Diabetesfragen > CSII - Pumpentherapie
Diskussion über Hypo mit Bewusstlosigkeit und Pumpe
cat:
Hallo,
ich bin heute Vormittag in eine Diskussion verwickelt worden. Die Frage war, wie ein Arzt (z.B. Notarzt) handeln soll, wenn er einen bewusstlosen Pumpenträger mit Hypoglykämie vor sich hat.
Die meisten (darunter auch ein Arzt) waren davon überzeugt, dass der Arzt den Katheter rausreißen sollte und danach Glucose intravenös geben sollte. Grund: wenn er die Pumpe weiter laufen lassen würde und irgendwelche Hirnschäden auftreten würden, dann hätte der Arzt ein Haftungsproblem.
Ich bin aber der Meinung, dass der Arzt die Pumpe schon weiter laufen lassen und einfach nur Glucose i.v. geben sollte. Mir fallen auf Anhieb einige Gründe dazu ein, aber mich würde interessieren wie ihr über die Sache denkt.
Schöne Grüße! :huepf:
Llarian:
Meine Meinung ist auch, er sollte sie weiterlaufen lassen. Zieht er den Katheter, ist auch bei Analoga eine Insulinrestwirkung über etwa 2 Stunden zu erwarten... bis sich das auf die Hypo auswirkt, dauerts. Zieht er den Katheter und gibt Glukose, hat er nach Abklingen der Restwirkung des Insulins eine Insulinlücke, die durch das voraussichtliche zuviel an Glukose noch verstärkt wird. Das arme ohnehin schon hypogebeutelte Schwein hat danach also eine saftige Hyper mit Resistenz, die er möglicherweise noch einige Tage mit sich herumschleppt, und das vollkommen unnötigerweise. Zieht er den Katheter und gibt aber parallel Insulin i.v., weil er das besser steuern kann, ist das etwas anderes, weil dann die Zufuhr nicht unterbrochen wurde.
Was war denn die Fachrichtung des Arztes?
Grüße
Anja
cat:
Hallo!
Danke Anja, das waren unter anderem auch meine Argumente.
--- Zitat von: Llarian am Juli 09, 2008, 21:42 ---Was war denn die Fachrichtung des Arztes?
--- Ende Zitat ---
Das war ein Internist (allerdings nicht in Richtung Diabetologie, sondern Richtung Darm), es war aber auch eine Diabetesberaterin bei der Diskussion mit dabei. Deswegen hatte mich das Ganze doch etwas verunsichert. Denn ein weiteres Argument der „Gegenseite“, das mich etwas ins Schwanken gebracht hatte war, dass es nach der Glucose-Infusion noch einige Zeit dauert, bis das Gehirn wieder genügend Zucker bekommt. Solange würde die Gefahr bestehen, dass man durch eine weitere Zufuhr von Insulin die Hypo noch verstärken könnte und dadurch das Gehirn schädigen könnte.
Außerdem meinte die Diabetesberaterin noch, dass jede Unterzuckerung zu einer Insulinresistenz führen würde und der Tag dann in Bezug auf die Werte sowieso schon gelaufen wäre. Eine Hyperlykämie würde an der Resistenzlage dann auch nichts mehr ändern. Ist mir da etwas entgangen? Ich dachte bis jetzt immer, dass nur Hyperglykämien zu einer Resistenz führen (von einer Down-Regulation mal abgesehen). :kratz:
:naechtle:
unknown:
Ich glaube das es ziemlich egal ist ob der Arzt den Katheter kappt oder nicht in einer Unterzuckerung bei der Fremdhilfe.
Von den Auswirkungen ("Fremdhilfe") ist der Tag so wie so gelaufen.
Gruß
Norbert
Llarian:
--- Zitat von: cat am Juli 09, 2008, 23:02 ---dass es nach der Glucose-Infusion noch einige Zeit dauert, bis das Gehirn wieder genügend Zucker bekommt. Solange würde die Gefahr bestehen, dass man durch eine weitere Zufuhr von Insulin die Hypo noch verstärken könnte und dadurch das Gehirn schädigen könnte.
--- Ende Zitat ---
Wenn er dann die Insulinzufuhr schnell genug wieder aufnimmt, bevor eine ernstzunehmende Lücke entsteht...?
--- Zitat ---Außerdem meinte die Diabetesberaterin noch, dass jede Unterzuckerung zu einer Insulinresistenz führen würde und der Tag dann in Bezug auf die Werte sowieso schon gelaufen wäre. Eine Hyperlykämie würde an der Resistenzlage dann auch nichts mehr ändern. Ist mir da etwas entgangen? Ich dachte bis jetzt immer, dass nur Hyperglykämien zu einer Resistenz führen (von einer Down-Regulation mal abgesehen). :kratz:
--- Ende Zitat ---
Es gibt auch eine posthypoglykämische Resistenz, die aber, wenn ich mich richtig erinnere, nicht bei allen oder nicht immer auftritt. Nach einer Unterzuckerung, die so schwer war, daß sie Fremdhilfe erforderte, ist aber noch einiges im Ungleichgewicht und ich würde eher davon ausgehen, daß auch erneut Hypos entstehen können, u.a., weil auch das Adrenalin erst wieder "aufgefüllt" werden muß, eine sich anbahnende Hypo würde also u.Umständen nicht oder nur atypisch bemerkt werden. Die nächsten 24h sollte dann jemand mit Ahnung ein Auge drauf haben können, Alleinlebende werden dann auch gern einen Tag stationär zur Beobachtung da behalten. Etwas häufigeres Messen und nicht hinters Steuer setzen, sind dann Dinge, die man selbst im griff haben sollte.
Grüße
Anja
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