Diabetesfragen > Allgemeiner Bereich
"Insulinpumoe mit integrierter Glucagon-Spritze?"
Llarian:
Hallo,
die Überschrift ist Titel eines Artikels im aktuellen Insuliner (Nr. 80). Da ich nicht weiß, ob es copyrighttechnisch in Ordnung wäre, hier den gesamten Artikel her zu stellen, eine kurze Zusammenfassung:
Bei einer Schulung in Althausen und dem Thema gestörte Hypowahrnehmung kommt nach einem Bericht eines Teilnehmers über eine Hypo während der Autofahrt, aus der er im Krankenwagen nach Notarztbehandlung wieder durchkommt, weil wegen des späten Einsetzens der Hyposymptome keine Zeit zum Reagieren bleibt, die Idee einer Pumpe mit integrierter Glucagon-Spritze, bei der auf Durck auf einen Notfallknopf das Glucagon gemischt und abgegeben wird; es wird viel diskutiert, ein Kursteilnehmer erstellt eine Darstellung auf dem Notebook, dem in der dritten Kurswoche anwesenden Mitarbeiter der Firma Roche, der dort für Neuentwicklungen im Diabetesbereich zuständig ist, wird das ganze enthusiastisch vorgestellt, der Herr ist beeindruckt und man hofft jetzt auf Umsetzung.
Hmm... da springen mir jetzt so einige Fragen und Gedanken in den Kopf...
* Warum um alles in der Welt fährt jemand mit diesem Problem Auto?
* Wenn man so ein Problem hat und meint, Autofahren zu müssen, warum trifft man dann keine Sicherheitsmaßnahmen (BZ vor Fahrtantritt messenmessenmessen und bei Bedarf erhöhen und alle halbe Stunde testen? Ich setze vor Fahrtantritt auch meine Brille auf und das nicht, damit ich meinen Anblick im Rückspiegel bewundern kann, sondern, damit ich nicht mich oder andere gefährde.
* Argument für dieses Modell war auch "es wird keine weitere Person in Anspruch genommen, die bei der Ansicht einer Spritze in Panik gerät". Was wird denn da angenommen, wie schnell eine Glucagonspritze im Straßenverkehr wirkt, wenn schon wenige Sekunden ausreichen, einen Menschen totzufahren? Wenn eine Hypo vorliegt, die so schwer ist, daß der Einsatz von Glucagon notwenig ist, dann sollte die verbleibende Zeit zur Schadensreduzierung genutzt werden (von der Leiter steigen, Hinsetzen, Hinlegen, Auto anhalten etc) und nicht zum Fingern an der Pumpe und minutemlangen Warten auf die Glucagonwirkung
* Wäre es nicht sinnvoller, zuerst das zugrundeliegende Problem anzugehen (gestörte Hypowahrnehmung), bevor man eine millionenschwere Entwicklung anstoßen will? Schulungsinhalt in der ersten Woche in Althausen war auch, daß durch ein penibles Vermeiden von Werten 140 bei allen Teilnehmern einer Studie, die vorher keine adrenergen Hyposymptome mehr hatten, diese wieder erreicht wurden.
Meinungen, Kommentare?
Grüße
Anja
Adrian:
Hallo, ich habe auch bei dem Artikel herzhaft gelacht. Das mit dem Auto habe ich wohl verdrängt.
Naja, technisch gesehen bräuchte man wohl einen 2. Katheter?
Denn ich möchte nicht, dass mir erstmal das Insulin von 80cm Schlauchlänge (>10IE) in den Bauch gehämmert wird, wenn ich schon eine Hypo habe.
Oder gibt es da geheime Vakuumtechnick, die den Katheter lehrt?
Oder wir währen wieder bei einem Spezialkatheter angelangt, mit 2 Innenschläuchen?
Der könnte dann nicht eifnfach aufgeschraubt werden, da ja verschiedene Anschlüsse passen müssten... Das geht sicherlich sehr stark auf die Zuverlässigkeit des Systems.
Vom Gewicht her: Mein Hypokit wiegt 14 Gramm, und da ist auch noch eine Menge Glas dabei. Aber die Mechanik des "schüttelns"... Naja, vielleicht kann man ja einfach den Vibrationsalarm verbessern ;-)
LG|Adrian
maulwurfinchen:
ich stimme deinen gedanken schon zu. einzigen vorteil sähe ich im verhindern von nächtlichen hypos, wobei es meiner ansicht nach ausreichen würde, wenn man kontinuierliche glucosemessung mit alarm verbreiten würde. ich persönlich habe eine ziemlich gute hypo wahrnehmung, aber merke selbst, dass nächtliche hypos mir später auffallen als tagsüber. aber glucagon als lösung?!
ich finde es auch heftig, wenn man technische lösungen für teils hausgemachte probleme sucht. obwohl ich selten auto fahre, wenn ich fahre, messe ich auch sehr regelmäßig, esse eher zu und achte besonders darauf, wie ich mich fühle. denn weder mit meinem, noch mit dem leben anderer gehe ich leichtfertig um.
Joerg Moeller:
--- Zitat von: Adrian am September 25, 2007, 12:29 ---
Aber die Mechanik des "schüttelns"... Naja, vielleicht kann man ja einfach den Vibrationsalarm verbessern ;-)
--- Ende Zitat ---
:lachen: :lachen:
Sowas ähnliches habe ich mir beim Lesen auch gedacht. Insbesondere die Erwähnung des Roche-Vertreters fand ich witzig. (Daß er die Idee weiterleitet glaube ich gern ;D )
Meiner Meinung nach wirft dieser Artikel kein gutes Licht auf die Qualität dieses speziellen Lehrgangs. Da hätte vielmehr jemand von den Verantwortlichen eingreifen und die Argumente von Anja und dir einwerfen sollen. :tss:
Das ganze erinnert so ein bißchen an eine Phantasiemaschine, wie sie Kindergartenkinder entwickeln.
Joa:
--- Zitat von: Llarian am September 25, 2007, 11:23 ---
[enthusiastische Notfallpumpe mit Glukagon-Knopf]
Meinungen, Kommentare?
--- Ende Zitat ---
Hallo Anja,
erst mal Dank für den Erheiterungsbeitrag! :lachen:
Wie Du merkst, lässt die Darstellung aber insbesondere, m. E. berechtigte, Zweifel aufkommen. :kreisch:
Wenn das tatsächlich so im Insuliner steht, wäre es allerdings eher eine recht effektive Negativwerbung.
Motto: Jetzt dreht xyz oder der Insuliner durch!
Das hinter dem Gedanken der Glukagonpumpe eine tiefe Weisheit steckt, die wir nur alle nicht kapieren, glaub ich nicht so recht. :gruebeln:
Aber vielleicht könnte die Insulinerredaktion den Artikel mal online stellen, oder einem Vollzitat zustimmen?
Gruß
Joa
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