Diabetesfragen > Allgemeiner Bereich
gegen das grassierende Vorurteil vom angefressenen und angesessenen Typ2
Angela:
--- Zitat von: Andi am September 10, 2007, 21:54 ---
Ich bin wahrlich keine Zaunlatte, ....
--- Ende Zitat ---
:knuddel: aber er is ein ganz lieber, lustiger Bayer :super:
Joa:
--- Zitat von: Jörg Möller am September 10, 2007, 17:27 ---
Wer bei einer "Ernährungsberatung" die psychische Komponente außer Acht lässt hat schon verloren.
Beachtet man das ist es einfach nur dumm die Betroffenen selbst dafür verantwortlich zu machen.
--- Ende Zitat ---
Finde ich nicht ganz konsequent gedacht oder formuliert. Verantwortlich machen heißt doch auch, auf die eigene Verantwortung, dieses oder das zu verändern hinzuweisen. Anderes ist co-produktiv.
Allerdings hilft natürlich Vorwurf und Schuldzuweisung goar nix.
Daher find ich auch den Hinweis auf die psychische Komponente sehr richtig.
Bezogen auf "Dicke" mit Typ 2 Diabetes fand ich mal ne Aussage in der Schulung der DK-Mergentheim trefflich.
"Die haben nicht (wie so allgemein kolportiert) Diabetes weil sie dick sind. Die sind dick, weil sie Typ 2 haben."
Umso wichtiger allerdings, sie auf eine der wenigen und wesentlichen Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer Lage hinzuweisen. Und das umzusetzten, auch wenn es nicht einfach ist, geht nur, wenn sie selber die Entscheidung treffen (können) und die Selbstverantwortung übernehmen (können).
Gruß
Joa
klausing:
--- Zitat ---@klausing: du willst einen Dicken anmachen, weil er duch sein Übergewicht Kosten verursacht. Machst du das auch mit den anderen drei Gruppen? Und wie sieht es mit Extremsportlern aus? Deren Unfälle werden auch von der GKV bezahlt.
--- Ende Zitat ---
Anmachen will ich niemanden. Ansprechen schon. In meinem Bekanntenkreis halten wir das zumindest so wenn wir jemanden mit Problemen sehen. Dabei ist es egal ob es Übergewicht, Gras rauchen oder Alkohol ist!
Deine Beispiele haben meiner Meinung nach eins gemeinsam. Alle diese Personen brauchen Hilfe und auch Wissen darüber was sie sich und anderen da an tun. Die meisten haben diese Perspektive gewählt, weil sie keine andere sehen. Wenn sie es wollen, dann sollte man ihnen natürlich helfen Perspektiven wieder zu sehen.
Sozialabgaben sind völlig außer Frage. Das muss sein und jeder der Bedürftig ist soll auch die Hilfe anderer genießen dürfen.
Aber etwas mit Absicht wider besserem Wissen zu Lasten der Allgemeinheit zu tun, nein da fehlt mir dann das Bedürfnis den sozialen Gedanken auszuleben.
Mal ein praktisches Beispiel was es wirklich hier in der Nähe gegeben hat. "aus Versehen" sägte sich einer die linke Hand ab. Es war nur "dummer Zufall", dass er total überschuldet war und ein 3/4 Jahr vorher eine Versicherung abgeschlossen hat. Blöd nur, wenn er vorher Alkohol trinkt und ca 5min vor dem "Unfall" schon den Notarzt ruft, so dass die fast noch live zu sehen konnten.
Wie Du schon bei dem Junkie , dem Alkoholiker ... schriebst: Meinst Du der fand es cool sich selbst zu verstümmeln? Auch er hatte Zwänge die ihn dazu trieben.
Er tat dies mit voller Absicht. An so einer Stelle hat der Sozialstaat meiner Meinung nach nur noch das menschlich notwendige zu leisten. Wenn er wie auch die von Dir aufgeführten Personenkreise gewillt sind etwas an ihrem Leben zu ändern, dann sollen sie gern mehr Unterstützung bekommen. Zum Beisiel Eingliederungshilfen etc. halte ich für unerlässlich. Aber Unwilligen Angebote aufzuzwingen nur um ja den so sozialen Staat zu beweisen ... das ist meiner Meinung nach falsch. Dafür fehlt das Geld an vielen anderen Ecken wo es notwendiger ist. Von Beispielen sehe ich hier bewußt ab.
@ Andi: dass ich dingo1's Ton für unangebracht halte, habe ich ja schon an anderer Stelle angemerkt. Ich sehe das genau wie Du. Der Ton macht die Musik. Wenn man den Menschen mit Fragen und Interesse begegnet und nicht mit einer aufzudrängenden Meinung oder gar allwissenden Therapievorschlägen, dann habe ich bisher immer die besten Erfahrungen gemacht.
Ich verstehe hier absolut nicht, warum ihr Euch so dagegen wehrt, dass man über problematische Themen auch mit Betroffenen spricht (vielleicht auch mal wenn sie es nicht gleich hören möchten)! Komisch auch diese Doppelmoral, dass fast jeder es OK findet wenn diese Sprüche auf den Zigaretten stehen, Raucher zum Wohl der Allgemeinheit rauchverbot erhalten oder in manchen Ländern Bilder von kaputten Gliedmaßen oder Lungen auf den Schachteln sind. Es ist auch allgemein üblich und kein Problem mehr einen Raucher anzusprechen wenn man sich von seinem Rauch belästigt fühlt.
Ähnliches in anderen Bereichen wird aber kategorisch abgelehnt. Ganz im Gegenteil das wird in der Öffentlichkeit großteils komplett verdrängt, dass es hier Probleme gibt bzw. Menschen Probleme haben. Das will mir nicht in den Kopf.
Hexe:
Hallöchen
möchte auch mal was dazu sagen, also ich bin dick, und dadurch das man es übergewichtig oder mollig oder untergross oder was auch immer nennt, ändert nichts an der Tatsache das es so ist,ich möchte wohl auch glauben das mein BZ sinken würde wenn ich abnehme, und das es Leute gibt die das schaffen, ist ja unbestritten, aber es gibt auch genug bei denen es nicht funktioniert
ich kann nicht erklären wieso, ( habe einfach zu wenig wissen von den abläufen im Körper), aber ich behaupte das ich erst mit dem Diabetes zugenommen habe und nicht umgekehrt! Ich weiss nicht wann sich mein Diabetes manifestiert hat, ich weiss nur wann er diagnostiziert wurde, und das war gut 1 Jahr nach dem ich zugenommen habe wie verrückt(innerhalb eines halben Jahres fast 50 kg) gut erst hatte ich Stress, bei Stress habe ich schon immer etwas zugelegt, aber danach fand ich es seltsam das es nicht aufgehört hat, habe dagegen gesteuert alles mögliche versucht um abzunehmen habe aber weiter zugenommen, war bei einer Ernährungsberatung,Gruppen und Einzelschulung, habe ich aus eigener Tasche bezahlt, da kam dann raus das ich mich sehr gesund ernähre, nur vielleicht zum abnehmen etwas zu viel Fett, na gut habe ich das reduziert , das einzige was passierte , war ja schon mal ein Erfolg, der Anstieg nach oben war gestoppt und ich konnte das Gewicht halten,also noch mehr reduziert, passiert ist aber nichts, also mehr Sport, passiert ist nichts, dann bin ich zum Arzt gegangen war schon verzweifelt, um mir Pillen oder sonstwas verschreiben zu lassen, und bei dem darauf folgenden Rund um Check meiner Ärztin kam heraus das ich Diabetes habe, also Tabletten dafür,Typ2 Schulung, mehr Sport alle Wege zu Fuss gehen oder mit dem Fahrrad , noch mal am Essen gedreht, die Kalorien und das Fett reduziert, oh und ich habe abgenommen, 2 Kilo in einem Jahr und dann war Schluss, es ging nicht mehr nach unten!
Dann kamen Bluthochdruck und Gallenprobleme dazu, die Ernährung auf beides angepasst und Tabletten dagegen genommen, ein halbes Jahr später habe ich aufgegeben, mir ging es schlecht wegen der Gallenkoliken, ich habe nicht abgenommen, ich bin in ein Loch gefallen aus dem ich erst Wochen später wieder krabbeln konnte, habe dann eine Therapie angefangen, auch das hat nichts geholfen, und dann kam die Schei... egal Phase, habe alles gegessen was keine Gallenkoliken verursacht ( seltsamerweise Eis und Lakritze) mein Blutrduck und mein BZ waren unter aller Sau, aber ich habe angefangen abzunehmen nicht viel aber immerhin, dann bekam ich Schmerzen in der Schulter und ein Medikament dagegen, das eigentlich nur für Notfälle gedacht sein sollte, damit aber ging es mir super, auch keine Gallenkoliken mehr, habe ich alles gegessen wonach mir der Sinn stand, und obwohl ich mich wegen der Schulter nicht mehr soooviel bewegen konnte, habe ich nicht zugenommen, allerdings auch nicht abgenommen, und dann stand der OP Termin an für die Schulter und ich musste auf Insulin umsteigen, habe sofort zugenommen,( von dem was ich vorher mühsam abgenommen hatte,war innerhalb von 10 Tagen, die hälfte wieder daruf) also wieder auf die Ernährung geachtet, inzwischen war ich auf dieses Forum gestossen und habe hier,und in den Einsteigerseiten, viel über Diabetes gelernt, was mir sehr geholfen hat!
Doch erst mein Diabetologe hat mich drauf gebracht das ich wohl jahrelang den falschen Weg eingeschlagen hatte, hätte ich ja selbst drauf kommen können, ABER man bekommt überall und immer gesagt das Fett die Ursache ist und natürlich zuviel Zucker in Form von Süsskram, ich war schon soweit das ich Fett nicht mal mehr sehen konnte, geschweige denn riechen, wenn mein Mann Bratkartoffeln gemacht bin ich weggegangen, weil ich den Geruch nicht mehr ertragen konnte vom Speck, jetzt reduziere ich die KH´s und esse mehr Fett bei 1500 Kalorien am Tag und nehme ab, wer hätte das gedacht, ich hatte lange Zeit höchstens 1000 Kalorien zu mir genommen pro Tag wenn denn mal ein Stück Kuchen dabei war oder ein Eis, sonst eher bei 700 Kalorien, und ALLE aber auch alle haben gesagt das kann nicht sein, dann würdest du abnehmen ( selbst meine Mutter) ich hätte dann jedesmal vor Wut heulen oder um mich schlagen können, erst der Diabetologe hat mich drauf gebracht das es nicht unbedingt die allumfassende Wahrheit ist,was alle glauben und in der Gesellschaft gerade propagiert wird, ich weiss inzwischen das jeder Körper anders ist und anders reagiert und das man das für sich selbst ganz individuell herausfinden muss, dann klappts auch mit dem abnehmen!
Was ich damit eigentlich sagen wollte, wenn mich einer darauf ansprechen würde das ich ja eh schon dick in und dann auch noch so viel und so fett esse, dann platze ich! Was weiss derjenige denn schon von den zusammenhängen in meinem Körper!NICHTS !!!!Da habe ich selbst Jahre gebraucht um das zu verstehen !Beim rauchen kannst du dich belästigt fühlen durch den Rauch oder sagen das ich damit deine Gesundheit schädige, aber beim essen ist es ja wohl eher so das es dich nicht belästigen kann was ich esse, finde der Vergleich hinkt ziemlich, und was ich esse kann auch niemanden anderen Schädigen, ich habe 25 Jahre in die GKK eingezahlt bevor ich "krank" wurde das mal nur so am Rand bemerkt
Jürgen hat mir mir aus der Seele geschrieben, danke dafür!
@ Steffen,
--- Zitat von: klausing am September 10, 2007, 23:30 ---
Ich verstehe hier absolut nicht, warum ihr Euch so dagegen wehrt, dass man über problematische Themen auch mit Betroffenen spricht (vielleicht auch mal wenn sie es nicht gleich hören möchten)! Komisch auch diese Doppelmoral, dass fast jeder es OK findet wenn diese Sprüche auf den Zigaretten stehen, Raucher zum Wohl der Allgemeinheit rauchverbot erhalten oder in manchen Ländern Bilder von kaputten Gliedmaßen oder Lungen auf den Schachteln sind. Es ist auch allgemein üblich und kein Problem mehr einen Raucher anzusprechen wenn man sich von seinem Rauch belästigt fühlt.
Ähnliches in anderen Bereichen wird aber kategorisch abgelehnt. Ganz im Gegenteil das wird in der Öffentlichkeit großteils komplett verdrängt, dass es hier Probleme gibt bzw. Menschen Probleme haben. Das will mir nicht in den Kopf.
--- Ende Zitat ---
du sagst dem ja nicht, hör auf zu rauchen du gefährdest deine Gesundheit und verursachst der Allgemeinheit kosten, du sagst hör auf zu rauchen weil es meine Gesundheit gefährdet, du kannst aber niemanden sagen, hör auf zu essen, könntest du ja auch gleich sagen, hör auf zu leben, im Bekannten und Freundeskreis über eine Thematik zu reden ist was anderes als Fremde darauf anzusprechen deren Hintergrund du nicht kennst, ;) dass du dich mit den Seelen von PC´s auskennst glaube ich gern ;)
@ Joa
habe deine Beitrag leider erst gelesen nachdem ich meinen schon geschrieben hatte, ist das erste Mal das sowas lese ausser eben auch schon mal Jürgen das es so ist das man dick ist weil man Diabetes hat und nicht umgekehrt( wohlgemerkt für den Typ2), dann habe ich ja vielleicht doch recht mit meiner Vermutung, das ich erst Diabetes hatte und dann zugenommen habe :)
Wünsche werden prompt in die Tat umgesetzt :), zumindest habe ich mal den Versuch gemacht
liebe Grüsse Vera
puh sorry das ist ja ein Roman geworden, musste ich aber mal loswerden!
Joa:
--- Zitat von: Hexe am September 11, 2007, 00:08 ---
[unheimlich viel, hintereinander wech] ;D
--- Ende Zitat ---
Puuuh, das sieht aber sehr komplex aus. Find ich, nach den Teilen, die ich (an)las auch spannend. :super:
Aber vielleicht kannst Du der Tage noch mal ein paar Absätze einbauen?
Würde m. E, die Lesbarkeit erhöhen können. :ja:
Viele Grüße
Joa
Hab noch mal mitbekommen, dass es noch weiterging. Ist vielleicht hinterher erschienen. :kratz:
Daher also im Nachtrag:
--- Zitat ---
... dass man dick ist weil man Diabetes hat und nicht umgekehrt (wohlgemerkt für den Typ2), dann habe ich ja vielleicht doch recht mit meiner Vermutung, das ich erst Diabetes hatte und dann zugenommen habe.
--- Ende Zitat ---
Das ist wohl insbesondere eine genetische Frage. Und die Gene hast Du von der Zeugung weg wirksam mitbekommen.
Entwicklungsgeschichtlich hat sich der Mensch halt über lange Zeiträume entwickelt und verschiedene Genpoole haben sich unter dieser oder jener Umwelt und Lebensbedingung besser oder schlechter durchsetzten können.
Teupe hat das in Althausen mal kurz aber recht ich fand vom Ansatz her spannend umrissen.
Je "naturvölkischer" der Genpool erhalten ist, umso mehr ist die Überlebensstrategie des Menschen darauf ausgerichtet, in kargen Zeiten zu überleben.
Das bedingt die Fähigkeit, in fetten Zeiten vom Überfluss gut in der Lage zu sein, Reserven anzulegen.
Also ist unter solchen Ur-Bedingungen das Individuum, dass über die Hungergrenze hinweg Speck speichert, im Winter oder in der Dürrezeit schlicht überlebensfähiger und kann seine Gene gut weitergeben.
Um daraus mal weitere Ideen zu folgern:
Der Spargeltarzan verhungert in diesen Zeiten! Es sei denn, er ist im Hierachiegefüge aufgrund anderer Fähigkeiten weit oben und wird arterhalten durchgefüttert (soziale Komponente), oder ist auch hierarchisch bevorzugt, darf sozusagen zuerst an den Futternapf im Mangel.
Leider hat die Natur nicht bedacht, dass Supermärkte heutzutage, rund um die Uhr, und an sieben Wochentagen, wohlgefüllte Futternäpfe bereit halten.
Insofern sind die (meisten) Typ 2er die eigentlich "gesunden" Diabetiker, deren Zeit allerdings, so rein genetisch-funktional, vorläufig vorbei ist.
Typ 1 halte ich da schon eher für ein natürliches Auslaufmodell.
Beiden gemeinsam ist, dass sie heute von der Solidargemeinschaft (kontradarwinistisch?) gestützt werden müssen.
Hört sich nicht nett an. Wird aber wohl so sein? :-\
Vielleicht aber hält die Entwicklung der Menschheit für die Genpoole von Typ 2 oder 1 ja auch noch Bedarfe bereit?
Gruß
Joa
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