Diabetesfragen > Allgemeiner Bereich
Therapieanpassung an Bewegung - by Dr. B. Teupe
Joa:
Im "Insuliner" Nr. 87 stellt Dr. Teupe sein auf der Auswertung umfangreicher Feldversuche gegründetes Anpassungskonzept der Insulintherapie an bewegungsbedingte Schwankungen vor.
Das Anpassungskonzept ist zwar für die Situation bei CSII, also unter der Pumpentherapie formuliert, lässt sich aber individuell recht gut auf eine annähernd funktionierende intensivierte Insulintherapie (ICT) übertragen.
Dann sollte das allerdings beobachtet und ggf. angepasst werden.
Im Internet findet sich der Artikel von Dr. Teupe auch, und natürlich auf der Site von Matthias Chrostek! :super:
> Therapieanpassung an Bewegung <
Hilfreich scheint mir insbesondere, dass für verschiedene Niveaus von Bewegungsintensität und Dauer konkrete Beispiele angeführt werden, die eine annähernde Zuordnung zur individuellen und konkreten Situation erleichtern.
Interessant auch die von Dr. Teupe genannte Begründung, warum in Althausen eine Therapieanpassung durch Manipulation der Basalrate nicht empfohlen wird.
Wie schon in der Vergangenheit angemerkt, verstehe ich diese Beschränkung auf die Manipulation der Boli und auf Ausgleichs BE aber nicht als Doktrin, sondern als Grundsatzempfehlung für den "Normalfall".
Wer die Fallstricke kennt und einschätzen kann, wird wohl in mancher Situation eine Variation an der Basalversorgung einbeziehen. Im Falle von Leistungssport ggf. sogar als zwingend.
Gruß
Joa
Darsina:
--- Zitat von: Joa am Juni 22, 2009, 20:25 ---Interessant auch die von Dr. Teupe genannte Begründung, warum in Althausen eine Therapieanpassung durch Manipulation der Basalrate nicht empfohlen wird.
--- Ende Zitat ---
Ich werde mir den - von Euch ja schon mehrmals empfohlenen - Link dann gleich mal zu Gemüte führen.
Nur mal soviel vorab: Am liebsten betreibe ich Sport, wenn ich vorher nur eine Kleinigkeit ohne Bolus gegessen habe. Die Menge hängt von der Art und Dauer der Belastung ab und beträgt i.a. 1 BE. Die letzte Bolusabgabe liegt idealerweise schon mehr als 6 Stunden zurück, geht problemlos wenn ich nach der Arbeit oder am Wochende morgends Sport betreibe. Somit ist eine noch aktive Boluswirkung nur mehr sehr beschränkt vorhanden oder, im Fall des Morgensports, nicht mehr gegeben.
Bsp. Radfahren, typischerweise 30 km in 2 Stunden, auf halbwegs ebener Strecke. Ich senke 90 min vor dem Sport auf 50% BR, 30 min vor Beginn gehe ich auf 35% und esse die BE. Am Rückweg auf den letzten paar km gehe ich wieder auf 100% BR, damit verhindere ich eine beginnende Lipolyse nach Belastungsende. Der BZ bewegt sich in einem Band von 105 gemessen 30 min vor Sportbeginn, 125 beim Wegfahren, 85 zur Halbzeit (da habe ich dann ein paar Schluck Saft getrunken), 95 beim Heimkommen und 100 60 min nach Belastungsende. Auch im weiteren Tagesverlauf lagen die Werte zwischen 90 und 100. Mehrmals mit vergleichbaren BZ-Profilen erprobt, dürfte also reproduzierbar sein.
Ich versuche zusätzliche KH-Aufnahme zur Kompensation von Hypos zu vermeiden. Ebenso wie ein BZ-Anstieg pp, der in meinem Fall bei Reduktion der BE-Faktoren unweigerlich eintreten würde. Letzteres war für mich ursprünglich auch der Hauptgrund, auf CSII umzusteigen. Die weiteren Vorteile habe ich erst später erkannt. ;) Ich wüsste nicht, wie ich diese Art der Sportausübung ohne BR-Absenkung hinbekommen könnte. Aber vielleicht macht mich die Lektüre auch in dieser Hinsicht schlauer.
lg
Darsina
Darsina:
Ich bin nun zumindest etwas schlauer. ;D
Der BZ-Verlauf bis zur Halbzeit passt ziemlich genau zur berechneten Abnahme pro min Belastung. :super:
Die Aufnahme von 1- 1,5 schnellen BE pro Stunde Belastung möchte ich tunlichst vermeiden. Damit würde ich zusätzliche Energie zuführen und den Energieverbrauch durch Sport entsprechend vermindern. Gleiches gilt für die Aufnahme einer verinsulinisierten mittelgroßen Zahl an BEs (wieviel ist das denn?) nach Sportende zur Verhinderung einer Lipolyse. Würde wiederum den Sporteffekt verringern.
Völlig überraschend für mich war die Wirkung von kürzesten Maximalbelastungen. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Resistenzen stark begünstigen. Das habe ich aber seit Beginn meiner Pumpenzeit auch noch nicht ausprobiert, daher auch keine eigenen Erfahrungswerte sammeln können. Woher kommt das? Durch den kurzfristig sehr hohen Energiebedarf auf zellulärer Ebene und einer dadurch getriggerten Freisetzung von Leberzucker?
Das Idee "Teupe" wird mir immer sympatischer. Genau sowas wie dieses statistisch hinterlegte Sportregelwerk würde ich mir auch für andere Situationen wünschen, um den Alltag und insbesonders nichtalltägliche Situationen kalkulierbar und besser begreifbar zu machen. :super: Darüber hinaus geht mir zugegebenermaßen als Chemiker das Herz auf, wenn ich solche Texte lese. Die Zeit, die ich mit Lesen biochemischer Fachliteratur verbringen durfte und tlw. musste, war also durchaus sinnvoll. ;)
lg
Darsina
Joa:
--- Zitat von: Darsina am Juni 22, 2009, 20:51 ---Ich werde mir den - von Euch ja schon mehrmals empfohlenen - Link dann gleich mal zu Gemüte führen.
Nur mal soviel vorab: Am liebsten betreibe ich Sport, wenn ich vorher nur eine Kleinigkeit ohne Bolus gegessen habe. Die Menge hängt von der Art und Dauer der Belastung ab und beträgt i.a. 1 BE. Die letzte Bolusabgabe liegt idealerweise schon mehr als 6 Stunden zurück ...
--- Ende Zitat ---
Yep, schöne Darstellung!
Wenn Du Dein Konzept dann mit dem Bolus-Konzept von Teupe abgleichen tust, beachte bitte den Anspruch der Allgemeingültigkeit bei Teupe.
Das Teupe-Konzept ist eher für den medienkompatiblen Otto-Normaldiabetiker ausgelegt und soll Entgleisungen vor während und vor allem nach Bewegungsattacken sicher vermeiden.
Wir können es natürlich ganz gut einschätzen, welcher Korrekturfaktor nach dem Sporteln angemessen ist, um eine durch zu starke Basalreduktion provozierte Fettsäurenresistenz auszuspülen. Und ich gebe dann noch was drauf und warte, ob es reicht. Wenn es denn nach einer gewissen Zeit noch 'ne weitere BE verträgt, dann ist alles wieder im Lot. Ggf. bekommt die Hypo-(Vermeidungs)-BE dann auch noch einen halben oder 3/4 Bolus spendiert. :zwinker:
Das lässt sich aber wegen der Komplexität der Materie nur sehr schwer in einem "Regelwerk" formulieren.
Ist dann wohl eher in der Abteilung "Tipps & Tricks" anzusiedeln. Oder unter den Erfahrungswerten zu sammeln.
Gruß
Joa
Joa:
Hallo Darsina,
hatte Deinen Beitrag noch vor Absendung meines vorgehenden gesehen! Habe ihn aber doch abgeschossen. :ja:
--- Zitat ---Völlig überraschend für mich war die Wirkung von kürzesten Maximalbelastungen. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Resistenzen stark begünstigen ... Woher kommt das?
--- Ende Zitat ---
Bildung von Laktat! Das wird unter anaerober Belastung getriggert, jedoch dann (insbesondere?) aerob abgebaut (verbrannt).
Die anaerobe Energiegewinnung klappt eh nur seeehr kurze Zeit.
--- Zitat ---... die Aufnahme einer verinsulinisierten mittelgroßen Zahl an BEs (wieviel ist das denn?)
--- Ende Zitat ---
Das wird wohl auf Dich und das vorgehende Geschehen ankommen. :kratz:
Sagen wir mal 1,5 bis 4 BE?
Ziel der Übung ist es, den Muskelauffüllefekt auszugleichen, so nötig. Und auch, ggf. vorhandenen Laktatresistenzen das nötige Insulin entgegen zu halten.
Alternativ kann der Sportler, hat er sich sehr angestrengt, auch noch eine aerobe Auslaufphase anhängen. Die baut das Laktat auch ab.
Also diese BE's sind nicht als Dickmacher anzusehen, sondern zur möglichst verlässlichen Wiederherstellung des normalen Stoffwechselgeschehens.
Wenn Du über die Basalversorgung regulierst, könnten sie weniger wichtig sein, es sei denn die BR-Reduktion hat die Basalsteuerung der Leberzellen unterschritten, so dass die Glykogenolyse angestachelt wurde. Dann füllt ja auch die Leber den Glykogenspeicher nachgehend und insulinunabhängig wieder aus dem Blutzucker auf.
Gruß
Joa
Nachtrag:
Aufgrund des unten stehenden Hinweises von Andreas möchte ich hier noch deutlich machen, dass das von Dr. Teupe dargestellte Anpassungskonzept an Bewegung nicht den Bereich für Leistungsport abdeckt.
In der Schulung wies er darauf hin, dass es bei Leistungssport anders aussieht, und dass er dafür ggf. um individuelle Rücksprachen bäte.
Wer sich grundsätzlich für die Anpassung der Insulinthearpie an Leistungssportarten oder intensiven Sport interessiert kann Grundlegendes dazu z.B. in der
> "Diabetes- und Sportfibel" von Ulrike Thurm und Bernhardt Gehr < nachlesen. :super:
Und natürlich bei Andreas auf seiner Webseite, die er unten auch verlinkt hat. :super: :super:
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
Zur normalen Ansicht wechseln