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Der >8 Club…

Offline Kladie

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Hallo Floh,

Zitat
orginal Floh:
Dann gab es 25 I.E. Essensbolus und 50g KH (also 1 I.E. / 2g KH) ....

Wenn deine Frau ein Typ 1 wäre, würde ich dieses sagen:
Für mich gibt es nachts eine höhere Insulinempfindlichkeit als Tags (4 mg/dl/I.E. statt den 2 mg/dl/I.E. tags), einen vielleicht falschen Essensfaktor tagsüber, der sehr gut an der Fettsäureresistenz durch langes Fasten liegen kann.
wie Gyuri auch schon schrieb wird hier T1 und T2 gleich gesetzt, obwohl es zwei unterschiedliche Krankheiten sind.

1. Wenn noch Eigeninsulin produziert wird, ist ein Faktor so wie du ihn errechnest einfach nicht korrekt. Die Insulinmenge ist ja variabel - abhängig von der BZ Höhe.
2. Wird kein Eigeninsulin mehr produziert, so ist - bei so hohen BZ Werten wie bei Gyuris Frau - dies einer Stoffwechselentgleisung bei einem T1 gleichzusetzen und diese Situation ist auch für einen T1 eine Sondersituation. Ich bin mir nicht sicher, ob dabei solche errechneten Faktoren relevant sind.

Ich kann mich an meine Stoffwechselentgleisung erinnern: Jede Menge Kohlenhydrate steigerten zwar den BZ aber trotzdem holte sich der Körper seine Energie aus den Fettreserven und ich nahm ab. Es sah so aus als ob ich kein Insulin mehr produzieren würde, was aber mit Sicherheit nicht stimmte (fehlende Ketone im Blut). Damals galt ich zuerst auch als T1 und erst die fehlenden Antikörper machten mich dann zum T2. Damals gab es für mich keine Faktoren sondern Insulin nach Bedarf und Bauchgefühl bis ich aus der Entgleisung heraus war.


Online Floh

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Danke euch, deswegen frag ich ja.

Ich verstehe es immer noch nicht so ganz, aber ich will ja auch eigentlich nicht Gyuris Frau therapieren ;)

"Mehr Sport" kann ich mir als Ziel völlig vorstellen. Was schon ein kleines bisschen mit meiner Insulinempfindlichkeit anstellt ist wirklich beachtlich - aber wenn es nicht geht, geht es nicht. So traurig das ist, wer sich nicht bewegen kann, der hat diese Option schlicht nicht.

Ich persönlich würde dann vermutlich so einen Quatsch wie Elektrostimulation zumindest ausprobieren, aber nachdem das schon im Werbefernsehen kommt ... Wirkung vielleicht nicht ganz so, wie beschrieben.

Als Typ 1, der es nicht versteht, verzeiht mir dennoch die Frage: Was passiert denn bei mehr Insulin? Ich mein.. geht der Blutzucker gar nicht runter? Sind die Mengen einfach schmerzhaft? Ist das alles völlig unbeschreiblich unkontrolliert?


Offline Kladie

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Hallo Floh

Zitat
orginal Floh:
Als Typ 1, der es nicht versteht, verzeiht mir dennoch die Frage: Was passiert denn bei mehr Insulin? Ich mein.. geht der Blutzucker gar nicht runter? Sind die Mengen einfach schmerzhaft? Ist das alles völlig unbeschreiblich unkontrolliert?

Um die Frage aus meiner Sicht zu beantworten: Ja durch mehr Insulin kann der BZ gesenkt werden. Bei extremen Resistenzen muß aber so viel Insulin zugeführt werden, daß es sehr kritisch werden kann wenn die Wirkung dann doch zu stark ist. Leider ist eine Resistenz auch variabel und schlecht berechenbar.
Es ist auch nicht leicht zu beantworten ob und wieviel Eigeninsulin mitspielt. Diese Unsicherheit begrenzt die Insulinmenge zusätzlich. Es ist bei allen eine Balanceakt....

Für mich kann ich sagen, daß ich meine morgendliche Resistenz mit 25 IE und einem SEA von 60 - 90 Minuten im Griff habe. Dabei kann ich beobachten, daß der BZ die erste halbe Stunde so gut wie überhaupt nicht reduziert wird. (Ich könnte auch mehr spritzen mit dem gleichen Erfolg) Erst danach beginnt er ganz langsam zu sinken. Je mehr ich gespritzt habe umso schneller geht es dann. Bei 70 mg/dl habe ich dann noch etwa eine halbe Stunde Zeit bis es kritisch wird und ich mein Frühstück haben muß. Selbst bei etwa 40 mg/dl kann ich noch ohne Traubenzucker ganz normal frühstücken.
Ich bin absolut sicher wenn ich dem Spritzplan eines Diabetologen folgen würde (meiner hat es auch schon probiert) verschlechtern sich meine BZ Werte zusehens. Und dann kommt die Aussage: Ein HbA1c von <7% ist ja auch völlig ausreichend... Mir ist mein HbA1c von zur Zeit 5,5% jedoch viel lieber.


Online Floh

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Wobei deine Antwort (obwohl ich sie im Zusammenhang wichtig finde) die Problematik von oben ein klein wenig ignoriert.

Also soweit klar: Mehr Insulin senkt, wahrscheinlich erst relativ spät, dann aber möglicherweise zu weit. So sehe ich das als Typ 1 auch. Ich würde sogar sagen: erschwerend kommt noch hinzu, dass Bewegung im laufenden (erhöhten) Bolus den Absturz des Blutzuckers hervorrufen würde, normalerweise aber vielleicht einfach mit eingerechnet ist und alles gut geht.

Aber in deinem Fall reden wir eben von Hba1c 5,5% und einem eh schon stabil niedrigen Blutzucker. Ausgang meiner bestürzten Versuche "über das Internet und ohne Anamnese weitere 200 I.E. Insulin pro Tag zu verschreiben" war ja ein Hba1c von eher 10% und ein mittlerer Blutzucker auf dem Weg zu vierstellig, nicht zweistellig (jaja, ich übertreibe als Stilmittel).

Auch nach deiner Argumentation würde ich vermuten, dass du zunächst mehr Insulin versuchen würdest (sonst wäre da ja kein 25 I.E. Resistenz-Bolus sondern entnervtes Aufgeben). Seh ich das falsch?


Offline Kladie

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Hallo Floh,

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orginal Floh:
Auch nach deiner Argumentation würde ich vermuten, dass du zunächst mehr Insulin versuchen würdest (sonst wäre da ja kein 25 I.E. Resistenz-Bolus sondern entnervtes Aufgeben). Seh ich das falsch?

Es ist mir schon klar, daß ich zu Gyuris Situation keine abschließende Meinung habe. Auch richtig, daß alles nicht mehr auf mich zutrifft, da ich früh genug dagegen arbeiten konnte. Meine kräftige Resistenz habe ich noch heute aber ich scheue BZ Werte >160 mg/dl (ich agiere nur präprandial und nicht durch korrigieren mit zusätzlichem Insulin wenn der BZ postpradial zu hoch wird).
Übrigens sind die 25 iE kein Resistenz Bolus wie du schreibst sondern mein normaler Essensbolus mit Berücksichtigung der Resitenz. Den kräftigen BZ Anstieg nach dem Essen kann ich auch mit noch mehr Insulin nicht verhindern aber ich kann den BZ-Ausgangswert möglichst tief machen um die anschließende BZ Spitze zu begrenzen.

Ich habe nur versucht aufzuzeigen, daß es alleine nicht reicht, das Insulin immer weiter zu steigern und daß es kaum ausgerechnet werden kann, wieviel Insulin benötigt wird um eine bestimmte BZ-Höhe zu erreichen. Rein theoretisch stelle ich mir vor, daß die Resistenz so hoch werden kann, daß ein mehr oder weniger großer Teil des Insulins zerfällt bzw. vom Körper gar nicht verarbeitet wird ehe es wirken kann. Dann hilft auch kein zusätzliches Insulin mehr richtig. Wie Gyuri schon schreibt hilft ihm wirklich nur klotzen - wenn überhaupt.
Bei Gyuris Frau ist es ja so, daß sich auch ohne essen der BZ bis zu 2 Stunden kaum verändert wenn Insulin gespritzt wurde. Das würde (bei einer Wirkdauer von ca 4 Stunden) entsprechend bedeuten, daß nur die Hälfte des Insulins zur BZ Senkung verwendet wird.
Schon bei mir schlägt der Diabetologe die Hände über dem Kopf zusammen wenn ich erkläre, 25 IE zu spritzen und erst 60 - 90 Min. später zu essen. Gyuri und ich lächeln darüber weil wir die Praxis kennen.

Ob das alles so stimmt kann ich nicht beweisen aber die Praxis sieht für mich so aus.


Hinerk

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Moin,
bei 25 IE und danach 75 Minuten ohne Kh, hätte ich eine Hypo mit Fremdhilfe Bedarf, so sind wir alle zur Freude unserer DiaDocs Einzelschicksale

MlG

Hinerk
Übrigens bei 25 IE würde ich eine Warnung erhalten.


Offline Kladie

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orginal Hinerk:
Hinerk
Übrigens bei 25 IE würde ich eine Warnung erhalten.

Von wem?


Offline Gyuri

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Ich WEISS dass ich nicht direkt was zu befürchten habe wenn ich mir 25 IE einverleibe und nichts mache. Ich bin dann halt aufmerksam, weiß mir aber immer zu helfen.
Meine Frau schläft viel und würde eine Hypo so kaum bemerken. Dennoch kann ich mir bei ihr einiges "erlauben" (nur dank des Libre-Messverfahren!  :super: )  was sich manche von euch wohl nie trauen würden, weil noch nie ausprobiert.
(…)
Gegen 4 Uhr spritzte ich 25 IE Actrapid (wie immer)
sie hatte da 328mg/dl (wie so oft)
ich ließ meine Frau weiter schlafen bis 8:30
und spritzte bei 243mg/dl 30 IE Fiasp (wie immer)
und kontrollierte um 9 Uhr noch mal… 257mg/dl
ich entschloss mich, das Frühstück ausfallen zu lassen,
bis 14 Uhr geschah aber nichts besonderes.
(…)
Wie gewohnt spritzen aber nichts essen hilft BEI MEINER FRAU jedoch am besten um von den extremen Werten (ich glaube bis über 350mg/dl) etwas weiter runter zu kommen - ca. 210mg/dl und immer noch "nüchtern".
55 IE ohne ein Gramm KH und in 10 Stunden ist nichts tragisches passiert.

Viel mehr spritzen traue ich mich aber nicht mehr, weil der Diabetologe davon abgeraten hat und weil ich weiß, dass dies überhaupt nichts bewirkt (außer vielleicht die ganzen unerwünschten Nebenwirkungen).
Gruß vom Gyuri

Alle sagten: Das geht nicht. :nein:
Dann kam einer, der wusste das nicht,
und hat's einfach gemacht. :ja:


Offline Andi

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Viel mehr spritzen traue ich mich aber nicht mehr, weil der Diabetologe davon abgeraten hat und weil ich weiß, dass dies überhaupt nichts bewirkt (außer vielleicht die ganzen unerwünschten Nebenwirkungen).

Nur eine Verständnisfrage:
Den nicht ganz so kleinen Bolus gibst Du in einer einzelnen Dosis, oder fraktionierst Du?


Offline Gyuri

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Das Fraktionieren haben wir beide schon ausprobiert. Ich konnte in den Verläufen keinen Unterschied feststellen.

Was wir aber immer noch machen:

Bei meiner Frau spritze ich zwangsläufig Actrapid und Fiasp getrennt - meist mit einem zeitlichen Abstand dazwischen, wenn ich aber verschlafe ( :rotwerd: ) schon mal kurz hintereinander. Und dann kann es natürlich auch passieren, dass eine Patrone geleert und ersetzt wird.

Ich spritze in der Früh "normal" 3 bis 5 IE Apidra und 30 IE Lantus (bei letzterem können es alle 10 Tage auch mal zwei Teile werden) und wenn ich verschlafe ( :rotwerd: ) spritze ich erst zum Frühstück mein Lantus wie immer und Apidra 18 IE auf einmal (weil die (3 bis 5) + (15 bis 13) wie sonst ergeben auch 18 IE).
Gruß vom Gyuri

Alle sagten: Das geht nicht. :nein:
Dann kam einer, der wusste das nicht,
und hat's einfach gemacht. :ja: