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Neulich beim Diabetologen
tobgrob:
--- Zitat von: cat am August 18, 2007, 02:02 ---
Risikoärmer mögen andere Jobs in der Wirtschaft vielleicht sein (wobei meiner Meinung nach Selbstständigkeit = Selbstständigkeit ist), aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die meisten Akademiker in der Wirtschaft nach ein paar Jahren mindestens 15.000 Euro pro Monat verdienen.
--- Ende Zitat ---
Wieso machst du aus 5000 Euro Gewinn ein Einkommen von 15000 Euro? Oder ist mir da ein Rechenschritt entgangen?
--- Zitat von: cat am August 18, 2007, 02:02 ---
Ein Bankräuber erpresst die Angestellten also auch nicht, er sagt ihnen nur unter welchen Bedingungen er sie am Leben lässt? :gruebeln:
--- Ende Zitat ---
Einen Arzt, der versucht, dich ins DMP zu schieben, mit einem Bankräuber zu vergleichen, grenzt, sorry, an Geschmacklosigkeit.
--- Zitat von: cat am August 18, 2007, 02:02 ---
Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. :zwinker: Auf Joghurt kann ich verzichten, auf Insulin nicht.
--- Ende Zitat ---
Eben. Dann nimm deinen Verstand und denke weiter. Alle Lebensmittelhändler verweigern dir die Lebensmittel, ohne die du ja nicht leben kannst, wenn da nicht Geld fließt.
Du profitierst vom Solidaritätsprinzip der GKV. Du erhälst mehr Leistungen, als du bezahlst.
Ich leide unter dem Solidaritätsprinzip. Aus Solidarität bin ich als Single, kinderlos, 20 Jahre lang freiwilliges Mitglied der GKV geblieben, immer Höchstbeiträge bezahlt, bzw in Zeiten, in denen ich keinen Anspruch hatte, wegen Auslandsaufenthalts, Anwartschaft gezahlt, rund 400 Mark für Lulu je Monat. Zur Zeit zahlen mein Arbeitgeber und ich zusammen deutlich mehr als 500 Euro im Monat an die GKV. Das macht in den letzten 20 Jahren 15*12*500 Euro = 90000 Euro, die die GKV mit Leistungsanspruch, plus 5*12*200= 12000 Euro ohne Leistungsanspruch, gleich 102000 Euro in der Summe erhalten hat. In all den Jahren war ich nie krank und hatte allenfalls 3 bis 4 Füllungen bei meinen Zähnen.
Und jetzt erfahre ich, da ich wirklich mal krank werde, dass mir Medikamente verweigert werden, weil die statt 7,50 Euro im Monat 50 Euro im Monat kosten. Da wäre ich besser als Berufsanfänger privat versichert worden und müsste mich heute nicht mit Ärzten rumschlagen, die mir aus Budgetgründen adäquate Medizin verweigern (Ja, das wäre ein Medikament für Sie, aber das kann ich Ihnen aus Budgetgründen nicht verschreiben).
--- Zitat von: cat am August 18, 2007, 02:02 ---
Das Recht zu bestimmen, unter welchen Bedingungen ein Arzt seine Patienten behandeln will, haben nur Privatärzte, nicht die Kassenärzte!
--- Ende Zitat ---
Korrekt. Das ist dein Ansatzpunkt. Verlange von dem Doc die schriftliche Aussage, dass er dich ohne DMP nicht behandeln mag, bzw die 75 Euro privat liqudieren will. Oder lass dich zum Schein darauf ein und dackel mit der Privatliquiditation zur KV. Damit spuckst du dem in die Suppe. Aber so richtig. Die Rechnung wird er vor Gericht eh nicht durchsetzen können.
--- Zitat von: cat am August 18, 2007, 02:02 ---
Wie gesagt, es gibt keine Alternativen.
--- Ende Zitat ---
Dann nutzt es dir auch nix, den Doc abzuschießen. (Wo wohnst du denn, dass da so eine Diaspora ist?)
--- Zitat von: cat am August 18, 2007, 02:02 ---
Und, wie gesagt, er nimmt mich auch nicht auf Überweisungsschein. Den hat er die letzten Jahre verlangt, aber jetzt geht das nicht mehr, sondern nur noch als Mitglied im DMP. Sonst würde sich die Situation für mich doch gar nicht ändern!
--- Ende Zitat ---
Nach DMP Richtlinien darfst du dir den koordinierenden Arzt selber aussuchen. Da der Doc einen Versorgungsauftrag hat, kannst du ihm mit Hilfe der KV Dampf machen, wenn es in deiner Region keine Alternativen gibt. Ohne Hilfe von den "Arbeitgebern" des Docs kommst du da nicht weiter.
Deine Entscheidung ist nun: Kämpfst du das durch bis ins Letzte? Oder knickst du ein und machst dem Dia Doc anders Probleme, z.B. indem du dich bei einem Allgemeinmediziner ins DMP einschreibst und dem Dia Doc die 75 Euro/Quartal nimmst? Oder du nimmst das als Verhandlungsgrundlage. Sag dem Dia Doc, dass das mit dem DMP klar geht, aber dass du dir dafür einen Allgemeinmediziner ausgesucht hast.
Oder, das wäre die bessere Alternative, prüfen, obes nicht wirklich Alternativen gibt.
Nochmal zurück auf deiun erstes Posting in diesem Thread:
--- Zitat von: cat am August 08, 2007, 19:41 ---
Rezepte für dieses Quartal habe ich heute noch bekommen, Blut hätte man mir auch noch abgenommen, aber der Arzt in der Praxis hat angeordnet, dass ich diese Werte niemals erfahren werde solange ich nicht dem DMP beigetreten bin. Überhaupt muß ich laut Anweisung meines Diabetologen unbedingt noch dieses Quartal dem DMP beitreten, ansonsten werde ich absolut gar nicht mehr behandelt (jedenfalls alles was mit dem Diabetes zu tun hat).
[...]
Und sollte meine Einstellung den Bach runter gehen, oder sich irgendwelche Komplikationen oder eine Schwangerschaft ergeben, darf mich der Hausarzt auch nicht wieder zum Diabetologen überweisen, bzw. werde ich dort nicht mehr angenommen.
--- Ende Zitat ---
Ist so gruselig in der Vorstellung, dass man es kaum glauben mag. Telefoniere mit der KV deines Bezirkes und lass dir die Regelungen schriftlich geben. (Ich habe bewusst nicht "diese" geschrieben). Blutuntersuchungen veranlassen und Rezepte ausstellen kann aber auch jeder Feld-, Wald- und Wiesenarzt. So gesehen kannst du den Routinekrempel beim Algemeinmediziener erledigen lassen und für die paar Spezialitäten einen weiter entfernten Dia Doc aufsuchen.
Die Vertrauensbasis zu deinem jetzigen ist eh schon so kaputt, das eine Alternative Not tut. Sich da zu verabschieden und dem so viele Probleme wie möglich machen , das wäre mein Weg.
Kopf hoch!
Grüße
Frank
Joerg Moeller:
--- Zitat von: cat am August 17, 2007, 22:04 ---
Jetzt steh ich auf dem Schlauch ???. Jeder Arzt hat rechnerisch 1000 Diabetes-Patienten pro Quartal. Die sollte er doch haben dürfen, oder nicht? Wenn er das Maximum erreicht, soll er dann die Weiterbehandlung seines bestehenden Patientenstammes ablehnen und dafür neue Patienten aufnehmen? Oder ist die Empfehlung eher so, dass er keine neuen Patienten mehr annehmen und die bisherigen Patienten weiterbehandeln soll? Falls es so ist: wieso sollte er mich dann als langjährig bestehende Patientin ablehnen dürfen?
--- Ende Zitat ---
Ach ja, stimmt: du bist da ja schon in Behandlung. Sorry, war mein (Denk)Fehler :rotwerd:
--- Zitat ---Hast du zufällig einen Link zu der Empfehlung damit ich die mal nachlesen kann? Vielleicht verstehe ich dann etwas besser was du meinst. :kratz:
--- Ende Zitat ---
Nein, hab ich nicht mehr.
--- Zitat ---
--- Zitat ---Okay, aber was könnte dir dann dadurch passieren?
--- Ende Zitat ---
Ich könnte z.B. keinen Job kriegen weil ein anderer Bewerber gesünder ist.
--- Ende Zitat ---
Wenn dein Diabetes da tatsächlich eine Einschränkung darstellt wäre das rechtens. Ansonsten nicht. Wieso befürchtest du das aber nicht jetzt schon? Deine KK weiß ja von deinem DM. Und die könnte das ja auch an Banken und Versicherungen weitergeben.
Nachtrag:
Mir ist gerade mal aufgefallen, daß dich meine Fragen ja schon ganz schön in die Ecke drängen könnten. Wie du sicher schon erkannt hast teile ich deine Befürchtungen nicht. Wenn das mein gutes Recht ist, dann ist es ebenso dein gutes Recht diese Befürchtungen doch zu haben und es steht mir nicht zu, darüber zu urteilen. Nimm es mir bitte also nict allzu übel :verlegen:
Und auch wenn ich der Meinung bin, daß dieser Arzt das Recht hat für seine Dienstleistung eine angemessene Entlohnung zu verlangen, so finde ich dennoch die Art und Weise äußerst ablehnungswürdig. Würde das einer mit mir machen wäre ich da schneller wieder raus als ich reingekommen bin. Natürlich nicht, ohne der zuständigen KV das Ganze zu schildern.
Joerg Moeller:
Danke, das ist mal ein sehr sinnvoller Beitrag.
--- Zitat von: dingo1 am August 18, 2007, 10:10 ---
- DMP ist medizinisch sinnvoll
- DMP ist datenschutzrechtlich fragwürdig
- DMP bringt dem behandelnden Mediziner Papierkram und Geld
- DMP bringt für Informierte keinerlei Vorteile
- DMP bringt für Betroffene den Verlust über die Kontrolle der Labordaten
- DMP kommt vom Gesetzgeber
- DMP wird in Zukunft wegen Morbi-RSA anders gewichtet
- DMP ist freiwillig (auch, wenn andere hier derzeit was anderes sagen)
Ich bitte um Ergänzung...egal, ob pro oder contra.
--- Ende Zitat ---
- DMP beinhaltet das Recht auf Schulungen
- DMP bringt den weniger gut Informierten den Sicherheit eines allgemeinen Standards
- DMP wird leider nicht von jedem Arzt gleich gut umgesetzt
- DMP wird von manchen Ärzten als Druckmittel gegenüber den Pat. eingesetzt
- DMP kann vom Pat. als Druckmittel gegen seine Krankenkasse eingesetzt werden
bitte um weitere Stichpunkte ergänzen, falls euch noch was einfällt
tobgrob:
--- Zitat von: Jörg Möller am August 18, 2007, 11:55 ---
bitte um weitere Stichpunkte ergänzen, falls euch noch was einfällt
--- Ende Zitat ---
- DMP ist nicht dazu geeignet, evidenzbasierte Medizin zu befruchten.
Dazu sind die methodischen Schwächen viel zu eklatant.
Damit erreicht DMP das ursprüngliche Ziel in keiner Weise, es ist, im Gegenteil, eher kontraproduktiv.
In einer Umgebung, in der nach Budgetgesichtspunkten Medizin betrieben wird, können gewonnene Erfahrungen keine Leitlinie für die Zukunft, geschweige denn für den Fortschritt, sein.
DMP ist allenfalls ein bürokratischer Moloch, der datenschutztechnisch fragwürdig ist. DMP bringt dem aufgeklärten Patienten kaum etwas, der kann seine Untersuchungen auch ohne DMP einfordern. Dem nicht informierten Patienten bringt das auch nur theoretisch was, denn in der Praxis knicken die KK unter der Darenflut ein und fordern den Patienten nicht zeitnah auf, sich den Untersuchungen zu stellen falls diese versäumt wurden.
DMP ist ein Selbstläufer, ein Programm, das es um seiner selbst willen gibt und für den Patienten die Leckerlis in Form von Vergünstigungen bereitstellt.
Ehrlicher wäre ein Programm, das einerseits anonymisiert Daten bei Ärzten einfordert und das unabhängig von Patientenunterschriften. Und das den Patienten ausgebildete Coaches an die Seite stellt, die in Kooperation mit den Patienten deren Lebensqualität und deren medizinische Versorgung fördert. Wie DMP nun gestaltet ist, ist der koordinierende Arzt in der Zwickmühle. Optimale und moderne Medizin kollidiert u.U. mit Budgetvorgaben. Wieso soll er bereit sein, sein Einkommen um der Patienten Wohl zu opfern? Wenn bei cat ein Exemplar dieser Gattung wegen 25 Euro im Monat den Hippodingens Eid brechen mag.
tobgrob:
In Ergänzung:
Die DMP Patienten aus dem Budget herausnehmen wäre eine Variante.
Oder dem Patienten im Budget alle Ansprüche auf moderne Medizin zu sichern.
Dann muss sich der Doc entscheiden: 25 Euro/Monat für den DMP Krempel kassieren, dafür aber einiges wegen der Malus Regelung verlieren. Oder DMP gar nicht erst anzubieten.
Velleicht wird das Einscheiben ins DMP für den Doc dann weniger attraktiv. Aber dafür für den Patienten umso mehr.
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