Autor Thema: BZ und CGMS bei reiner Korrektur (ohne Mahlzeit)  (Gelesen 1218 mal)

Offline SCHM

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BZ und CGMS bei reiner Korrektur (ohne Mahlzeit)
« am: Oktober 19, 2020, 17:27 »
Hat eigentlich schon mal jemand ausprobiert, wie sich BZ (blutig gemessen) und CGMS bei reiner Korrektur verhalten?
Wenn ja: habt ihr ähnliche Ergebnisse bekommen, wie ich?

Ich wollte gerne wissen, ob bei reiner Korrektur auch die Gewebszuckerwerte zeitlich versetzt den Blutzuckerwerten folgen.
Ich hatte nämlich die Idee im Kopf, dass es dann genau umgekehrt sein müsste.
Und siehe da: genau so kam es:


Kann jemand erklären, warum das so ist?

Kleiner Nebeneffekt:
Ich habe damit auch wichtige Kennwerte für die (individuelle!) Wirkung meines Insulins gesammelt:
10 IE haben den BZ insgesamt in 7 Stunden um 208mg/dL gesenkt,
d.h. 1 IE senkt den BZ derzeit um ca. 21mg/dL
Und die Restwirkung verläuft wie folgt:
Nach 30 Minuten: 96% Restwirkung
Nach 1 Stunde: 75 % Restwirkung
Nach 2 Stunden: 49% Restwirkung
Nach 3 Stunden: 31% Restwirkung
Nach 4 Stunde: 24 % Restwirkung
Nach 5 Stunden: 15% Restwirkung
Nach 6 Stunden: 2% Restwirkung





Offline Floh

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Re: BZ und CGMS bei reiner Korrektur (ohne Mahlzeit)
« Antwort #1 am: Oktober 19, 2020, 19:51 »
Ich bleibe bei meiner Behauptung aus dem anderen Faden (der mir gerade fehlt): Zucker wird in Zellen verbraucht, im ZZW nur gelagert. Der Mechanismus ist mir als Nichtmedizinier nur irgendein "irgendwas GLUT-x Transport", der in Prinzip umkehrbar sein sollte, dies aber in der Praxis nicht ist. Vor allem in der Zelle nicht (die gibt nix mehr her), aus der Leber ins Blut gibt es ein extra-GLUT-x um den Transport ins Blut überhaut zu ermöglichen.

Also nicht einfach Diffusion wegen unterschiedlicher Konzentration, sondern biologisch-mechanismus-gesteuert. Und die Mediziner sind ein komisch Völkchen und schreiben so, dass ich nicht alles nachverfolgen kann und will.

Damit ergäbe die Grafik einen Sinn: Was im ZZW ist muss in Fett oder Energie umgewandelt werden. Wenn keine Energie verbraucht wird (also echte Bewegung), dann landet halt alles in lokal vorhandenen Fett-depots (Unterhaut, oder so, was weiß ich). Das Zwischenzellwasser des Arms hat kein Transportsystem und landet nicht im Bein. Sondern bleibt halt da, wo es ist.

Test wäre: zwei unterschiedliche CGM Systeme anbringen, eines am Arm, eines am Bein - ab auf's Radl.

Ich bin zu faul. Das mach ich nicht mehr. Vielleicht kann einer der Umfrage-Ersteller sich mal um so was kümmern, statt nur um meine App-Nutzung :)

Letzte Anmerkung: 21 mg/dl pro I.E.? Ach du Schande. Ich glaube ich bin froh, dass mein BZ aktiver reagiert. Schön zu sehen, wie langsam eine Korrektur wirkt. Das vernachlässigt z.B. Gyuri gerne, wenn es um den Mittelwert geht. Einzelne Unterzucker sind schnell korrigiert. Nach einigen Minuten ist da eine Änderung zu sehen. Die 6 Stunden bis zum hohen BZ sind schon richtig wirksam.

Offline Kladie

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Re: BZ und CGMS bei reiner Korrektur (ohne Mahlzeit)
« Antwort #2 am: Oktober 20, 2020, 09:53 »
orginal Floh:
Zitat
Letzte Anmerkung: 21 mg/dl pro I.E.? Ach du Schande. Ich glaube ich bin froh, dass mein BZ aktiver reagiert. Schön zu sehen, wie langsam eine Korrektur wirkt. Das vernachlässigt z.B. Gyuri gerne, wenn es um den Mittelwert geht. Einzelne Unterzucker sind schnell korrigiert. Nach einigen Minuten ist da eine Änderung zu sehen. Die 6 Stunden bis zum hohen BZ sind schon richtig wirksam.

Zu diesem Thema sollte ich als Type 2 überhaupt nichts schreiben, denn die Betrachtung kann nur stimmen, wenn es kein Eigeninsulin mehr gibt. Deshalb ist auch ein Vergleich mit den Erfahrungen, die Gyuri hier schreibt aussen vor. Er macht - genau wie ich - keinerlei Korrekturen wenn der BZ mal zu hoch geht.

Würde ich ein solches Experiment machen, dann käme eine völlig andere Grafik dabei heraus, da mein BZ morgens in der ersten halben Stunde (nüchtern - also ohne vorher etwas gegessen zu haben) fast keine Änderung hat und danach erst langsam zu sinken beginnt. Nach einer Stunde habe ich auch bei 50 mg/dl noch genügend Zeit um durch normales Brot den BZ auf Normalviveau hoch zu bringen. Ein Type 2 hat eine ganz andere Aufgabenstellung. Aus diesem Grund spritze ich z. Z. nüchtern 15 IE (auch bei BZ <100mg/dl) um mindestens eine halbe Stunde später mit dem Frühstück zu beginnen.
 
Bei NüchternBZ > 350 mg/dl könnte ich vermutlich 50IE oder mehr spritzen und dürfte trotzdem nichts essen.....

Offline SCHM

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Re: BZ und CGMS bei reiner Korrektur (ohne Mahlzeit)
« Antwort #3 am: Oktober 20, 2020, 16:51 »
Ich bleibe bei meiner Behauptung aus dem anderen Faden (der mir gerade fehlt): Zucker wird in Zellen verbraucht, im ZZW nur gelagert. Der Mechanismus ist mir als Nichtmedizinier nur irgendein "irgendwas GLUT-x Transport", der in Prinzip umkehrbar sein sollte, dies aber in der Praxis nicht ist. Vor allem in der Zelle nicht (die gibt nix mehr her), aus der Leber ins Blut gibt es ein extra-GLUT-x um den Transport ins Blut überhaut zu ermöglichen.

Also nicht einfach Diffusion wegen unterschiedlicher Konzentration, sondern biologisch-mechanismus-gesteuert. Und die Mediziner sind ein komisch Völkchen und schreiben so, dass ich nicht alles nachverfolgen kann und will.
GLUT-Proteine bewirken das, was die Mediziner 'erleichterte Diffusion' nennen, können aber nicht das bewirken, was Mediziner 'aktiver Transport gegen den Konzentrationsunterschied' nennen würden.

Damit ergäbe die Grafik einen Sinn: Was im ZZW ist muss in Fett oder Energie umgewandelt werden. Wenn keine Energie verbraucht wird (also echte Bewegung), dann landet halt alles in lokal vorhandenen Fett-depots (Unterhaut, oder so, was weiß ich). Das Zwischenzellwasser des Arms hat kein Transportsystem und landet nicht im Bein. Sondern bleibt halt da, wo es ist.

Test wäre: zwei unterschiedliche CGM Systeme anbringen, eines am Arm, eines am Bein - ab auf's Radl.
Ich verstehe jetzt nicht, was das mit dem obigen Verlauf zu tun haben soll und was du genau bei einem solchen Experiment erwartest.
Erwartest du jetzt, dass der Glukosewert im aktiven Bein höher oder niedriger ist? Und warum?
Auch aktive Muskelzellen bekommen die Glukose nicht direkt aus dem Blut, sondern auf dem Umweg über das ZZW. Und sie saugen auch nicht durch ihre Aktivität besonders mehr Glukose an.

Aber die Diffusion liefert eine gute Erklärung, warum hier der Blutzucker dem Gewebszucker folgt: aus dem ZZW fließt glukose in die Zellen ab und senkt so den Glukosegehalt im ZZW. Dadurch entsteht ein Konzentrationsgefälle zwischen Blut und ZZW, und aus dem Blut fließt Glukose ins ZZW ab. Somit sinkt -leicht zeitlich versetzt- auch der BZ-Wert.

Bei Nahrungsaufnahme ist es umgekehrt. Die Glukose landet zuerst im Blut, dort steigt der BZ-Wert, und es entsteht ein Konzentrationsgefälle, das leicht zeitlich versetzt auch den Gewebszucker hochtreibt.


Ich bin zu faul. Das mach ich nicht mehr. Vielleicht kann einer der Umfrage-Ersteller sich mal um so was kümmern, statt nur um meine App-Nutzung :)

Ich mach es auch nicht. Ich habe das einmal mit FSL1 und FSL2 gemacht, und die Unterschiede von im Durchschnitt 80mg/dL zwischen rechtem und linkem Arm interpretiere ich eher als riesengroßen Messfehler. Das auf Unterschiede in der Aktivität der beiden Arme zurückzuführen, wäre an den Haaren herbeigezogen. Das war auch nachts so, und da werde ich ja wohl kaum im Schlaf mit dem einen Arm mehr herumgefuchtelt haben als mit dem anderen.

Um so etwas mit Dexcom zu wiederholen müsste ich einen weiteren Sensor und einen weiteren Transmitter und ein weiteres Lesegerät (oder ein passendes Handy) anschaffen.


Letzte Anmerkung: 21 mg/dl pro I.E.? Ach du Schande. Ich glaube ich bin froh, dass mein BZ aktiver reagiert. Schön zu sehen, wie langsam eine Korrektur wirkt. Das vernachlässigt z.B. Gyuri gerne, wenn es um den Mittelwert geht. Einzelne Unterzucker sind schnell korrigiert. Nach einigen Minuten ist da eine Änderung zu sehen. Die 6 Stunden bis zum hohen BZ sind schon richtig wirksam.
Ich habe bis vor kurzem auch mit einer 30er Regel (1 IE senkt den BZ um 30mg/dL) gearbeitet. Aber nachdem ich die Basis kürzlich um ca. 30% erhöht habe, macht es Sinn, dass auch der Regelfaktor um ca. 30% sinkt.
Wenn dein BZ 'aktiver' auf Insulin reagiert, liegt das wohl daran dass du weniger wiegst und/oder weniger Insulin (pro Kilo Körpergewicht brauchst).

Ich finde das jetzt nicht so schön, dass die Korrektur so lange dauert. Aber es ist ja auch nicht bei jedem so.
Und ich kann den BZ auch innerhalb von 2 Stunden auf Normalwerte bringen, wenn ich nicht 10 IE sondern 20 IE spritze. Dann habe ich aber 10IE übrig für eine zwingend notwendige Mahlzeit nach ca. 2 Stunden.
orginal Floh:
Zitat
Letzte Anmerkung: 21 mg/dl pro I.E.? Ach du Schande. Ich glaube ich bin froh, dass mein BZ aktiver reagiert. Schön zu sehen, wie langsam eine Korrektur wirkt. Das vernachlässigt z.B. Gyuri gerne, wenn es um den Mittelwert geht. Einzelne Unterzucker sind schnell korrigiert. Nach einigen Minuten ist da eine Änderung zu sehen. Die 6 Stunden bis zum hohen BZ sind schon richtig wirksam.

Zu diesem Thema sollte ich als Type 2 überhaupt nichts schreiben, denn die Betrachtung kann nur stimmen, wenn es kein Eigeninsulin mehr gibt. Deshalb ist auch ein Vergleich mit den Erfahrungen, die Gyuri hier schreibt aussen vor. Er macht - genau wie ich - keinerlei Korrekturen wenn der BZ mal zu hoch geht.

Würde ich ein solches Experiment machen, dann käme eine völlig andere Grafik dabei heraus, da mein BZ morgens in der ersten halben Stunde (nüchtern - also ohne vorher etwas gegessen zu haben) fast keine Änderung hat und danach erst langsam zu sinken beginnt. Nach einer Stunde habe ich auch bei 50 mg/dl noch genügend Zeit um durch normales Brot den BZ auf Normalviveau hoch zu bringen. Ein Type 2 hat eine ganz andere Aufgabenstellung. Aus diesem Grund spritze ich z. Z. nüchtern 15 IE (auch bei BZ <100mg/dl) um mindestens eine halbe Stunde später mit dem Frühstück zu beginnen.
 
Bei NüchternBZ > 350 mg/dl könnte ich vermutlich 50IE oder mehr spritzen und dürfte trotzdem nichts essen.....
Zu Typ 2 kann ich wiederum nicht viel beitragen.
Aber da gibt es sicherlich auch eine passende Dosis, mit der man von ca. 350 auf Normalwerte korrigieren kann. Ob das dann wirklich 50IE sind, weiß ich nicht. Aber es kommt mir doch ziemlich viel vor.
Ich sage ja jetzt auch nicht, dass das bitte jeder genauso nachmachen soll.
Aber wenn sich mal so eine Gelegenheit bietet, sollte man sie vielleicht nutzen.

Schließlich bekommt man dadurch die Möglichkeit
a) seine Korrekturregel zu überprüfen oder herauszufinden und zugleich
b) eine gute Vorstellung vom Wirkprofil des Korrekturinsulins zu bekommen.

Wobei das bei Typ 2 sicherlich durch körpereigene Restproduktion von Insulin deutlich verfälscht sein kann.

Ich wage aber die Prognose, dass auch bei Typ 2 der Blutzucker dem Gewebszucker folgen würde und nicht umgekehrt.
 

Offline Kladie

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Re: BZ und CGMS bei reiner Korrektur (ohne Mahlzeit)
« Antwort #4 am: Oktober 20, 2020, 23:06 »
orginal SCHM:
Zitat
Zu Typ 2 kann ich wiederum nicht viel beitragen.
Aber da gibt es sicherlich auch eine passende Dosis, mit der man von ca. 350 auf Normalwerte korrigieren kann. Ob das dann wirklich 50IE sind, weiß ich nicht. Aber es kommt mir doch ziemlich viel vor.
Die 50 IE sind einfach mal ein Wert, den ich geschrieben habe ohne zu wissen ob er realistisch ist oder nicht. Ich habe nur ausprobiert daß 15 IE bei mir fast die halbe Wirkdauer (etwa 1,5 Stunden) gebraucht haben um mich von 150 mg/dl auf ca 70 mg/dl zu bringen trotz des zusätzlichen Eigeninsulins.

Bei mir scheint die Wirkdauer von Humalog ca 4 - 4,5 Stunden zu sein, denn danach ändert sich mein BZ kaum noch. Einen Wirkdauer-Test wie du ihn genmacht hast funktioniert bei mir nicht wegen meiner Eigenproduktion. Deshalb ist korrigieren für mich aussen vor, weil die Regeln für T1er bei mir nicht ziehen.


orginal SCHM:
Zitat
Ich wage aber die Prognose, dass auch bei Typ 2 der Blutzucker dem Gewebszucker folgen würde und nicht umgekehrt.
Das möchte ich nicht anzweifeln obwohl meine Erfahrungen mit dem FSL durchwachsen sind. In über 90% meiner Scans war der Trendpfeil waagerecht was mich manchmal überrascht hat. Da ich aber selten blutig gegengemessen habe kann ich zu den Unterschieden ZZW/Blut kaum etwas beitragen.

Offline Gyuri

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Re: BZ und CGMS bei reiner Korrektur (ohne Mahlzeit)
« Antwort #5 am: Oktober 21, 2020, 00:31 »
(…)
 
Bei NüchternBZ > 350 mg/dl könnte ich vermutlich 50IE oder mehr spritzen und dürfte trotzdem nichts essen.....
Nüchtern >350 kann ich mir bei mir kaum vorstellen. Dem müsste dann schon eine "Sünde" vorangegangen sein und man könnte dann nicht mehr von nüchtern sprechen.
Grundsätzlich spritze ich auch nie für einen Nüchternwert etwas nach sondern immer nur für das, was ich zu essen/trinken geplant habe.
Dass sich meine Abweichungen nach oben und unten immer von selbst nachregulieren, kann ich mit meinen Verläufen belegen. So habe ich sogar schon erlebt, dass ich auch nicht immer zwingend mit KEs korrigieren muss um wieder in geregelte Bahnen zu kommen.
Wissen kann man so etwas aber nur, wenn man es auch ausprobiert.
Einem klassischen Typ 1er würde ich aber nicht zu einem Versuch raten.  :rotwerd:

Übrigens: Meine Frau korrigiert sehr wohl vor dem Essen, wenn auch nicht unbedingt bewusst. Sie hat einen Plan in dem sie "nach Schema" vorgegeben bekommt, wie viel sie (immer bei 5KE) im Zielbereich zu spritzen hat UND wie viel sie bei Überschreitung um Klassen korrigieren muss.
Ich habe aber den Eindruck, dass diese Korrekturen bei ihr auch nur geringfügig erfolgreich sind.
Bereich --------- Korrektur
130-159mg/dL __ 4IE
160-189mg/dL __ 6IE
190-219mg/dL __ 8IE
220- und mehr __ 10IE

So spritzt sie je nach Tageszeit maximal 31 bis 43 IE für 5KE … selbst bei Werten über 350mg/dL.

Beim Einstellen in Bad Mergentheim wurde dieses Schema aufgrund von deren BZ-Messungen ersonnen. Wir wurden aber angehalten, weiter mit unserem FSL zu testen und dessen Ergebnisse zugrunde zu legen.
Was dort Typ 1er gesagt bekommen, weiß ich nicht.
Gruß vom Gyuri

Praktisch
kann ich
Theoretisch
alles

Offline Joerg Moeller

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Re: BZ und CGMS bei reiner Korrektur (ohne Mahlzeit)
« Antwort #6 am: Oktober 21, 2020, 11:00 »
Die 50 IE sind einfach mal ein Wert, den ich geschrieben habe ohne zu wissen ob er realistisch ist oder nicht.

Ja, kann durchaus vorkommen, wenn man eine erhöhte Insulinresistenz hat. Für solche Diabetiker hat man ja extra U500 Insulin entwickelt: https://clinical.diabetesjournals.org/content/30/2/86

Viele Grüße
Jörg

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Offline SCHM

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Re: BZ und CGMS bei reiner Korrektur (ohne Mahlzeit)
« Antwort #7 am: Oktober 21, 2020, 11:39 »
Nüchtern >350 kann ich mir bei mir kaum vorstellen. Dem müsste dann schon eine "Sünde" vorangegangen sein und man könnte dann nicht mehr von nüchtern sprechen.
In diesem Fall war Wert zwischen 22 Uhr und 2 Uhr nachts von 200 auf etwa 350 angestiegen und hatte sich dann bis zum Morgen auf diesem Niveau stabilisiert so angestiegen und hatte sich danach auf diesem Niveau stabilisiert, obwohl ich noch versucht hatte, es gegen 22 Uhr mit 5IE zu korrigieren. Die letzte Mahlzeit habe ich nicht genau protokolliert. Sie dürfte aber gegen 20 Uhr gewesen sein. Solche Anstiege spät nach einer Mahlzeit beobachte ich seit einigen Wochen.

Grundsätzlich spritze ich auch nie für einen Nüchternwert etwas nach sondern immer nur für das, was ich zu essen/trinken geplant habe.
Dass sich meine Abweichungen nach oben und unten immer von selbst nachregulieren, kann ich mit meinen Verläufen belegen. So habe ich sogar schon erlebt, dass ich auch nicht immer zwingend mit KEs korrigieren muss um wieder in geregelte Bahnen zu kommen.
Wissen kann man so etwas aber nur, wenn man es auch ausprobiert.
Hier unterscheiden sich eben die Strategien zwischen Typ 2 und Typ 1 deutlich.

Einem klassischen Typ 1er würde ich aber nicht zu einem Versuch raten.  :rotwerd:
Ich habe ja in diesem Fall den hohen Ausgangswert nicht gezielt herbeigeführt, um den "Versuch" machen zu können, sondern einfach den unerwartet hohen Wert als Gelegenheit genutzt, um neue Erkenntnisse zu sammeln.

Aber es zählt durchaus zu den Standardprozeduren, so etwas auch gezielt herbeizuführen, um die Korrekturregeln zu überprüfen.

Dann geht einem solchen Experiment immer ein Test der Basalrate voraus. Erst wenn bei dem Test herauskommt, dass die Basalrate zur gleichen Uhrzeit den BZ annähernd konstant hält, hebt man gezielt den BZ mit Traubenzucker oder Cola an, wartet etwa 90 bis 120 Minuten ab, bis sich die BZ-Werte wieder stabilisieren, und korrigiert danach mit Insulin.

Auf diese Weise bekommt man (bei Typ 1!) heraus
a) ob die Basalrate richtig ist
b) um wie viel eine BE (12g KH) oder eine KHE (10g KH) den BZ hebt
c) um wie viel eine IE den BZ senkt.

Auch Jörg empfiehlt auf seinen Infoseiten ein ähnliches Prozedere, allerdings mit nur 10 oder 12g KH und nur einer IE.
Bei so kleinen Mengen sind die Auswirkungen auf den BZ so klein, dass man sie mit Teststreifen kaum nachweisen kann.
In meinem Fall würde eine BE den BZ um ca. 35 steigern und eine IE den BZ um 21 senken.
Wenn ich mit einem Messfehler des BZ-Gerätes von 5% kalkuliere (was bereits genauer ist, als die gesetzlichen Vorgaben, aber von guten Geräten durchaus realistisch erreicht wird), käme ich bei einem Verlauf von einem Startwert von 100 über 135 nach 90-120 Minuten und 114 zum Schluss.
Wegen des Messfehlers würden daraus:
100±5 zu Beginn
135±7 nach 90-120 Minuten
114±6 zum Schluss.
Bei Differenzbildung addieren sich die absoluten Fehler und man käme auf die Regeln
Eine BE hebt den BZ um 35±12
Eine IE senkt den BZ um 21±13
Die Messfehler sind dabei noch als einfache Standardabweichungen angegeben, d.h. in den angegebenen Bereichen liegt der Wert nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 68,3%. Für einen 95%-Bereich müssten diese Abweichungen noch mit 1,92 mulitipliziert werden und man erhielte die Regeln
Eine BE hebt den BZ mit 95%iger Wahrscheinlichkeit um irgendwas zwischen 12 und 58
Eine IE macht irgendwas mit dem BZ, das zwischen einer Steigerung um 4 und einer Senkung um 45 mg/dL liegt.

Und bei dieser Fehlerrechnung ist noch nicht mal berücksichtigt, dass auch bei zuvor optimaler Basalrate der BZ ohne das Experiment nicht absolut konstant geblieben wäre.

Der Erkenntnisgewinn aus einem solchen Experiment ist also offenbar verschwindend gering. Das ändert sich erst, wenn man mit höherer Dosis arbeitet.

Wir haben so etwas in Bad Oeynhausen mit 3BE (36g KH) gemacht und mit Laborgenauigkeit bei den BZ-Werten.

Im Hausgebrauch hätte ich keine Bedenken, so etwas mit einem halben Liter Cola (52g KH) zu machen, Teupe schlägt sogar 0,6 bis 0,9 Liter vor.

Die oben dokumentierte Erfahrung zeigt aber eindeutig, dass man Geduld braucht und den BZ-Verlauf länger als 2-3 Stunden nach der Injektion verfolgen muss.
Jörg würde jetzt wahrscheinlich sagen, dass das einfach daran liegt, dass 10 IE länger wirken als 1 IE, aber das ist bei Insulinanalog nicht wirklich belegt und eher zweifelhaft.

Insgesamt rechtfertigt aber der Erkenntnisgewinn von einem solchen Experiment (bei ausreichender Dosis!) aus meiner Sicht die Überschreitung der Zielwerte für ein paar Stunden.



Offline Kladie

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Re: BZ und CGMS bei reiner Korrektur (ohne Mahlzeit)
« Antwort #8 am: Oktober 21, 2020, 14:38 »
Die 50 IE sind einfach mal ein Wert, den ich geschrieben habe ohne zu wissen ob er realistisch ist oder nicht.

Ja, kann durchaus vorkommen, wenn man eine erhöhte Insulinresistenz hat. Für solche Diabetiker hat man ja extra U500 Insulin entwickelt: https://clinical.diabetesjournals.org/content/30/2/86

Viele Grüße
Jörg



Dieses U500 Insulin ist natürlich nur für diese Diabetiker, die ständig mit solchen Werten zu tun haben. Bei mir ist es wie bei Gyuri: Solche Werte erreiche ich nie, weil ich mich niemals so verschätzen könnte daß ich wesentlich höher als 200 mg/dl komme. Entsprechend habe ich auch noch nie mit 50IE herumexperimentiert.

Der Unterschied zwischen uns ist eben, daß ich als Type 2 mehrere Stunden vor einem solch hohen Wert aktiv werden muss und dann eben aufs korrigieren verzichten kann. Dank Eigeninsulin werden spätere, trotzdem erhöhte Werte auch ohne rechnen und Korrektur wieder normal.

SCHM spricht Basalratentests als Voraussetzung seines Tests an. Ich denke da geht man meist von einer Type 1 Situation aus und die sind für mich entsprechend wertlos weil die variable Menge Eigeninsulin aussen vor bleibt. Ich habe das mit trial and error durchgeführt. Mir ist schon klar, daß Du und andere Diabetologen das anders sehen aber damit muss und kann ich leben.

Offline Gyuri

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Re: BZ und CGMS bei reiner Korrektur (ohne Mahlzeit)
« Antwort #9 am: Oktober 21, 2020, 15:27 »
Geht mir ähnlich…
(…) Dank Eigeninsulin werden spätere, trotzdem erhöhte Werte auch ohne rechnen und Korrektur wieder normal.
(…)
Ich musste nicht lange suchen um derartige Ereignisse (die bei mir NICHT die Regel sind) gleich zweimal an einem Tag zu finden.

Ich spritze immer unmittelbar vor dem Essen ohne SEA (grüne Spritze) und trage die KHGramm immer nach dem Essen ein (gelber Apfel).

Eine Stunde nach dem Frühstück war der Pik (ungesehen) bei 225mg/dL und bis ca. 10 Uhr war wieder alles OK.
Mittags war das etwas anders. Rindersteak mit Gorgonzolasoße und Bandnudeln, reichlich! Da gab es erst mal einen kleinen Hügel (Wirkdauer von Fiasp?) im Zielbereich und nach drei Stunden (für mich wieder unbemerkt) bei 204mg/dL … und baute sich dann wieder ganz von allein ab.

Wäre das IMMER so, würde ich mir überlegen, vielleicht doch kein so schnell (und kurz) wirkendes Insulin wie Fiasp zu spritzen. ABER das ist nicht die Regel, wie ich an meinen übrigen Verläufen gut erkennen kann.

Mit "hochgenauen" einzelnen BZ-Messungen würde ich nie und nimmer derartige Auswirkungen beobachten können. Für mich Grund genug mich voll auf mein FSL zu verlassen.  :super:
Gruß vom Gyuri

Praktisch
kann ich
Theoretisch
alles