Diabetesfragen > Allgemeiner Bereich

gegen das grassierende Vorurteil vom angefressenen und angesessenen Typ2

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hjt:

--- Zitat ---Wenn man einen Raucher sieht und ihn anspricht, dass das was er gerade tut sich und seinem Umfeld schadet, dann schaut der Raucher betroffen nach unten und gibt einem Recht.
Macht man das gleiche mit einer übergewichtigen Person und erklärt ihr, dass das fette Essen ihm schadet und durch die Kosten für die Behandlungsfolgen (Diabetes, GEfäßverengung, Leberverfettung, Herzinfaktrisiko etc.) er der Allgemeinheit schadet, dann wird man dumm angemacht. Man soll den "Dicken" nicht diskriminieren.
Das Fazit seiner Worte war: "Wann können wir Leute welche bewußt Gesundheitsrisiken durch falsche Ernährung auf sich nehmen genauso ansprechen wie Raucher auf ihr Nikotin."
--- Ende Zitat ---

1. Übergewicht kommt mit Kalorien-Überschuss, egal aus welchen Nahrungsanteilen. Es gibt keinen einzigen Nachweis dafür, dass fettes Essen fetter macht, als die selbe Menge Kalorien aus KHs oder/und Eiweiß.

2. In der Praxis hat die Adipositasambulanz der Harvard Universitätskinderklinik mit einem deutlich höheren Fett- und Eiweiß- und einem erheblich verminderten KHanteil in der Nahrungszusammensetzung von Patienten bessere Erfolge als mit dem traditionellen fettarmen Ansatz erzielt und dokumentiert.

3. Cholesterin als Risiko für Herz- und Gefäße wird völlig unabhängig vom Körpergewicht von der Leber produziert. Mit der Nahrung aufgenommenes Cholesterin verändert den Cholesterinspiegel häufig überhaupt nicht und wenn, dann nur unerheblich.

4. Auch wenn die Betroffenen das dann nicht lange durchhalten, wird mächtige Adipositas in vielen Herzzentren mit strenger Atkins-Diät angegangen, die dann nach einer erfolgreichen Anfangsphase leicht gelockert wird. Aber Speicherfett kann nun einmal nur dann in größerem Umfang verstoffwechselt werden, wenn keine externe Glukose diesen Vorgang unterbindet.

5. Typ2 entsteht mit dem (nicht durch das!) Versiegen der ersten Phase der gesund zweiphasigen Insulinantwort auf jeden Glukoseeintrag. Erst damit und nicht mit irgend einer Resistenz beginnt der BZ, immer höher über normal anzusteigen. Mit dem Übergang der Last auf die 2. Phase wird zwar immer später und bei immer höherem BZ, aber zunehmend immer mehr Insulin zuviel ausgegeben, als gesund mit beiden Phasen zusammen im jeweils selben Fall aktiviert würde, und zwar zu viel auch dann, wenn man eine wie auch immer geartete Insulinresistenz berücksichtigt ? eben netto zu viel! Netto mehr als gebraucht wird, bedeutet immer Insulinmast!

Und dazu kommt, dass mit dem Versiegen der ersten Phase die Zuckerproduktion der Leber nicht mehr abgeschaltet wird, so zu der gegessenen wenigstens immer für eine Zeit auch die aus der Glukoneogenese mit Insulin abgedeckt werden muss. Infolge eines wie auch immer gearteten Steuerdefektes wird häufig postprandial sogar eine erhöhte Glukoseausgabe aus der Leber beobachtet.
In der Glukoneogenese wird im Verhältnis 2:1 Eiweiß in Glukose umgewandelt, und zwar Eiweiß aus Gewebe, wenn nicht üppig genug Eiweiß gegessen wird.
UND alle Glukose, auch die aus der Glukoneogenese, wird bei nicht sofort ausreichend verbrauchender Bewegung in Fett angelegt, wenn die begrenzten Glykogenspeicher nicht durch eine voraufgehend längere große Anstrengung aufnahmefähig sind. Auf diesem Wege werden neben Äpfeln durchaus auch Muskeln zu Fett verwandelt.

Was den Betroffenen in einem um Jahre fortgeschrittenen Stadium dieses Prozesses bei Überschreiten der alten DM-Diagnoseschwellen vorgeworfen wird, ist mithin wenigstens zu einem großen Teil Folge der Krankheit, zu deren Ursache es heute praktisch überall veröffentlicht erklärt wird. Und deswegen finde ich auch dann Äußerungen wie die Eingangs zitierte voll daneben, wenn sie im Gegensatz zur gescholtenen Art im inzwischen geschlossenen Thread *Normbereich und HBA1C*  sprachlich einwandfrei erfolgen.

Bisdann, Jürgen

Joerg Moeller:
Du machst es dir viel zu schwer. Was du beschreibst ist im wesentlichen "Ernährung".

"Essen" ist aber mehr als das. Da spielt noch eine psychische Komponente rein, die von den meisten Wissenschaftlern völlig außer Acht gelassen wird. Angefangen über erlerntes Essverhalten über Essen als psychosoziale Komponente bis hin zu "Zucker als Seelentröster".

Wer bei einer "Ernährungsberatung" die psychische Komponente außer Acht lässt hat schon verloren.

Beachtet man das ist es einfach nur dumm die Betroffenen selbst dafür verantwortlich zu machen.

klausing:
Zu dem ZItat welches Du benutzt:
Wie bereits geschrieben, es stammt aus dem Film SuperSizeMe.
Ich fand die Idee welche hinter diesem Zitat steckte mehr als OK. Wenn man die Amerikaner in diesem Film gesehen hat die sich in einer Mahlzeit weit über 3500kcal reindrücken oder 8 Liter Cola am Tag trinken mit den darin befindlichen 800gr Zucker ... dann ist es fast schon unmoralisch so zu tun als ob man nichts sieht.
Einen Raucher kann man ohne weiteres bitten seine Zigarette aus zu machen, wenn man sich dadurch belästigt fühlt. Geh doch mal zu einem Übergewichtigen und sag ihm er soll das Essen was er sich gerade bestellt hat nur halb essen weil Du Dich durch höhere Krankenkassenbeiträge sonst benachteiligt fühltest.

Wodurch Diabetes entsteht, hab ich selbst lernen dürfen! Aber ich kann Dir definitiv sagen, dass während meiner Reha 2 Personen waren die in 4 Wochen jeweils über 10 (der eine 15kg und die andere 12 kg) abgenommen haben. Die hatten hinterher Werte wie gesunde Menschen !!! Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, dann hätte ich es nicht geglaubt. Es war also maßgeblich das Übergewicht welches ihre Diabetes hervorrief.

In den USA ist zu fettes Essen mit der damit verbunden zu hohen Kalorienaufnehme nach Rauchen mittlerweile die anerkannte "zweithäufigste vermeidbare Todesursache"!
In diesem Film wurde unter ärztlicher Aufsicht gezeigt, dass fettes Essen in Mengen der Leber die gleichen Werte bescheren kann wie ein Alkoholiker nach Jahren hat. Der Mann in diesem Film hatte sie schon nach 3 Wochen!!!
Morgan Spurlocks Dokumentarfilm über diese Veränderungen wurde nicht umsonst mehrfach preisgekrönt!

Darin wurde auch auf "Essenspiralen" eingegangen, was der von Jörg erwähnten psychischen Komponente entspricht.

@hjt: ich gebe Dir vollkommen recht, dass es physikalisch unmöglich ist zuzunehmen wenn man nur so viel zu sich nimmt wie man verbraucht, egal woher es kommt. Aber nimm mal ein durchschnittliches Mittagessen von 1000-1500kcal. Pack mal auf die eine Seite eine sehr fetthaltige Mahlzeit und auf der anderen Seite eine Kohlenhydrathaltige und balaststoffreiche Mahlzeit. Allein die unterschiedlichen Mengen auf dem Teller dürften schon ersichtlich machen nach welcher Mahlzeit Du als erstes wieder Hunger haben wirst.

Versteht mich nicht falsch! Ich habe nichts gegen Dicke. Eigentlich mach ich das Wort Dicke nicht. Ich mag das Wort Übergewichtige lieber.
Einige meiner besten Freunde haben Übergewicht. Nur mit denen kann ich auch ohne überhitzte Gemüter darüber diskutieren. Genau das ist es, was ich glaube, dass es salongfähig werden muss über solche Risiken reden zu dürfen und andere auch ansprechen zu dürfen.
Leuten welche sich Pircen und tätowieren wird doch mittlerweile auch ein Teil der Behandlungskosten auferlegt wenn hinterher was passiert. Warum soll Unvernunft (so lange sie nicht krankhaft ist) zu regress führen? Darüber reden wird doch wohl erlaubt sein?
Beim Raucher geht das doch auch!

Andi:

--- Zitat von: klausing am September 10, 2007, 19:00 ---
Versteht mich nicht falsch! Ich habe nichts gegen Dicke. Eigentlich mach ich das Wort Dicke nicht. Ich mag das Wort Übergewichtige lieber.
Einige meiner besten Freunde haben Übergewicht. Nur mit denen kann ich auch ohne überhitzte Gemüter darüber diskutieren. Genau das ist es, was ich glaube, dass es salongfähig werden muss über solche Risiken reden zu dürfen und andere auch ansprechen zu dürfen.
Leuten welche sich Pircen und tätowieren wird doch mittlerweile auch ein Teil der Behandlungskosten auferlegt wenn hinterher was passiert. Warum soll Unvernunft (so lange sie nicht krankhaft ist) zu regress führen? Darüber reden wird doch wohl erlaubt sein?
Beim Raucher geht das doch auch!

--- Ende Zitat ---


Der Ton macht die Musik, Klaus, der Ton ...

Beachte bitte folgendes ...

--- Zitat von: dingo1 am Juni 20, 2007, 16:50 ---
ps: der nächste, der mir Dicke, Raucher oder Süchtige als klug verkaufen will, dem zerteile ich den Schädel und versuche das Ausmaß der Geisteskrankheit zu bestimmen

--- Ende Zitat ---

... und nun versuche, ein "schönes" Lied daraus zu machen.

Ich bin wahrlich keine Zaunlatte, es würde mir im Traum nicht einfallen, solche Lieder wie DINGO zu trällern :nein:
Bis zu meinem fünften Geburtstag galt ich als grenzwertig zum Unterernährt sein. Es ist an mir einfach nix "hingewachsen". Eine kleine Operation half meinem Hormonhaushalt. Seitdem habe ich schon beim Betrachten einer Tafel Schokolade eine Auseinandersetzung mit meiner Waage! So einfach ist das mit der Schuldzuweisung an die weniger Schlanken.

Ansonsten kann ich die Punkte von "hjt" nachvollziehen. Auch Jörgs Argument "psychische Komponente" ist nicht wirklich von der Hand zu weisen.

So, das sind mal meine 2 Cent zum Thema angefressener Wanst und Dummheit ...

Joerg Moeller:
Man muß sich bei diesen Dingen immer fragen:

- drückt der Junkie, weil er es geil findet an der Nadel zu hängen?
- raucht der Raucher, weil er seinen Raucherhusten und Kurzatmigkeit liebt?
- säuft der Alkoholiker, weil er es liebt die Kontrolle über sich zu verlieren?
- stopft sich der Dicke voll, weil er es cool findet, wenn alle Welt über ihn herzieht?

@klausing: du willst einen Dicken anmachen, weil er duch sein Übergewicht Kosten verursacht. Machst du das auch mit den anderen drei Gruppen? Und wie sieht es mit Extremsportlern aus? Deren Unfälle werden auch von der GKV bezahlt.

Leute: diese Kosten werden von den Sozialabgaben bestritten. Vielleicht sollten wir mal ein bißchen über den Wortteil "Sozial" nachdenken.

Ansonsten landen wir irgendwann noch in einer Orwell'schen Welt, in der der große Bruder für uns entscheidet was wir essen, trinken und wie wir uns bewegen dürfen.

Hallo?

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