Diabetesfragen > Allgemeiner Bereich
Lehrer mit Insulinpumpe
Joerg Moeller:
--- Zitat von: MaKe am Oktober 31, 2007, 14:57 ---
Aber wenn sie den Beruf Lehrer ergreifen, dann sollten sie doch nen bissel offener für neues und auch von sich aus Wissbegieriger sein.
--- Ende Zitat ---
Naja, Lehrer sind eben auch nur Menschen. Und ich kenne auch Ärzte und Krankenschwestern, die da genauso sind.
Malou:
Ihr wollt wissen, was ich über eure Meinungen denke?
Für eure teilweise sehr konstruktiven Tipps und Meinungen bin ich sehr dankbar. :super:
Aber eines ist mir jetzt klar geworden: Jemand, der keinen Diabetes hat, kann die Ausmaße der Krankheit nicht überblicken. Jemand, der nicht selbst Lehrer ist, kann die Belastung im Lehreralltag nicht überblicken. Soviel habe ich aus diesem Thread gelernt.Und das soll nun wirklich kein Stöhnen sein. Ich liebe meinen Job sehr und ich bin nicht Lehrerin geworden, weil ich es musste, sondern weil ich es wollte!!!
Warum ich Angst habe, dass mein BZ auf der Klassenfahrt entgleist? Weil ich schon jetzt im Alltag nicht in der Lage bin, am Schul-Vormittag ausreichend häufig zu messen und gegebenenfalls ein paar BE zu mir zu nehmen. Auf einer Klassenfahrt hat man rund um die Uhr Aufsichtspflicht und die Verantwortung über ca. 60 Kinder. Der Erste tobt morgens um fünf durch die Flure und weckt alle auf, der Letzte weint sich abends nach 24.00 Uhr in den Schlaf. Dazwischen bist du nonstop im Einsatz. Einer macht ins Bett, der Nächste hat Heimweh, ein Mädchen bekommt zum ersten Mal ihrer Periode, ein anderes Kind hat Zahnschmerzen.
Jeder, der selbst Kinder hat, weiß, wie stressig es ist, wenn man mal zwei Tage hintereinander keinen Schlaf bekommt, weil die Kinder zahnen oder krank sind. Hier sind es 60 Kinder und 5 Tage. Irgendetwas ist immer zu tun. Mir fällt es da halt schwer, zuerst an mich zu denken.
O.K. ich habe meine lieben Kolleginnen und Kollegen nicht sehr positiv rüberkommen lassen. Aber meine Äußerungen bezogen sich auf deren Umgang mit mir und meinem Diabetes.
Ich habe keinerlei Äußerungen über deren Lehrerqualifikationen gesagt. Das sollte man schön trennen.
Unter Lehrern gibt es solche und solche, wie in jeder anderen Berufsgruppe auch.
Aber ihr habt´s ja schon selbst wieder geradegerückt. :knuddel:
Ich sitze zu dieser fortgeschrittenen Stunde übrigens noch am Schreibtisch, weil ich Beobachtungsbögen ausfüllen muss. Und das, obwohl heute bei uns Feiertag ist.
Ludwig II:
Meine Tochter hatte letztes Jahr nen Klassenlehrer und einen Direx,die mit dem DM gar nicht konnten. Das fanden wir, meine Tochter und wir schlimm. Seit es 3 Mädels mit DM an der Schule gibt gehts. Was machen Lehrer mit DMs?
Gela:
Hier ein Infoblatt für Lehrerinnen und Lehrer von der Firma Roche.
Die Info kam am Gymi meiner Tochter sehr gut an :zwinker: .
Und wenn man um die Ecke denken kann ... .
Aber wer nicht (info)willig ist, der (Kollege) wird es auch so nicht schaffen.
Malou:
--- Zitat von: Ludwig II am November 01, 2007, 21:37 ---
Meine Tochter hatte letztes Jahr nen Klassenlehrer und einen Direx,die mit dem DM gar nicht konnten. Das fanden wir, meine Tochter und wir schlimm. Seit es 3 Mädels mit DM an der Schule gibt gehts. Was machen Lehrer mit DMs?
--- Ende Zitat ---
Was war denn konkret das Problem? Durfte sie nicht im Unterricht essen?
Ich habe leider schon sehr häufig gehört, dass es Probleme in der Schule gibt. :(
Natürlich hätte ich als Diabetikerin überhaupt kein Problem damit, ein Kind mit Diabetes in meiner Klasse zu haben. Aber ich habe natürlich auch inzwischen ein umfangreiches Hintergrundwissen. Das kann man von den Kollegen natürlich nicht sagen. Es ist schon klar, dass viele Situationen angstbesetzt sind. Ein Lehrer sieht vielleicht zu ersten Mal, dass ein Kind wegen einer Hypo kreidebleich wird und der Schweiß von der Stirn tropft. Dass in dieser Situation Traubenzucker oder süße Getränke sehr schnell helfen, das hat er vielleicht schon einmal gehört oder gelesen, aber das Vetrtrauen, dass dies auch wirklich so ist, muss erst einmal aufgebaut werden. Bei der zweiten oder dritten Hypo geht er die Situation schon viel gelassener an. Und dann ist noch die Sorge vor der Hyperglykämie. Dass diese nicht so plötzlich auftritt, das wissen wir geschulte Menschen natürlich längst. Aber der Lehrer? Der hat Angst, dem Kind Traubenzucker zu geben, weil es ja theoretisch auch eine Hyperglykämie haben könnte. Ich kann schon verstehen, dass er da zunächst sehr unsicher ist.
In meinem Unterricht darf grundsätzlich jedes Kind zu jeder Zeit Wasser trinken. Weil es einfach wichtig ist, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Warum sollte ein Kind mit Diabetes nicht auch essen dürfen? Es würde mich nicht stören, wenn das Kind im Unterricht seinen BZ bestimmt und vielleicht auch etwas isst.
Andersherum stört es meine Klasse ja auch nicht, wenn ich dies tue. Kinder sind da sehr tolerant. Erwachsene tun sich häufig viel schwerer.
Das Problem ist einfach die Angst der Kollegen. Und die ist durchaus begründet, wie ich finde.
Ich habe ein Kind mit Asthma in der Klasse. Das Kind hat sein Notfallspray immer dabei und trotzdem habe ich schon Angst davor, den ersten Asthmaanfall live zu erleben. Ich bin noch nie in eine solche Situation geraten. Natürlich weiß ich in der Theorie, was ich dann tun soll. Und trotzdem habe ich Angst davor. Also kann ich sehr gut nachvollziehen, dass diabetestechnisch ungeschulte Menschen unsicher im Umgang mit dem Diabetes sind und ersteinmal jegliche Verantwortung ablehnen.
Ich finde es wichtig, dass Eltern nicht fordernd auftreten, sondern die Kooperation behutsam und mit viel Aufklärungsmaterial aufbauen. Wir haben Kinder mit Asthma, Pseudokrupp, Neurodermitis, Krampfanfällen, Diabetes...Jede Krankheit hat ihre Tücken und man muss in Notfallsituationen richtig reagieren. Und wir sind keine Mediziner, sondern "nur" Lehrer.
Ich persönlch bin sehr tolerant und versuche immer, jedes Kind bestmöglich zu fördern. Und dazu gehört für mich auch die Auseinandersetzung mit der Krankheit xy des Kindes.
Natürlich gibt es leider auch Kollegen, die aus Angst vor Fehlern und rechtlichen Konsequenzen dazu grundsätzlich nicht bereit sind und sich deshalb sehr ablehnend Verhalten. Manchmal ist man einfach überfordert. Und ich kann´s auch ein bißchen verstehen.
Und was machen Lehrer mit DM?
Endlich messe und esse auch ich im Unterricht.So, wie ich es von einem Kind mit Diabetes auch gelegentlich erwarten würde. Selbstverständlich... ;)
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