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Neulich beim Diabetologen

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Joerg Moeller:

--- Zitat von: Willy_Wuff am August 15, 2007, 19:19 ---
Ihm selber währe es ziemlich egal, denn er würde zwar auch eine Pauschale bekommen, aber die würde wenn er freundlich rechnet gerade seinen zusätzlichen Verwaltungsaufwand decken. Ihm währe es also ziemlich egal.

--- Ende Zitat ---


Genau das hat meine auch gesagt. Und er war dann ganz froh, daß ich meine Diabetologen als DMP-Azt gewählt habe.

Mir ist aber beim Lesen hier im Thread aufgefallen, daß die Versorgungsqualität durch das DMP ziemlich auseinandergeht. Ich hatte z.B. im Juni einen DMP-Termin verschwitzt. Das fiel mir erst jetzt im August wieder ein und ich hab einen neuen Termin ausgemacht. Ich hatte eigentlich gedacht, daß sich die Praxis dann bei mir meldet... :kratz:

Bei mir wurde auch bisher noch keine Fußuntersuchung gemacht. Wenn ich da zum Termin auflaufe gebe ich meine Laborwerte ab (weil ich die beim HA machen lasse), stelle mich auf die Waage, kriege Bauchumfang und Blutdruck gemessen, einen neuen Termin und das war`s dann.

cat:
Hallo Jörg!


--- Zitat von: Jörg Möller am August 16, 2007, 13:32 ---
Also jetzt steh ich ein bißchen auf dem Schlauch :kratz: : Wieso trifft es dann auf deinen Arzt nicht zu? Sind 2000 Diabetiker für 2 Ärzte nicht 1000 Diabetiker pro Arzt?
--- Ende Zitat ---


Jetzt steh ich auf dem Schlauch ???. Jeder Arzt hat rechnerisch 1000 Diabetes-Patienten pro Quartal. Die sollte er doch haben dürfen, oder nicht? Wenn er das Maximum erreicht, soll er dann die Weiterbehandlung seines bestehenden Patientenstammes ablehnen und dafür neue Patienten aufnehmen? Oder ist die Empfehlung eher so, dass er keine neuen Patienten mehr annehmen und die bisherigen Patienten weiterbehandeln soll? Falls es so ist: wieso sollte er mich dann als langjährig bestehende Patientin ablehnen dürfen? Hast du zufällig einen Link zu der Empfehlung damit ich die mal nachlesen kann? Vielleicht verstehe ich dann etwas besser was du meinst. :kratz:




--- Zitat ---Okay, aber was könnte dir dann dadurch passieren?
--- Ende Zitat ---


Ich könnte z.B. keinen Job kriegen weil ein anderer Bewerber gesünder ist.

Oder Banken könnten mir Kredite verweigern, weil sie Angst hätten, dass ich vor der Rückzahlung abkratze oder dass ich nicht lange genug arbeitsfähig bin um das Geld für die Rückzahlung zu verdienen.

Es könnte sein, dass ich keine Versicherungen mehr abschließen könnte. Es stellen nicht alle Versicherungen Gesundheitsfragen, aber wenn mein Name mit zugehörigen Krankheitsdaten in einer zentralen Liste von Versicherungen landet, könnte ich pauschal abgelehnt werden.




--- Zitat --- Das wäre ein eindeutiger Verstoß gegen das Datenschutzgesetz und da würden eine Menge Köpfe rollen. Du glaubst nicht wirklich, daß sich ein Unternehmen auf ein so fragwürdiges Pferd setzt, oder?
--- Ende Zitat ---


Es ist vor 2,5 Jahren schon einmal vorgekommen, dass eine deutsche Datenstelle die ihr anvertrauten 20.000(!) Datensätze ins Ausland transferiert hat, entschlüsselt und für jedermann lesbar natürlich. Das war damals nicht wirklich erlaubt, aber das hat die Firma kein bißchen gejuckt. Ob es mittlerweile sogar erlaubt ist, weiß ich nicht. Der Witz an der Sache ist, dass die deutschen Datenschutzgesetze im Ausland nicht greifen. Die Firma im Ausland kann mit den Daten machen was sie will. :moser: Wenn es das vor gar nicht so langer Zeit schon einmal gegeben hat, wer garantiert mir, dass dies nicht wieder vorkommt?



--- Zitat --- Falls ja würde ich gern bei dieser AG-Schufa anfangen: ich hätte dann einen kündigungssicheren Job mit 26 Wochen Urlaub pro Jahr und 5.000 Euro netto im Monat.
(Andernfalls würde mein Chef nämlich riskieren, daß ich ihn anzeige, seine Firma den Bach runtergeht und er ein paar Jahre gesiebte Luft atmet)
--- Ende Zitat ---


Dazu müsstest du ins Ausland ziehen. Ob du dort natürlich solche Forderungen erfüllt bekommst, halte ich für fraglich. Deinem Chef mit Anzeige drohen dürfte nicht viel bringen, wie gesagt, im Ausland greifen die deutschen Datenschutzgesetze nicht. Bei der deutschen Firma ist damals anscheinend Strafanzeige gestellt und ein Verfahren eröffnet worden, aber ob jemand verurteilt wurde, kann ich dir leider nicht sagen weil ich dazu keine Quellen finde. Aber ich könnte mir vorstellen, dass man, wenn wirklich eine Menge Köpfe gerollt wären, auch etwas davon gehört hätte. :gruebeln:



Hallo Frank!

Danke für deine Schätzung wie viel so ein Praxisbetrieb ungefähr kosten dürfte. Ich habe übrigens auch auf knapp 30.000 Euro geschätzt. Da würden dann noch ca. 10.000 Euro pro Arzt übrig bleiben, aber die Praxis hat selbstverständlich auch Privatpatienten und sie können auch nach EBM abrechnen. Da würde ich noch mal mit mindestens 5000 Euro Gewinn pro Arzt rechnen. Mit solchen Rechnungen komme ich auf allerdings auf gar keinen Fall auf ein Nettogehalt von unter 1.000 Euro. Die meisten Studenten (ich auch) haben deutlich weniger Geld im Monat. Im Prinzip ist es mir egal wie viel er wirklich verdient, ich würde es ihm ja gönnen, aber er ist doch recht weit vom Existenzminimum entfernt, ich dagegen nicht. Außerdem sollte er als Selbstständiger den Begriff Mischkalkulation kennen. Deswegen kann ich immer noch nicht verstehen, warum er auf meine erpressten 75 Euro im Monat angewiesen wäre.


Schönes Wochenende! :zwitscher:


tobgrob:

--- Zitat von: cat am August 17, 2007, 22:04 ---
Hallo Frank!
[...]
Da würde ich noch mal mit mindestens 5000 Euro Gewinn pro Arzt rechnen.
[...]
--- Ende Zitat ---


Hallo cat,
Jo, für weniger sollte der sich den Job auch nicht antun. Davon muss er persönlich noch Steuern abdrücken und seine soziale Sicherheit selber finanzieren. Das verdient jeder Akademiker in der Wirtschaft auch als Angestellter nach ein paar Jahren.  Risikoärmer.
Ist also nix Anstößiges. Wirst du, den richtigen Job vorausgesetzt, ein paar Jahre nach dem Studium auch haben.


--- Zitat von: cat am August 17, 2007, 22:04 ---
[...]
Im Prinzip ist es mir egal wie viel er wirklich verdient, ich würde es ihm ja gönnen, aber er ist doch recht weit vom Existenzminimum entfernt, ich dagegen nicht. Außerdem sollte er als Selbstständiger den Begriff Mischkalkulation kennen. Deswegen kann ich immer noch nicht verstehen, warum er auf meine erpressten 75 Euro im Monat angewiesen wäre.
[...]
--- Ende Zitat ---


Na ja, Erpressung ist das ja nicht. Er sagt dir, unter welchen Bedingungen er dich behandeln will. Der Aldi erpresst dich ja auch nicht, nur weil er an der Kasse einen halben Euro für den Joghurt kassiert. Die Aldi Brüder wüden auch ohne die 50 cents nicht unter das Existenzminimum rutschen. Das ist also ein denkbar schlechtes Argument.

Im Klartext: Auf die 75 Euro ist er nicht angewiesen, er will sie nur haben, weil er die bekommen kann. As simple as that.
Für dich ergeben sich 2 Alternativen:
Entweder du suchst dir einen neuen Doc, könntest aber auf ein ähnliches Problem stoßen.
Oder du suchst dir einen Allgemeinmediziner der dich an einen Dia Doc überweist. Dann ist der Dia Doc eh aus der DMP Nummer raus, du sagst dem eben, dass du das mit dem Allgemeinmediziner durchkasperst.

Für mich wäre dein Dia Doc für eh gestorben. Ich habe einer Praxis bei uns den Rücken gekehrt, weil die Mädels beim Empfang pampig waren. Aber in meiner Gegend gibt es auch etwa 6 Schwerpunktpraxen in wenigen Kilometern Umkreis. Da habe ich Glück.

Grüße
Frank

cat:
Hallo Frank!


--- Zitat von: tobgrob am August 17, 2007, 22:42 ---
Jo, für weniger sollte der sich den Job auch nicht antun. Davon muss er persönlich noch Steuern abdrücken und seine soziale Sicherheit selber finanzieren. Das verdient jeder Akademiker in der Wirtschaft auch als Angestellter nach ein paar Jahren.  Risikoärmer.

--- Ende Zitat ---


Risikoärmer mögen andere Jobs in der Wirtschaft vielleicht sein (wobei meiner Meinung nach Selbstständigkeit = Selbstständigkeit ist), aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die meisten Akademiker in der Wirtschaft nach ein paar Jahren mindestens 15.000 Euro pro Monat verdienen. Sicher, die Steuern dürften nicht gerade wenig sein, aber er dürfte vermutlich trotzdem weit mehr als der Durchschnitts-Akademiker übrig behalten.



--- Zitat ---
Na ja, Erpressung ist das ja nicht. Er sagt dir, unter welchen Bedingungen er dich behandeln will.

--- Ende Zitat ---


Ein Bankräuber erpresst die Angestellten also auch nicht, er sagt ihnen nur unter welchen Bedingungen er sie am Leben lässt? :gruebeln:



--- Zitat ---Der Aldi erpresst dich ja auch nicht, nur weil er an der Kasse einen halben Euro für den Joghurt kassiert.

--- Ende Zitat ---


Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. :zwinker: Auf Joghurt kann ich verzichten, auf Insulin nicht.
Das Recht zu bestimmen, unter welchen Bedingungen ein Arzt seine Patienten behandeln will, haben nur Privatärzte, nicht die Kassenärzte! Und selbst die Privatärzte sind an eine Gebührenordnung gebunden. Phantasiepreise dürfen die auch nicht verlangen.
Mit Beantragung der Kassenzulassung verpflichtet sich jeder Arzt zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung um dadurch eine ausreichende und notwendige Patientenversorgung auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen sicherzustellen. Soll heißen: Leistungen, die im Leistungskatalog der Krankenkassen aufgeführt sind, muss er über die GKV-Krankenkarte abrechnen. Nur Leistungen die darüber hinausgehen, darf er privat abrechnen. Wenn er nicht damit zufrieden ist, was die Krankenkassen bezahlen, müsste er eigentlich die Kassenzulassung zurückgeben, damit ein anderer Arzt den Sicherstellungsauftrag übernehmen kann. Kassenzulassungen werden nämlich nach der Versorgungslage vergeben, es bekommt lange nicht jeder Arzt, der eine Kassenzulassung haben will, auch eine solche. Im Gegensatz dazu, können in jeder noch so kleinen Straße 20 Aldis, 19 Lidls, 21 Plus und 16 Pennys (hab ich jemanden vergessen?) nebeneinander aufmachen.



--- Zitat ---Für dich ergeben sich 2 Alternativen:
Entweder du suchst dir einen neuen Doc, könntest aber auf ein ähnliches Problem stoßen.
Oder du suchst dir einen Allgemeinmediziner der dich an einen Dia Doc überweist.

--- Ende Zitat ---


Wie gesagt, es gibt keine Alternativen. Und, wie gesagt, er nimmt mich auch nicht auf Überweisungsschein. Den hat er die letzten Jahre verlangt, aber jetzt geht das nicht mehr, sondern nur noch als Mitglied im DMP. Sonst würde sich die Situation für mich doch gar nicht ändern!


Nochmal schönes Wochenende!  :zwitscher: :zwitscher:

dingo1:
hi:)

Wollen wir mal schauen, was wir bisher haben...

- DMP ist medizinisch sinnvoll
- DMP ist datenschutzrechtlich fragwürdig
- DMP bringt dem behandelnden Mediziner Papierkram und Geld
- DMP bringt für Informierte keinerlei Vorteile
- DMP bringt für Betroffene den Verlust über die Kontrolle der Labordaten
- DMP kommt vom Gesetzgeber
- DMP wird in Zukunft wegen Morbi-RSA anders gewichtet
- DMP ist freiwillig (auch, wenn andere hier derzeit was anderes sagen)

Ich bitte um Ergänzung...egal, ob pro oder contra.

Derzeit überwiegt für mich der Nachteil der Preisgabe der geschützten Labordaten sowie
der Sinn des Gesetzgebers im Verhältnis zur Vergütung des Programms.

mfG
dingo1

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