte ich den Libre2 und den Dexcom G6 parallel am Körper. Der erste Schock in der Realität: Tatsächlich stimmten die Infos aus dem Web, Dexcom gestattet keinen lautlosen Vibrationsalarm. Das empfinde ich als maximale Bevormundung und ist für mich ein absolutes NoGo. Im Kino oder der Oper wild piepsend rausgehen zu müssen geht gar nicht. Und mich deshalb zuvor auf 160 zu bringen, um Reserve zu haben für so eine Veranstaltung ist genau so blödsinnig.

Dann also der große Tag: 2 Stunden hat mir die sehr kompetente Aussendienstmitarbeiterin von Ypsomed alles erklärt und wir haben das System in Betrieb genommen. Dazu musste ich für den Fallback des Loops die Basalraten programmieren sowie für den Start BE-Faktoren und Korrekturregeln. Diese hatte ich mir zuvor mit dem AdviceDevice ausgerechnet. Noch beim Programmieren aller Details in der Pumpe wurde ich stutzig: AdviceDevice wollte abends nur einen BE-Faktor von 1 haben und schlagartig wurde mir klar: AdviceDevice hat Recht!
Ich hatte mich in letzter Zeit immer wieder gewundert, warum ich gerade abends sehr häufige Hypos hatte nach dem Abendessen, die ich dann mit ordentlich Hypo-BE ausgleichen musste. Immer wieder mal esse ich abends einen 500g Becher Nicovanille...und wunderte mich immer, dass ich dort am Besten mit 5iE Bolus klarkam, obwohl es laut Nahrungsmittelangaben auf dem Produkt locker 7,5iE hätten sein müssen. Hatte das nie hinterfragt aber auf einmal ergab der vom AdviceDevice errechnete Faktor Sinn.

Also gleich der erste positive Aha-Effekt zum Start mit CamAPS, der meine Therapie enorm stabilisierte, hatte gar nichts mit dem Loop zu tun, sondern mit dem AdviceDevice! :D

Dann fing der Loop seine Arbeit an und ich hatte mir zum Ziel gesetzt: Gib dem ganzen Gerödel am Körper eine faire Chance. So wartete ich geduldig, bis der Loop mal einen zu hohen Wert eingefangen hatte, den ich mit einem Pen-Bolus viel radikaler weggebügelt hätte. Beobachtete, versuchte zu verstehen, was der Loop so treibt und schliesslich hiess es ja auch, der Loop braucht 4 Wochen, um zu lernen.

In Summe hat der Loop bei mir ordentlich funktioniert! Er vollbringt keine Wunder, korrigiert vergleichsweise zaghaft (man kann das Korrekturmuster sehr gut beobachten) und hat so seine Macken. Generell sollte man nicht zu sehr in den Loop eingreifen mit eigenen Korrektur-Bolusgaben. Lieber dann den Boost-Modus nutzen - dies signalisiert dem Loop: Trau Dich mehr. Für Sport dann den Lease-Modus - das signalisiert: Halt Dich etwas zurück.

Ich hatte die zusätzliche Herausforderung, dass ich zum Testzeitpunkt auch einige Tennisturniere gespielt habe. Das brachte die üblichen Herausforderungen mit sich, was man da mit dem ganzen Zeugs so macht und für den Loop bin ich schnell zeitbezogen auf einen höheren Zielwert gegangen, um mehr Reserve zu haben. Von der Steuerung hat das ordentlich funktioniert - von der Unterbringung des Zubehörs gar nicht. :(

Ich habe während der Matches mehrfach einen Vollhals gehabt und es hat mir auf dem Platz einige viel zu enge Spiele beschert, als ich mir das hätte vorstellen können. Im Grunde hat sich so ziemlich alles gelöst und verselbständigt, was ich getragen habe: Angefangen vom G6, der einfach größer und schwerer als der Libre ist und das am Oberarm (egal ob Schlagarm) ging nicht. Auch mit zusätzlicher Fixierung nicht. Ich hätte es noch mit einer Gummifixierung fixieren können, aber ehrlich: Im Sommer bei einem 2 Stunden-Match irgendwann wie ein tätowiertes Zebra rumlaufen, muss eigentlich auch nicht sein.

Als nächstes die Pumpe: Mit einem Gurt, schwierig, weil ich immer das Gefühl hatte, da rutscht sie raus - tatsächlich ist mir das auch einmal passiert auf dem Weg ans Netz, um den Volley wegzuspielen. *plong* und sie baumelte am Katheter zwischen den Beinen. Ich hatte mir zuvor ebenfalls eine Spezial-Unterwäsche aus Schweden bestellt mit einer eingenähten Pumpentasche. Das ging aber richtig wohl gefühlt habe ich mich trotzdem nicht.

Katheter: Einmal hatte er sich gelöst, einmal habe ich ihn mir rausgerissen. Da hatte ich dann tatsächlich die maximale Ablenkung vom Match, weil ich mir bei den Seitenwechseln immer Mini-Bolus mit dem Pen reingehauen habe, weil ich bei den sehr geringen Insulinmengen nicht in eine Keto rutschen wollte. Das ging aber das Match war weg.

Zu den positiven Dingen im Testzeitraum:
Insulinmenge: Diese ging drastisch nach unten - eher dem Umstieg von ICT auf CSII geschuldet, denn man hört, dass der Loop wieder etwas mehr als CSII erfordert. Das kann ich nicht beurteilen, da ich im gesamten Testzeitraum bis auf wenige kurze Ausnahmen im Automodus war.

Werte: Am Ende des Testzeitraums lag das HbA1c bei 5,7% also um 0,2% verbessert im gleichen Labor. Das ist nicht die Welt aber wenn man von 5,9% kommt als Ausgangslage, ist es schon positiv, das hätte auch anders aussehen können.

Stabilität: Time in Range 70-180: ist im Loop etwas besser +4% (77% auf 81%) aber die Time in Range für meinen individuellen Zielbereich 70-130: ist deutlich besser +12% (52% auf 64%). Das sind bei mir ganz klar die Phasen ohne meine Aufmerksamkeit, also lange Meetings oder nachts, wo der Loop zwar träge korrigiert, aber er tut es, wo ich sonst nicht eingegriffen hätte (also bei Werten unter meinem Libre-High-Alarm von 200mg/dL).

Komfort: Nicht mehr fürs späte Basal wach bleiben zu müssen, wenn eh schon die Augen zufallen ist ein Komfortgewinn. Ich hatte unterschwellig lange das andauernde Gefühl, mein Basal vergessen zu haben. Das hat sich erst nach 4 Wochen gegeben. Auch einen Bolus per App abgeben zu können, ist sehr charmant!

Sensor: G6 als rtCGM war schon fein aber selbst den Libre hatte ich schon über xDrip und modifizierte App schon auf der SMartWatch. Ich brauche es nicht. Inzwischen läuft CamAPS auch mit Libre3 - der Sensor ist deutlich kleiner; wäre meine präferierte Wahl fürs Tennis. Ebenfalls ein Vorteil vom G6: Er lässt sich kalibrieren. Ich hatte einmal ein Gefäß erwischt und die halbe Wohnung eingesaut. Nach ~12-13 Kalibrierungsmessungen, war der Sensor eingefangen und hat über die volle Dauer stabile Werte geliefert!

Aber...

Mich hat die Pumpe immer gestört! Sie war ein Fremdkörper. Ich habe alle Katheter durchprobiert. Teflon ging gar nicht, vom ersten Teflonkatheter habe ich immer noch eine erkennbare Narbe. Stahl passte bei mir deutlich besser aber im Grunde war ich gefühlt immer dran, Zeugs zu erledigen, Katheterwechsel mit oder ohne Schlauch, Ampulle leer, neu aufgezogen, die (erheblichen!) Reste aus der alten versucht rauszuziehen, eigentlich war immer was. Mit ICT fahre ich die Pendiqs zurück, lege die Patronen ein fertig. Ich empfand das als mehr "Arbeit". Ich hatte mir auf Anraten meines Bruders schon zum Test den Bra-Clip geschossen. Das war ok weil ich die Pumpe unsichtbar in der Hose an den Shorts hatte aber andauernd auf das Tamagotchi aufzupassen, Duschen, Toilette, Tennis. Mich hat's genervt. Niedrige Werte ohne stillen Alarm eine Katastrophe, da hatte ich 2mal einen richtigen Hals und nicht mal Symptome. Das Smartphone: Ich hatte IMMER eine Powerbank im Gepäck, mein S10 hat keinen Tag durchgehalten und ich musste es mit ins Schlafzimmer mitnehmen bei eingeschaltetem BT, eigentlich hat mein Handy da nachts nichts verloren. Eine Bolus per App abgeben zu können im Restaurant ist eigentlich nett aber am Tisch mit anderen Personen dafür das Handy in die Hand zu nehmen gab mir ein Gefühl, unhöflich zu sein. Da sind die Pens nach über 30 Jahren Übung fast unauffälliger während man redet.

Der Algorithmus, das Herzstück:
  • Die TiR bei 70-130 zeigt es: Der funktioniert. Aber bei den ISIG-Zielwerten von 70-180 gerade mal 4% besser bei dem Aufwand und mit ICT auch die gewünschten 75% schon erreichbar?
  • Fett-Eiweiss-Mahlzeiten kann der CamAPS Algorithmus nicht. Er ist mit seinem Programm nach 4h durch, die 4 Stunden sind ok aber danach türmt sich ein PP auf. Jedes Mal. Ich habe dann den Boost-Modus nach den 4 Stunden zugeschaltet aber auch das war eine schlecht funktionierende Krücke. Da packe ich mir mit Pens einen Teil Humalog und einen Teil Insuman mit 5-6h Profil rein und fahre deutlich besser.
  • Aufstehinsulin: Kennt der Loop nicht und macht er nicht auch nicht nach der Lernphase. Ich habe also morgens immer 1 Einheit vor der Dusche geben müssen und dann kurz vorm Frühstück den Rest. Mit der Anflutung des Humalogs passte es für mich besser. Vor dem Duschen den Frühstücksbolus, Duschen, Essen, Abfahrt, läuft.
  • Korrekturen: Für meinen Geschmack zu träge. Klar gemessen an der Anwender-Breite so eines Systems, muss man da vorsichtig vorgehen. Aber man sieht die Macken der Korrekturkurven ganz genau: Die Korrektur setzt rel. spät ein, beim ersten Umkehrpunkt der Sensorkurve wird die Korrektur gestoppt, selbst wenn nach dem ersten niedrigeren Wert sofort wieder ein höherer Wert folgt, der Algorithmus wartet zu, irgendwann korrigiert er wieder...bis zum nächsten Umkehrpunkt. Das Spiel passiert 4 Mal, dann ist man endlich wieder im Soll. Mir zu spät, zu träge. Wenn ich mit sauberem Korrekturfaktor unterwegs bin, bügele ich eine 200 glatt runter, fertig. So dauert es 4-6h. Klar wenn man schläft kann das passen aber auch hier das grosse ABER: Was hilft es mir, wenn ich wach werde, weil ich zu lange über der Harnschwelle lag, anstatt wach zu werden vom Sensor-Alarm und mir eine Humalog-Korrektur verpasse, die sofort sitzt?
  • Die Magic des Loops: Mehrfach konnte ich nur staunend zuschauen, was der Loop da so treibt und fragte mich: WIESO? Es gab einige Situationen, wo ich anders reagiert hätte. Ich denke der Loop ist auf Masse getrimmt, muss er sein aber manchmal zu vorsichtig im besten Fall und im schlechtesten macht er Dinge, die nicht passen (ohne Gefahr aber schlicht unnötig). Ein Beispiel: Nachdem er mühsam einen zu hohen Wert runtergekämpft hat, spart er am "Basal" ein, der nächste leichte unnötige Anstieg ist vorprogrammiert.
  • Extrem nervig: Wenn Du vorm Essen sitzt und der Sensor Dir eine 69 gibt, Du schon eine Hypo-BE drin hast und "verdammt nochmal" Hunger hast und genau weisst, wenn Du jetzt ohne Bolus isst und den Bolus erst in 20 Minuten abgeben kannst, weil die App das verweigert, reicht kein Snickers - da werde ich zum Monster! ;) Da zucke ich mit Pen nicht mal, Bolus rein, Essen rein, alles gut. Mit Loop wird man hier entmündigt, obwohl man es aus Erfahrung besser weiss. Klar, der Loop muss für alle funktionieren aber das sind so Situationen... *grrr*

Fazit:
Ich hatte eine leichte Verbesserung meiner Werte aber ich hatte für mich zu viele sehr subjektive Nachteile durch das System, weshalb ich vor allem für meine aktive Tenniszeit wieder auf ICT zurück gewechselt bin und nach der Erkenntnis der abendlichen Faktoren durch das Advice Device zudem noch besser fahre. :)

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Offline Joerg Moeller

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Re: Selbstversuch: Von ICT auf Closed Loop mit CamAPS+YpsoPump
« Antwort #1 am: Dezember 19, 2022, 12:57 »
Danke für den sehr ausführlichen Bericht!
Da kann ich dann schon gut nachvollziehen, warum Du doch lieber bei ICT bleibst, auch wenn der Loop es noch einen Tacken besser geregelt kriegt. (Dein IQR auf der rechten Seite ist ja schon schlanker geworden).

Das deckt sich auch mit meinen Beobachtungen (der Berichte anderer AID-User): die Systeme reagieren immer noch zu zaghaft und kommen schlicht mit manchen Situationen nicht zurecht. Die sind wohl eher für die geeignet, die auch unter ICT schon Schwierigkeiten hatten.

Viele Grüße
Jörg
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Offline Duff Rose

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Re: Selbstversuch: Von ICT auf Closed Loop mit CamAPS+YpsoPump
« Antwort #2 am: Dezember 19, 2022, 21:15 »
Danke Alf, sehr interessant!  :)

Wenn man mit ICT sehr gut unterwegs ist (bei 5,9 kann man das behaupten), dann wird es auch einem Loop schwer dir was zu beweisen.

So ging es mir auch viele Jahre, mittlerweile ist da jedoch Verbesserungsbedarf und ich habe das Gefühl der Loop könnte was sein. Das Thema „Fremdkörper“ existiert allerdings bei mir auch.
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Offline Joerg Moeller

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Re: Selbstversuch: Von ICT auf Closed Loop mit CamAPS+YpsoPump
« Antwort #3 am: Dezember 20, 2022, 11:52 »
Das Thema „Fremdkörper“ existiert allerdings bei mir auch.

War bei mir auch so.
Ich hatte dann aber die Gelegenheit eine echte Pumpe mal zu testen (mit Insulin, obwohl ich die eigentlich nur mit NaCl testen sollte) und das hat mich dann total überzeugt. Vor allem dadurch, dass ich schon am ersten Morgen damit mit normalen BZ-Werten aufgestanden bin.
Und die Pumpe/Kath. hab ich auch nicht als so störend empfunden, wie ich mir das vorgestellt hatte.

(Interessanterweise hatte ich dieselben Vorbehalte auch gegen eine Zahnprothese und meine CPAP-Maske, die sich auch als haltlos rausgestellt hatten).

Ich glaube aber trotzdem nach wie vor daran, dass die innere Einstellung zur Pumpe maßgebend ist. Man kann keinen zur Pumpe überreden.
Bei mir hat es 17 Jahre gedauert, bis der Groschen gefallen ist. Vielleicht hätte ich jetzt weniger Probleme, wenn ich es schon viel früher mal ausprobiert hätte.

Viele Grüße
Jörg
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Offline Kladie

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Re: Selbstversuch: Von ICT auf Closed Loop mit CamAPS+YpsoPump
« Antwort #4 am: Dezember 20, 2022, 12:32 »
Hallo Alf,
interessant zu lesen mit welchen Problemen Du als T1 zu kämpfen hast und wie Du damit umgehst. Da bin ich drei mal froh an T2 erkrankt zu sein. Bei mir ist die Steuerung wesentlich einfacher denn einzelne IEs zählen bei mir nicht und ich rechne auch nicht weil bei mir keine Faktoren ausrechenbar sind.

Aufgrund deiner Erfahrungen hätte ich aber eine Frage: Könnte eine Pumpe (oder closed Loop o. ä.) ein morgendliches Problem lösen wie ich es habe? Ich muß bei einem Nü-BZ von etwas über 100 mg/dl und einem Bolus von 15 IE Humalog fast eine Stunde warten bis der BZ auf ca 60-70 mg/dl gefallen ist und ich mit dem Frühstück beginne. Die 5 BE bringen mich dann wieder pp auf 140 - 180 mg/dl und dann dauert es noch wieder eine bis 2 Stunden bis ich wieder um die 100 mg/dl habe. Mittags und Abends regel ich das ähnlich aber die SEAs sind meist wesentlich kürzer (weil ich mir den Essenszeitpunkt meist nicht aussuchen kann) und die pp Spitzen dann auch mal höher.
Mein HbA1c ist ca 5,5% und ich werde nichts ändern - aber es würde mich mal interessieren....

Klar, daß Du mir keine Lösung anbieten kannst da ich T2 bin, aber ich meine es auch nur theoretisch

Offline Alf

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Re: Selbstversuch: Von ICT auf Closed Loop mit CamAPS+YpsoPump
« Antwort #5 am: Dezember 20, 2022, 18:01 »
Puh, schwierig. Ich glaube nicht, dass ein Loop als Typ2 mit Restproduktion an eigenem Insulin überhaupt sinnvoll ist. Wahrscheinlich würde das den Algorithmus komplett verwirren.

Und wenn Du statisch mit Pumpe arbeiten würdest ohne Loop, könntest Du natürlich durch eine höhere morgentliche Basalrate vorzeitig Insulinspiegel aufbauen, um dadurch vielleicht Deinen SEA zum Frühstück zu verkürzen ABER das halte ich für gefährlich für genau die Sondersituationen, wo Du mal länger schläfst, krank liegen bleibst oder oder oder. Dann hättest Du ja einen Teil des Bolus fürs Frühstück anteilig im Basal vermauschelt, isst aber gar nichts und es droht Hypogefahr.

Was durch die Pumpe vielleicht besser wird ist die Insulinsensitivität, weil durch den Wechsel auf die Pumpe die Insulinmenge runtergehen wird aber ob das reicht, diese Situation annehmbar zu optimieren?



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Offline Alf

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Re: Selbstversuch: Von ICT auf Closed Loop mit CamAPS+YpsoPump
« Antwort #6 am: Dezember 22, 2022, 14:30 »
Heute habe ich mir den Abschlusswert des Tests im Labor abgeholt: 5,8%

Damit hatte ich:

* ICT vor CamAPS: 5,9%
* Mit CamAPS: 5,7%
* ICT nach CamAPS: 5,8%

Die 0,1% Verbesserung von ICT vorher zu nachher ist im Grunde ein bisschen statistisches Rauschen, würde aber schon tendentiell sagen, dass hier vor allem der besser passende Abends-BE-Faktor vom AdviceDevice geholfen hat, dann bliebe bei _mir_ für den Loop 0,1% Optimierung netto. Wie gesagt, alles im Bereich vom Zahlenrauschen, die enger gesteckte TiR (70-130) mit 12% Verbesserung unter CamAPS ist eigentlich das Überzeugendste bei dem Versuch gewesen.
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Offline Kladie

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Re: Selbstversuch: Von ICT auf Closed Loop mit CamAPS+YpsoPump
« Antwort #7 am: Dezember 24, 2022, 18:19 »
Hallo Alf,

orginal Alf:
Zitat
ABER das halte ich für gefährlich für genau die Sondersituationen, wo Du mal länger schläfst, krank liegen bleibst oder oder oder. Dann hättest Du ja einen Teil des Bolus fürs Frühstück anteilig im Basal vermauschelt, isst aber gar nichts und es droht Hypogefahr.
Danke für die Antwort!
Ich vermute, Du bist noch etwas den T1 Überlegungen verhaftet was die Insulinwirkungen betrifft. Hypogefahr ist für mich ein Fremdwort. Ich denke wenn nötig produziert meine Leber Glukagon schneller als Insulin den BZ senkt - ich will es aber nicht darauf ankommen lassen.
Mein Levemir Basal ist so etwas wie Zuckerwasser und beeinflusst meinen Nü-BZ nur marginal. Mein Gewicht ist viel wichtiger... Ich habe mal 10 IE mehr gespritzt aber es ist Zufall ob der Nü-BZ höher oder tiefer ist gegenüber der normalen Dosis. Na ja - vielleicht nicht ganz aber bei einer Bandbreite von 20 - 30 mg/dl nichts entscheidendes.
Ich darf allerdings nicht ganz darauf verzichten denn dann ist mein Bolus nicht mehr in der Lage die pp Spitze zu reduzieren bzw. ich müsste vermutlich irgendwann nachessen wenn ich zuviel Bolus gebe.

Mein aktueller HbA1c ist 5,7% und damit 0,2 - 0,3% höher wie sonst. Damit bin ich aber zufrieden und werde sicher nichts ändern. Ich messe eigentlich nur noch den Nü-BZ und mach sonst alles nach Gefühl / Erfahrung. Dafür ist 5,7% gut genug.

So nun zurück zum eigentlichen Thema.... (Zu dem ich nichts beitragen kann.)