Autor Thema: Herzrhythmus-Störung  (Gelesen 5640 mal)

Offline Gyuri

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Herzrhythmus-Störung
« am: Juli 20, 2014, 20:29 »
Je nach Auslegung des "Henne-Ei"-Problems kann man Herzprobleme als Folge oder Auslöser für Diabetes betrachten. Darauf will ich mich nicht einlassen, weil es in meinem Fall zu nichts führt, die Kausalität für mich zu definieren. Ich habe Probleme mit meinem Herz, egal woher. Ich glaube sogar, sowohl meine Herzprobleme als auch Diabetes kommen bei mir von zu hohen Fettwerten im Blut.

Wie dem auch sei, 2009 erhielt ich in einer "Notoperation" drei Bypässe verpasst, die mich aber rein gefühlsmäßig nicht weiter brachten. Bei der Reha danach, wurde ein Flimmern festgestellt, was man auf die leicht verkalkten Herzklappen zurückführte. Dann entdeckte ein Herzchirurg auch noch, dass eine Herzklappe beim Öffnen anschlägt, was zu einem "Nachfedern" führt. Das sei zwar ein Fehler, aber nicht für meine Beschwerden verantwortlich. Man war ratlos und ist es im Grunde immer noch.

Um nun Herzrhythmus-Störungen auszuschließen, wurde mir mehrmals ein 24-Stunden-EKG angelegt - ohne dass  Auffälligkeiten entdeckt wurden. So kam man auf die Idee, mir einen Event-Recorder zu implantieren. Diesen will ich hier aus der Sicht eines Betroffenen mal genauer erklären, damit Leidensgefährten schon mal erahnen können, was auf sie zukommen kann.

So ein Gerät zeichnet alles vom Herzen auf, was beim EKG aufgezeichnet wird. Der Arzt legt Grenzwerte fest, ab denen Handlungsbedarf herrscht. Das in der Herzgegend implantierte Gerät ist vielleicht so groß wie ein USB-Speicherstick (siehe Bild weiter unten) und hat eine Batterie, die mindestens drei Jahre lang sicher arbeitet. So eine Implantation ist keine große Sache, meist geht das mit einer örtlichen Betäubung. Bei mir hat man scheinbar eine kleine Sedierung vorgenommen, die zu einem kurzen Filmriss führte. Der Arzt meinte aber, ich sei immer ansprechbar gewesen. "Na hoffentlich habe ich mich gut benommen. Weil ich weiß nichts mehr!". Er lachte und beruhigte mich diesbezüglich. ;)
Bei Frauen wird in der Gegend eines BH-Bügels eine vielleicht 15mm lange Öffnung erzeugt und dann vernäht. Bei Männern auch, nur ohne BH Orientierung. :D

Jetzt ist das Gerät nicht ständig mit der Herzklinik verbunden. Die Daten werden gespeichert und können bei Gelegenheit drahtlos ausgelesen werden. Der Patient erhält ein kleines Gerät, mit dessen Hilfe er einfach nachfragen kann, ob noch alles in den vorgegebenen Grenzen ist. Man legt das Gerät in die Nähe des implantierten Aufzeichnungsgerät und erhält entweder ein "OK" oder eine Warnung. Damit man im Nachhinein sagen kann, zu welcher Begebenheit man etwas gespürt hat, kann man zu den chronologischen Aufzeichnungen auch Markierungen setzen. Der Arzt kann dann sagen, was genau da los war, als man sich z.B. unwohl fühlte.

Man mag daran erkennen, dass da u.U. sehr lange Zeit Unsicherheit herrschen mag. Daran wird aber gedacht und dem Patienten ein Modem (siehe ganz unten) gegeben, mit dem die Daten ausgelesen und an eine Zentrale gesendet wird. Dies alles ist natürlich nicht bei ernstzunehmenden Problemen sinnvoll. Dann sollte schon ein Notarzt informiert werden. Sonst wird in der Zentrale alles ausgefiltert, was bedenkenlos ist und vom Rest ein Bericht an den Chirurgen geschickt. In meinem Fall kam 3 Jahre lang NICHTS ungewöhnliches an. Einerseits muss ich sagen: zum Glück, weil z.B. ein Austausch der Herzklappen ein wirklich großer Eingriff wäre, komplizierter noch als meine Bypass-OP. Andererseits weiß ich jetzt immer noch nicht, wo meine Probleme her kommen.

So, mein Gerät kam am Freitag wieder raus und dieser Eingriff ist noch viel schneller vorbei, als das Einsetzen. Bei mir wurde das zwar in einem Operationssaal mit allem Pi Pa Po gemacht, jedoch wirklich nur mit einer örtlichen Betäubung. Ich war insgesamt  keine 20 Minuten im Saal. Mancherorts kann man gleich danach wieder gehen, mich wollte man noch eine Nacht lang "beobachten". Hm … so musste ich zwei Tage Krankenhausaufenthalt bezahlen.

Ich könnte noch meine Naht zeigen, aber da ist ein Pflaster drauf, dass mein Hausarzt erst morgen runter nimmt.

Zeigen kann ich jedoch mein "Herz-Monitor-Equipment".

(größer durch KLICK)

Hier sehen wir links mein mitgeführtes Abfrage- und Markierungsgerät,dass ich immer wieder mal einschaltete und in die Gegend des Implantats führte.
Daneben ist ein Meterstab, den ich nur zum Größenvergleich dazu legte.
Rechts sieht man den am Freitag entfernten Event-Recorder. Er war irgendwie mit einem Faden durch die beiden oberen Löcher festgebunden. Fragt mich nicht wie, ich konnte nichts sehen, weil ich steril zugedeckt war.

(größer durch KLICK)

So sieht das Modem aus, mit dem ich meine Daten an eine Zentrale senden konnte. Es lässt sich an TAE oder Ethernet anschließen, in ganz Deutschland. Bei Auslandsaufenthalt hätte ich fragen sollen, wie das dann auch geht. Da ich aber in Ungarn überhaupt keinen Festnetzanschluss habe, ließ ich von dort die Übertragungen sein. Die Speicherkapazität des Event-Recorders muss gewaltig groß sein. Vor der Entnahme sah der Arzt, der auch über ein Auslesegerät verfügt, dass ich mal im November eine Markierung setzte. Damals hatte ich extrem hohen Blutdruck, mein Herz schlug aber immer brav im Rhythmus.  :headbang:

Sollte es noch Fragen geben, ich will sie gern beantworten so ich es kann. Auch würde ich mich über weitere Erfahrungsberichte freuen.
Gruß vom Gyuri
„Miss alles, was sich messen lässt,
und mach alles messbar,
was sich nicht messen lässt.“

Archimedes