Diabetesfragen > CSII - Pumpentherapie

Anpassung der Basalrate

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Joa:

--- Zitat von: Corinna am April 02, 2007, 22:43 ---
Ist denn Dawn nicht eher ein Phänomen, das in den frühen Morgenstunden auftritt? Die genaue Definition weiß ich nicht...

--- Ende Zitat ---


Moin, moin,

vorhin wieder von der Insel, in diesem Fall Langeoog, zurückgekehrt, möchte ich die Gelegenheit ergreifen gepflegtes Halbwissen, gepaart mit dunkler Erinnerung, einzuflechten.

Das Dawn Phänomen läuft afaik insbesondere in zwei Wellen. Diese beiden Wellen korrespondieren mit Hormonausschüttungen, wobei da insbesondere die Wachstums und Sexualhormone eine Rolle spielen. Im Krankheitsfall, das kann auch ein subakuter Virusinfekt sein, gibt es als Schmankerl noch was aus der Kortisonabteilung dabei.

Das Ganze geschieht sowohl hinsichtlich des Tages-, als auch hinsichtlich des Lebensabschnittes biorhythmisch.

Bezogen auf den Tagesablauf korrespondieren die Ausschüttungen mit dem Einschlafzeitpunkt, hinsichtlich des Lebenslaufes mit dem Alter.

Alle drei Hormonkategorien wirken kontrainsulinär, d. h. sie sind mit ihrem Auftreten darauf angewiesen, einen ausreichenden Insulinspiegel vorzufinden.

Ist dieser nicht vorhanden, bewirken diese Hormone eine in der Biochemie gründende zellkernbedingten Insulinresistenz *in* der Zelle.
Bis sich der daraus resultierende BZ-Anstieg messbar darstellt, mag es ein wenig Zeit brauchen. Dieser braucht dann allerdings eine +++ Menge an Insulin um einigernaßen in den Griff zu gelangen. Auch noch mit der vorhersehbaren Folge der steilen Talfahrt der BZ-Kurve, wenn die Resistenz abgeklungen ist.

Daher geht man bei der nächtlichen Basalratenkorrektur mit einer relativ seichten Erhöhung der Dosis vor dem Erscheinen der Resistenzauswirkung, dem BZ-Anstieg, ran. Eben um den Hormonen das benötigte Insulin zur Verfügung zu stellen. Gut ist es natürlich zu ahnen, wann die Ausschüttungen zu erwarten sind.

Gruß
Joa


Llarian:

--- Zitat von: Joa am April 03, 2007, 22:06 ---
Das Dawn Phänomen läuft afaik insbesondere in zwei Wellen. Diese beiden Wellen korrespondieren mit Hormonausschüttungen, wobei da insbesondere die Wachstums und Sexualhormone eine Rolle spielen. Im Krankheitsfall, das kann auch ein subakuter Virusinfekt sein, gibt es als Schmankerl noch was aus der Kortisonabteilung dabei.

--- Ende Zitat ---

Kortison ist immer morgens dabei, aber nicht beim nachmittäglichen Dusk. Ansosnten ACK.

Grüße
Anja

Adrian:

--- Zitat von: Llarian am April 04, 2007, 00:25 ---

--- Zitat von: Joa am April 03, 2007, 22:06 ---
Das Dawn Phänomen läuft afaik insbesondere in zwei Wellen. Diese beiden Wellen korrespondieren mit Hormonausschüttungen, wobei da insbesondere die Wachstums und Sexualhormone eine Rolle spielen. Im Krankheitsfall, das kann auch ein subakuter Virusinfekt sein, gibt es als Schmankerl noch was aus der Kortisonabteilung dabei.

--- Ende Zitat ---

Kortison ist immer morgens dabei, aber nicht beim nachmittäglichen Dusk. Ansosnten ACK.

Grüße
Anja

--- Ende Zitat ---


Hm, ist es nicht besonders (fast ausschließlich) Hydrokortison (Cortisol?), was am Morgen mitspielt. Die Wachstumshormone sinds doch recht am Anfang des Schlafts?

LG|Adrian

dingo1:
hi:)

>aber das Verhältnis 0,1 zu 3 ist doch recht groß, ich wäre als Arzt da etwas mutiger gewesen..

tja, was soll man da sagen? Ich wiederhole nochmal, dass lineares skalieren so nicht klug ist, da vermutlich
die Ursache woanders liegt. Draufhauen und regeln geht beim Bolus auf funktionierender Basalrate.
Bei suboptimaler Basalrate hingegen fallen die Fehler messbar im Blutzucker leider meist zeitverzögert
auf, wenn man sich Ursache und Wirkprofil gegeneinander anschaut.

Mit dem Insulin kann man ohne Wissen immer nur nach Wirkprofil agieren. Das ist halt linear über oft
recht komplexe Vorgänge weggebürsten und meist nicht kausal:(

>Was mir eigentlich zu denken gibt ist eher die Zeitspanne 3h vorher

Nö, der haut da kausal was platt, da er mehr kennt als die hier geschilderten Daten und die wenigen
Kontrollwerte.

>Wäre nicht schlecht, wenn Du mal Deine Basalrate aufführen könntest mit entsprechenden BZ Werten vor und
>nach der Änderung...

jepp, mal sehen, wann und wie hoch die Sprünge der BR sind;)

>Die Fettzellen/Den Fettstoffwechsel zubremsen, dass nicht übermäßig freie Fettsäuren ausgeschüttet werden,
>was Insulin _über_längeren_Zeitraum_ schlechter wirken lässt (Resistenz).

halte ich als Spontanschnellschuss für am wahrscheinlichsten für die ungewohnte Anpassung

>Bezogen auf den Tagesablauf korrespondieren die Ausschüttungen mit dem Einschlafzeitpunkt,

hierzu hätte ich mal folgende Frage:

gibt es hier 1-er mit Pumpe und regelmässiger 3-Schicht-Erfahrung, die quasi 3 Basalraten über
längere Zeit genutzt haben? Oder doch "nur" 2-Schicht, da quasi Früh-/ und Spätschicht vom
Schlafablauf gleich und nur Arbeit/Freizeit verdreht war?

mfG
Dingo1

Joa:

--- Zitat von: dingo1 am April 05, 2007, 00:15 ---

tja, was soll man da sagen? Ich wiederhole nochmal, dass lineares skalieren so nicht klug ist, da vermutlich
die Ursache woanders liegt.

Draufhauen und regeln geht beim Bolus auf funktionierender Basalrate.

Bei suboptimaler Basalrate hingegen fallen die Fehler messbar im Blutzucker leider meist zeitverzögert
auf, wenn man sich Ursache und Wirkprofil gegeneinander anschaut.

--- Ende Zitat ---


Soweit ack.

Im Normalfall, denke ich mal, geht es entweder um hormonbedingte Resistenzen, oder um Resistenzen,
die durch freie Fettsäuren (FFS), in Folge eines basalen Insulinmangels für den Glucosehaushalt der Zellen, bedingt sind.

Bei der letzteren Resistenz lässt sich die A-B-C Korrektur prima anwenden. Vorhergehend reicht ggf. schon eine
rechtzeitig einsetzende und recht milde Erhöhung der Basalrate, um die Dynamik der Entwicklung einer Übersäuerung abzufangen.
Der Chef meinte, glaub ich zu entsinnen, dass die FFS Resisten schon ca. 3h zum Wirkeinsatz bräuchte (ich täte vielleicht ein wenig unterbieten wollen).

Bei der durch Hormonschübe verursachten Folgeresistenz, sofern diese Hormonschübe nicht ausreichend durch Insulin gedeckelt sind,
ist die ggf. deutliche Anhebung der  Insulinzufuhr wohl merklich zeitnäher am Erscheinen der Hormone zu sehen. Bis hin zu parallel dazu (siehe Aufstehphänomen).

Spannend wird die Sache, wenn der eine Insulinmangel mit dem anderen zusammentrifft.  :kratz:

Was mir da allerdings nicht so recht klar ist, ist die Frage, ob eine für den Glucosehaushalt stimmige Basalversorgung an Insulin von hormonellen Insulinbedarfen reduziert wird, so dass letztlich eine Lipolyse angestoßen werden kann?  :kratz: :kratz:

Glaub ich aber eigentlich nicht, so nach Gefühl, Wellesnchlag und Erfahrungswerten.

Ich gehe da eher davon aus, dass der Glucosehaushalt sich primär bedient und den sonstigen Hormonbedarfen dann wenig Insulinbedarf überlässt.

Die nicht gedeckten Hormonbedarfe bringen natürlich ihre (eigene) Resistenz hervor, aber i. d. R. nicht so langwierig, wie die innerzelluläre FFS-Resistenz aus der Lipolyse.

Es sei denn, sie werden nachgehend nicht ausreichend mit Insulin bedient, und das recht massiv, so dass sich die Lipolyse in der Folge einer hormonell verusachten Resistenz nachgehend einschleicht.

Gibt es weitere Gedanken zum Thema?


--- Zitat ---
hierzu hätte ich mal folgende Frage:

gibt es hier 1-er mit Pumpe und regelmässiger 3-Schicht-Erfahrung...

--- Ende Zitat ---


Kann ich (zum Glück) nicht mit dienen.

Allerdings habe ich im Ohr, dass der 3-Schichtbetrieb für Diabetiker kaum wirklich befriedigend zu handeln sei.
Vermutlich mit zunehmendem Alter eher ein Stück besser, weil dann der biorythmische Störfaktor der Hormone nachlässt.

Gruß
Joa

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