Diabetesfragen > Allgemeiner Bereich
Hypoglykämie: "intraindividuelle" Symptome identifizieren?
Archchancellor:
Von Diabetologen werden auch Hypowahrnehmungskurse angeboten.
Frag doch mal Deine(n) danach. Mir hat er im letzten Jahr eine ganze Menge an Neuigkeiten gebracht.
Archchancellor
Joerg Moeller:
--- Zitat von: assembler am Februar 09, 2009, 06:12 ---Das Problem ist, das - egal was ich als Informationsquelle auch heranziehe - immer von intraindividuellen Symptomen gesprochen wird.
--- Ende Zitat ---
Nur um die Begrifflichkeiten nochmal klarzustellen:
individuell: auf eine Person/Sache bezogen
interindividuell: auf eine Eigenschaft bezogen, die bei zwei oder mehr Personen/Sachen unterschiedlich sein kann
intraindividuell: auf eine Eigenschaft bezogen, die bei einer Person/Sache unterschiedlich ausfallen kann
Ansonsten habe die anderen ja schon alles beantwortet:
- Ohnmächtig wird man erst bei Werten deutlich unter 40-50 (ich bin auch bei 26 mg/dl noch nicht ohnmächtig geworden)
- du merkst deine Hypos deshalb schon so früh, weil dein Körper ein höheres Level gewohnt ist und das bisher für normal gehalten hat. Der muß sich erstmal an wirklich normale Werte gewöhnen.
- mit einem frischen DM und HbA1c von 14 sind 70 schon mörder-tief. Ich kann mir in etwa vorstellen, wie dreckig es dir da gegangen ist. Sorg dafür daß du immer Traubenzucker (gibt es in der Apo auch in flüssiger Form, Handelsname "Carrero") dabei hast und wenn es wieder losgeht dann rein damit. Grundregel bei Hypos: Erst essen, dann messen! Zumindest am Anfang einer DM-Karriere sollte man diese Reihenfolge beachten.
Hypotrainigs oder auch 'BGAT' (Blood Glocose Awareness Training) werden mittlerweile angeboten und können hilfreich sein. Google mal danach.
Bei mir kündigt sich eine Hypo fast immer durch Flimmern vor den Augen an. Die anderen Symptome wie Schwaächegefühl oder Zittrigkeit kommen erst ein paar Minuten später. Aber das ist eben interindividuell... :zwinker:
Trüffel:
Hallo Rob,
erstmal eine Frage an Dich:
Hast Du schon eine Schulung genossen?
--- Zitat ---Aus dieser Erfahrung allerdings bin ich natürlich extrem nervös und unsicher geworden. Was zum einen zur Folge hat, das ich bei jedem bissel den BZ messe und zum anderen mir kaum irgendwas zutraue. Unterstützt wird das von anderen Erfahrungen, zum Beispiel einen BZ-Sturz nach schlappen 20 Minuten Heimweg (von 150 auf 85 mg/dl).
--- Ende Zitat ---
Sprich doch Deinen Arzt darauf an, ich würde an Deiner Stelle noch am selben Tage anrufen und um Rat suchen.
BZ-Stürze sind gefährlich und selbst alte Hasen sind davor nicht gefeit. ;)
--- Zitat ---Um da wieder etwas festen Boden unter die Füsse zu bekommen, dachte ich mir, wäre es vielleicht eine Möglichkeit einen Unterzucker zu provozieren in dem man dann die individuellen Marker für sich eruieren kann. Wäre das eine praktikable Möglichkeit und wie kann man das mit geringem Risiko anstellen?
--- Ende Zitat ---
:nein: Nein, ich halte das für keinen sinnvollen Weg. Auf die eigene Faust mit null Diabeteserfahrung gleich zweimal nicht.
Es ist ein sehr komplexes Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren wie Insulinwirkung, Insulinaktivität, Bewegungsintensität, Tageszeit, Hyposymptome, Diabetesdauer, u.v.a.
Schwere Hypos (unerkannte mittelschwere rechne ich dazu) machen uns allen zu schaffen, die steckt keiner so leicht weg. Man ist erstmal verunsichert und braucht vermehrt Messungen, um das Gefühl der Sicherheit zu unterstützen und die BZ-Lage im Griff -visuell vor Augen- zu haben.
Man traut seinem eigenen Körper weniger, aber sei Dir sicher, das gibt sich mit der Zeit wieder. :ja:
Und übrigens auch ich habe bei Einkaufstouren starke Hypos erlebt, die ich nicht oder nur seeeehr, seeeehr spät bemerkt habe.
maulwurfinchen:
erstmal willkommen hier!
die anderen haben die wichtigen sachen schon geschrieben (kompetenter als ich das könnte...). was ich bei mir noch feststelle, je rapider der blutzucker fällt, desto "höher" merke ich die hyposymptome, es kann also sein, dass der BZ noch bei 90mg/dl angezeigt wird, ich mich aber fühle, als läge er bei 35mg/dl. meistens ist er 15 minuten später dann auch so tief, daher esse ich ab symptom und teste dann eine stunde später nochmal, ob ich recht hatte.
mir hilft gegen hypos am besten fanta und co (solltest du IMMER überall griffbereit haben, büro, nachttisch, bad, wohnzimmer, schreibtisch).
meine symptome wechseln: latentes "unwohlsein", konzentrationsschwäche, schwindel, aggression, müdigkeit, leichte übelkeit, wortfindungsstörungen, kopfschmerzen, schwäche oder (seit erst 1 jahr) sehstörungen (ich sehe flecken, als ob ich geblendet würde).
ansonsten schließe ich mich den empfehlungen und tipps der anderen an. mit der zeit wirst du sicherer werden! und höre auf DEIN gefühl.
assembler:
Also zunächst einmal vielen lieben Dank für die rege Beteiligung!!!
Wie ich gelesen habe, ist also auch bei der Identifizierung individueller Hypowahrnehmungen Systematik das wesentliche Mittel. Ich muss sogar gestehen, das ich auf sowas nahe liegendes, wie das Niederschreiben der Symptome und das spätere Auswerten, gar nicht gekommen bin! Manchmal hat man ja wirklich das sprichwörtliche Brett vorm Kopf! :kratz:
Auch nicht ausreichend gewürdigt habe ich natürlich, meine körperliche Gewöhnung an den - mittlerweile - "fast" normoglykämischen Blutzucker. Es ist natürlich völlig logisch, das mein Körper nach relativ kurzer Zeit noch etwas "übertreibt" bei eigentlich unproblematischen BZ-Werten. Und, diotmari, ich verstehe was Du meinst mit langsamen Senken des BZ's wegen der Augen: Ich sag' mal so, die Reinkarnationsstufe des Maulwurfs kann ich getrost überspringen. *g*
Im Übrigen auch nochmal danke an dir Jörg ... die Sache mit dem inter- und intraindividuellen macht die Sache an sich nicht einfacher, hilft aber sehr beim verstehen von Texten! ;)
Da auch die Frage auftauchte, ob ich an einer Schulung teilnehme: Ja. Allerdings ist diese zeitlich immer etwas knapp, so das ich das Thema Hypos nicht in dem Maße aufgreifen konnte, wie ich es mir gewünscht hätte. Über die Idee einer Wahrnehmungsschulung für Hyposymptome bin ich im Internet auch schon gestolpert. Ich denke aber erstmal, das ich abwarten werde, bis mein BZ ein Weilchen auf dem jetzigen Level bleibt und dann mal schauen werde ob und wie ich die Symptome dann wahrnehmen werde. Aber zumindest erstmal bis nach der jetzigen Schulung bei meiner Diabetesberaterin (ich denke, ich werde da nochmal Gelegenheit haben das Thema anzusprechen - letztlich ist es doch ein sehr wichtiges Thema für Diabetiker).
Wie ich hier gelesen habe, sind die Symptome doch extrem vielfältiger, als ich vermutet habe. In den Texten, die ich bisher mir zu Gemüte geführt habe fand ich immer die 5 oder 7 klassischen Symptome (wovon mir schon sorgen machte, das keines irgendwie richtig bei mir passte). Aber in gewisser Weise beruhigt das auch zu lesen, das dies sich so vielfältig äußern kann. Ich denke, wenn ich genau auf mich achte und die Symptome, wie beschrieben, auch gleich notiere, werde ich bald ein besseres und sicheres Gefühl für meinen Diabetes entwickeln - auch ohne riskante Selbstexperimente.
Da bleiben mir allerdings noch zwei Fragen offen: Zum einen, ab wann sollte man (wenn man keine Symptome an sich bemerkt) mit Zucker oder so intervenieren, und zum anderen wie lange braucht es dann um zu wirken (zum Beispiel bei Dextro-Energy oder Jubin)? Vielleicht weis da jemand aus seiner Erfahrung her etwas, das würde mir sehr weiterhelfen beim nächsten Mal, um zu entscheiden wie ich dann verfahren sollte. Lieben Dank schon mal im Voraus dafür.
Auch vielen Dank an alle hier im Thread für die schnelle und umfangreiche Hilfe zu meinen Fragen! *freu*
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