Autor Thema: Nüchtern BZ  (Gelesen 270 mal)

Offline Kladie

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Nüchtern BZ
« am: August 30, 2026, 11:40 »
Hallo zusammen,

Vor 4 Wochen bin ich umgezogen und musste mir entsprechend einen neuen Diabetologen suchen. Den ersten Besuch bei ihm habe ich nun hinter mir und habe eine Frage dazu:

Er hat mir Blut abgezapft um einen Eindruck von mir zu bekommen weil meine mitgebrachten Blutwerte und Informationen ihn etwas irritierten. Sie waren ihm einfach zu gut und er zweifelte an der Notwendigkeit Insulin zu nutzen. Glücklicherweise konnte ich ihn aber überzeugen, dass ich wirklich Diabetiker bin und bei mir Tabletten nicht angesagt sind.
Außerdem zweifelte ich daran, dass der von ihm gemessene BZ aussagefähig ist weil ich nicht nüchtern war. Ich denke, der BZ tagsüber ist mehr zufällig weil es mehr darauf ankommt wann, wieviel und was gegessen - und wieviel Insulin gespritzt wurde. Seiner Meinung nach wäre nüchtern irrelevant und er misst den BZ unabhängig davon ob ich nüchtern bin oder nicht. Ich könnte meinen BZ vermutlich auf einen von mir gewünschten Wert einstellen und dann wäre er sinnlos.

Nun meine Frage: Ist das auch die Meinung anderer Diabetologen? ...und was sagt ihr dazu?

Damit stellte ich mir nämlich die Frage, ob der Nüchtern BZ überhaupt eine Aussagekraft hat... Ich zog ihn bisher immer heran für die Dosierung meiner Basalmenge, die ohnehin meinen BZ tagsüber nur marginal beeinflusst.

Offline Gyuri

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Re: Nüchtern BZ
« Antwort #1 am: August 31, 2026, 01:08 »
Ich weiß nicht, wie andere Diabetologen darüber "philosophieren"  :banane:
Mir wurde das noch nie erzählt, was aber nicht viel bedeuten muss.

Unsere Diabetologin hat uns zuletzt Decxon G7 verschrieben und nimmt IMMER unsere Daten aus Clarity  als Grundlage bei Besprechungen.
Also nix von wegen Blutzuckermessungen in der Praxis, schon garnicht wenn meine Hausärztin DMP-Laborwerte vorlegt. Ich glaube, in der Praxis wird wenn überhaupt, dann nur in Schulungen blutig gemessen. Wer mit ICT arbeitet bekommt sowieso ein G7 oder was gleichwertiges verpasst.

Ganz nebenbei: Ich würde es mir nicht gefallen lassen, wenn ein Diabetologe "aus Prinzip" an meinem über viele Jahre bewehrten Diabetes-Management rumschrauben wollte. Bei einer Diabetologin meiner Frau gab es da gehörig Krach (längere Geschichte) und wir wechselten zu meinem Diabetologen, der mir  (ohne die Kollegin anzugreifen) einfach so weiter machte, wie wir es für richtig hielten.

So, nun zum Nüchternzucker, wie ich ihn handhabe:
Das wird bei G7 ganz einfach mit einem Ereignis protokolliert. Dexcom schreibt dazu nur eine feste Regel. Vor der Nüchternzucker-Messung darf man mindestens 8 Stunden keine Nahrung zu sich nehmen!
Den Zielwert kann man sich selbst bestimmen, jedoch kann das dann der behandelnde Arzt in seinem Clarity anders einstellen.  :gruebeln:
Da nicht nur bei Dexcom der allgemeine Zielbereich (Empfehlung für Typ1 und Typ 2) zwischen 70 bis 180 mg/dL liegt, Lege ich den Nüchternzielwert imn die Mitte auf 125mg/dL … was andere macen ist mir egal. :baeh:


So sieht das dann bei mir Dexcom-Bericht über 14 Tage (!) aus.
In den letzten 14 Tagen konnte ich wegen der 8h-Regel nur 4 mal einen Nüchternzucker aufschreiben und 75%(=3x) war ich unter meiner 125er Grenze.
In den letzten 90 Tagen hatte ich 49 Messungen bei 80%.

So, wenn jetzt meine Diabetologin der Meinung wäre, Der Zielwert müsse bei 100 mg/dL liegen  :rotwerd: dann würde sie an meiner Startegie genauso nichts ändern … glaube ich jedenfalls.  :wech:

Man kann alle einzelnen Ereignisse eines jeden Tages in einer Liste sehen, natürlich auch den Nüchternzucker, der dort in der Ereignis-Spalte  mit "Fasten" bezeichnet wird.


Wenn ich mir die Sätze so auf der Zunge zergehen lasse:
Zitat
… Seiner Meinung nach wäre nüchtern irrelevant und er misst den BZ unabhängig davon ob ich nüchtern bin oder nicht. Ich könnte meinen BZ vermutlich auf einen von mir gewünschten Wert einstellen und dann wäre er sinnlos. …
:patsch: Wie sinnvoll ist es denn, einen nicht definierbaren Wert als Grundlage für weiteres Vorgehen zu wählen?
Und:
Geht er davon aus, von seinen Patienten betrogen zu werden?  :kreisch:

Nun ja, wenn ich wollte, könnte ich auch Super-Frühwerte als Nüchternwerte in die Ereignisliste aufnehmen, obwohl keine 8 Stunden Fastenzeit eingehalten wurden.  :heilig:

Aber damit wäre mir ganz sicher nicht geholfen. :balla:


Nachtrag:
Im oberen Bild zeigte ich auch meine PP-Werte 2h nach dem Essen.
Die haben nur wenig Aussagekraft, weil ich die eingegebenen Gramm KH nur selten mache. Meine Frau trägt nie was ein, weil sie zwar die KEs vorher abschätzt (mehr schlecht als recht) und entsprechen nach Faktor mit dem Novo 6 spritzt und einliest, dann aber nicht weiß, wieviel KEs zusammen gekommen sind. Aufgrund der Insulineinheiten (und den Faktoren) kann man nur auf die vorab geschätzten KEs schließen.
Gruß vom Gyuri  :banane:
„Miss alles, was sich messen lässt,
und mach alles messbar,
was sich nicht messen lässt.“

Archimedes

Offline Kladie

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Re: Nüchtern BZ
« Antwort #2 am: August 31, 2026, 21:52 »
Hallo Gyuri,

interessante Betrachtungsweisen....

Unser Vorgehensweise sind so grundverschieden dass das vermutlich zu Missverständnissen führen könnte. Ich spritze eigentlich nur, um meine Betazellen zu unterstützen damit diese den BZ Stoffwechsel ganz normal durchführen können. (Mal mehr mal weniger und dadurch ist die genaue Menge gespritztes Insulin nicht so wichtig))

Ich kenne keine Faktoren, weil ich keine sinnvolle Möglichkeit sehe einen zu bestimmen. Morgens kann ich so viel spritzen wie ich will und senke meinen BZ die erste halbe Stunde um kein einziges mg. Eher das Gegenteil durch das Aufstehphänomen. Wenn der BZ langsam anfängt zu sinken frühstücke ich. Durch try and error habe ich herausgefunden, dass 15 IE Fiasp eine geeignete Menge ist. Einen SEA von ca 30 - 45 Min kann ich vertreten und dann beginne ich mit dem Frühstück. Anschließend geht der BZ recht schnell hoch und wenn er die 140 mg/dl erreicht setze ich mich aufs Ergometer um ca 15 - 20 Min. den BZ zu verringern. Damit erhalte ich eine ziemlich geraden BZ-Verlauf bis zum Mittagessen.
Wie ich einen morgendlichen Faktor berechnen sollte erschließt sich mir nicht.

Aber der Nüchtern-BZ ist bei mir recht stabil bei etwa 100 mg/dl wenn ich Abends nicht zu sehr über die Stränge schlage (Abends um 22 Uhr noch Nudeln oder Pizza esse)  Dann habe ich durch Langzeitbeobachtung herausgefunden, dass 12 IE die geeignete Menge Basal ist. Ganz ohne Basal ginge es auch aber die Ausschläge des BZ tagsüber wären dann größer.

Du siehst unsere Vorgehensweisen sind nicht vergleichbar aber mein Arzt sagte mal, dass der HbA1c zu 70 - 80 % vom Nüchtern-BZ abhängt. Dementsprechend habe ich den immer im Auge gehabt.


Übrigens hat mein neuer Diabetologe den c-Peptid gemessen und mit 2,17 ng/ml gibt es bei mir fast so viel Eigeninsulin wie bei einem Nicht-Diabetiker. Es macht also schon Sinn die Betazellen durch Insulin vor Überlastung zu schützen.