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Der tödliche Zucker

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Angela:
Martin hat mir diese Woche einen Bericht gegeben und ich finde er ist ganz gut. Ist aber etwas lang. Aber schaut es euch mal an.
http://zeus.zeit.de/text/2003/48/Diabetes_neu

Gela:
Die Titelzeile klingt mir zu reißerisch, erreicht so aber vielleicht die anzusprechende Klientel.

Bei meiner Diabetesdauer von mittlerweile fast 29 Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit an Diabetes zu sterben. Is schon klar. Aber an "irgendetwas" werden wir alle sterben. Die einen früher, die anderen später.

"Das Problem" ist meines Erachtens die dramatische Zunahme an Typ II- Diabetes, gerade auch bei der jungen Generation.

 Bei beiden Diabetestypen sollte das Motto heißen: "Wissen ist Macht, nichts wissen macht viel". Das sollte als Leitsatz auch von allen Behandlern weitergegeben werden!

reschmieba:
Hallo,

der Artikel ist recht interessant - für meinen Geschmack aber an einigen Stellen zu undifferenziert und sogar zynisch.  :balla:

Daß Ernährungsprobleme mit entsprechenden möglichen Folgen auch gerade die junge Generation betreffen, steht außer Frage.

Aber gerade die Artikel von Halb- oder Nichtfachleuten erwecken den Eindruck, als ob der Diabetes zwangsläufig früher oder später zu Impotenz, Nierenschäden, Erblindung und Amputation führt. Als Beleg werden gern die aktuellen Zahlen an entsprechenden medizinischen Eingriffen oder Vorfällen genannt.

Dabei ist aber doch festzuhalten: Ein Großteil der Menschen, die an den genannten Problemen leiden, haben eine Diabetesdauer von teilweise mehreren Jahrzehnten. Angesichts des medizinischen und pharmazeutischen Kenntnisstandes war eine perfekte Einstellung noch vor wenigen Jahren (andere Insuline, feste Tagespläne etc.) extrem viel schwieriger als es heutzutage möglich ist. Das Risiko für diese Komplikationen sinkt mit jedem Prozent besserer Einstellung (HbA1c). Allein aus diesem Grund sind - eigenverantwortliches Kümmern um eine gute Einstellung vorausgesetzt - die Werte von heute nur eingeschränkt auf z.B. in 20 Jahren übertragbar. Ebenfalls oft nicht erwähnt ist die Tatsache, daß insbesondere Typ II Diabetiker, deren Erkrankung ja jahrelang ohne Entgleisungen unentdeckt bleiben kann, ein erhöhtes Komplikationsrisiko aufgrund langfristig schlechter Blutzuckerwerte haben. Und eigentlich nie habe ich von Fällen gelesen, die die Botschaft enthalten: "30 Jahre Diabetes - kerngesund und lebensfroh!"

Ich verstehe ja den mit den drastischen Darstellungen bezweckten Warneffekt (vergleichbar mit dem Beipackzettel-Effekt). Ich meine aber, daß dies die Betroffenen auch sehr ängstigen und einschränken kann. Ebenso wird teilweise ein Bild bei Nicht-Diabetikern erzeugt (mangelnde Leistungsfähigkeit, Krankheitsanfälligkeit, etc.), das nicht richtig ist. Im Gegenteil: Wenn ich meinen Zucker sorgfältig einstelle und mich regelmäßig checken lasse, dann unterliege ich einer besseren ärztlichen Kontrolle als der überwiegende Großteil der Rest-Bevölkerung. Entzündungswerte, Blutdruckwerte, Cholesterin usw. können bei regelmäßiger Wahrnehmung des Quartalschecks nicht so aus dem Ruder laufen wie bei jemandem, der den Arzt erst ruft, wenn der Körper schon Alarm schlägt.

Das ist meine Meinung dazu. Was denkt Ihr?

Als Typ Ier seit gerade mal 8 Monaten gebe ich mich der Hoffnung hin, daß ich zwar jetzt immer eine Hirnzelle an meinen Zucker denken lassen muß, ich aber bei sorgfältiger Einstellung und Routine weder auf etwas verzichten muß (und will), noch Angst vor Komplikationen haben muß.

Interessieren würden mich Eure Erfahrungen. Wie lange seid Ihr schon "süß"? Wie schafft Ihr Eure Einstellung? Und: Leidet Ihr unter Folgen des Diabetes oder seid Ihr verschont?

Schließlich hoffe ich, daß zumindest das "lebensfroh" der Zucker uns nicht nehmen kann, nicht wahr?

Liebe Grüße,
reschmieba



Ludwig:

--- Zitat von: reschmieba am Januar 14, 2005, 20:46 ---

Und eigentlich nie habe ich von Fällen gelesen, die die Botschaft enthalten: "30 Jahre Diabetes - kerngesund und lebensfroh!"

--- Ende Zitat ---

Trifft aber z.B. auf mich zu!  :ja:


--- Zitat ---
Ebenso wird teilweise ein Bild bei Nicht-Diabetikern erzeugt (mangelnde Leistungsfähigkeit, Krankheitsanfälligkeit, etc.), das nicht richtig ist. Im Gegenteil: Wenn ich meinen Zucker sorgfältig einstelle und mich regelmäßig checken lasse, dann unterliege ich einer besseren ärztlichen Kontrolle als der überwiegende Großteil der Rest-Bevölkerung. Entzündungswerte, Blutdruckwerte, Cholesterin usw. können bei regelmäßiger Wahrnehmung des Quartalschecks nicht so aus dem Ruder laufen wie bei jemandem, der den Arzt erst ruft, wenn der Körper schon Alarm schlägt.


--- Ende Zitat ---

Bin voll Deiner Meinung :wehren:


--- Zitat ---
Interessieren würden mich Eure Erfahrungen. Wie lange seid Ihr schon "süß"? Wie schafft Ihr Eure Einstellung? Und: Leidet Ihr unter Folgen des Diabetes oder seid Ihr verschont?


--- Ende Zitat ---

Ich bin seit 34 jahren "süß" und habe laufend verbesserungen der therapie erlebt!  :super: Es wird vieles zur Routine und da muss man aufpassen, daß man nicht nachlässt bei seinem DM-Management!  :patsch: An Folgen leide ich noch nicht! :staun:


--- Zitat ---
Schließlich hoffe ich, daß zumindest das "lebensfroh" der Zucker uns nicht nehmen kann, nicht wahr?


--- Ende Zitat ---

auf keinen Fall  :banane:

Joerg Moeller:

--- Zitat von: reschmieba am Januar 14, 2005, 20:46 ---der Artikel ist recht interessant - für meinen Geschmack aber an einigen Stellen zu undifferenziert und sogar zynisch.  :balla:

--- Ende Zitat ---

Und Fehler enthält er auch. (Best war der Assistent von Banting, nicht umgekehrt)


--- Zitat ---Dabei ist aber doch festzuhalten: Ein Großteil der Menschen, die an den genannten Problemen leiden, haben eine Diabetesdauer von teilweise mehreren Jahrzehnten. Angesichts des medizinischen und pharmazeutischen Kenntnisstandes war eine perfekte Einstellung noch vor wenigen Jahren (andere Insuline, feste Tagespläne etc.) extrem viel schwieriger als es heutzutage möglich ist. Das Risiko für diese Komplikationen sinkt mit jedem Prozent besserer Einstellung (HbA1c). Allein aus diesem Grund sind - eigenverantwortliches Kümmern um eine gute Einstellung vorausgesetzt - die Werte von heute nur eingeschränkt auf z.B. in 20 Jahren übertragbar.
--- Ende Zitat ---

Da bin ich 100%ig deiner Meinung. Und wenn die "alten" Diabetiker erstmal aus der Statistik rausfallen und dann immer mehr darin auftauchen, die von Anfang an mit ICT und Selbstkontrolle versorgt waren, dann wird auch der prozentuale Anteil solcher Spätschäden sinken, was sich mit Sicherheit irgendwer auf seine Fahnen schreibt "Wir haben die Spätschäden verringert".


--- Zitat ---Ich verstehe ja den mit den drastischen Darstellungen bezweckten Warneffekt (vergleichbar mit dem Beipackzettel-Effekt). Ich meine aber, daß dies die Betroffenen auch sehr ängstigen und einschränken kann. Ebenso wird teilweise ein Bild bei Nicht-Diabetikern erzeugt (mangelnde Leistungsfähigkeit, Krankheitsanfälligkeit, etc.), das nicht richtig ist.
--- Ende Zitat ---

 :super: Auch ganz meiner Meinung. Diabetikertage sind zwar gut und wichtig, aber wer geht da hin? Dia Diabetiker. Solche Inhalte müssen aber auch allgemein vermittelt werden.

Dann wird immer wieder erzählt, daß falsche Ernährung und Bewegungsmangel das Risiko erhöhen. Ist ja auch richtig, aber es wird fast nie danach gefragt, warum sich jemand so ernährt/sich nicht ausreichend bewegt. Das wird dann gerne als der faule Vielfraß dargestellt ohne sich daraum zu kümmern, daß dem oft auch psychologische Probleme zugrundeliegen.


--- Zitat ---Als Typ Ier seit gerade mal 8 Monaten gebe ich mich der Hoffnung hin, daß ich zwar jetzt immer eine Hirnzelle an meinen Zucker denken lassen muß, ich aber bei sorgfältiger Einstellung und Routine weder auf etwas verzichten muß (und will), noch Angst vor Komplikationen haben muß.
--- Ende Zitat ---

Ja, damit liegst du auch ziemlich richtig. Solange du bedenkst, daß die Basistherapie (Ernährung/Bewegung) auch trotz Insulintherapie unbedingt dazugehört. Am besten dran ist der, der das nicht als "Therapie" sieht, sondern als ganz normalen Teil seines Lebens.

Und lass dich nicht allein von deinem HbA1c beruhigen, sondern achte auch auf die Schwankungen. Die tauchen teilweise nicht im 1c auf, sind aber für Spätschäden immens wichtig (negativerweise).

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