Diabetesfragen > Diabetes-Technik
Flash Glucose Monitoring
Gyuri:
--- Zitat von: Joa am September 09, 2014, 23:08 ---
--- Zitat von: Joerg Moeller am September 09, 2014, 11:46 ---Da wird wahrscheinlich jeder seine Präferenzen haben.
--- Ende Zitat ---
Zustimm. :ja:
(…)
--- Ende Zitat ---
Auch ich stimme da zu. Im Grunde sollte es ja andertsrum laufen. Zuerst sollte man sich fragen, was man denn aus seinem Tagesprofil herauslesen will und dann ergibt sich die Diagrammform daraus automatisch.
Leider begnügen sich manche auch nur mit "schönen Kurven" auch wenn sie keine Aussagekraft haben. Andere können von Haus aus mit Diagrammen wenig anfangen. Ich hörte mal von jemand, dass man aus einer Tabelle aus Zahlen besser lesen könne. :gruebeln: Hmmmm, na ich weiß nicht …
Weil mir die Vorgaben vor vielen Jahren alle nicht gefielen, habe ich mir meine Diagramme selbst erstellt, was mir keine großen Schwierigkeiten machte, weil es ein Teil meines Berufes war, Qualitätsaussagen mit Diagrammen bildlich darzustellen.
Ich zeige hier mal alte Tagesprofile, die aber im Prinzip immer noch so aussehen.
Hier habe ich einfach einige Profile aufeinander gelegt. Ich begnüge mich da auf insgesamt 9 Messungen je Tag.
Wie man sehen kann, kann man da nicht sehr viel sehen. :lachen: Erst die Statistik ermöglicht es ein System aus einem Zahlenfriedhof zu erkennen.
Ein entscheidender Unterschied zu den bisher gezeigten Diagrammen:
Ich arbeite NICHT mit dem Median weil ich von dem hier überhaupt nichts halte, sondern berechne jeweils den Mittelwert zu den einzelnen Ereignissen (oder Uhrzeiten).
Würde ich auf ein einzelnes Tagesprofil mit Korrekturen reagieren, könnte man die ganze Statistik vergessen, weil dann die Werte keiner Normalverteilung mehr entsprechen würden.
So schaue ich mir aber das Mittel meiner Tagesprofile über einen begrenzten Zeitraum an, in dem nahezu gleiche Bedingungen herrschten. Ich kann mir das leisten bzw. bei mir funktioniert das.
Ähnlich wie bei den blauen Bändern erstelle ich dann auch Streubereiche. Bei mir errechnen sie sich aber nicht aus den Extremwerten sondern aus der Standardabweichung. Warum? Das ist nicht so schnell zu erklären. Nur so viel vielleicht: Ausreißer werden so gefiltert.
Wenn ich jetzt weiß, welche Teile des Tagesprofils Nüchternwerten und welche PP-Werte darstellen, kann ich mir Gedanken machen, wo ich mit Insulin und BE (und Sport) etwas verbessern könnte. Dies ist mein einziger Grund, Tagesprofile zu betrachten. Inzwischen haben verschiedene Programme (mein Diabetologe arbeitet mit Diabass) sehr ähnliche Kurvendarstellungen.
Ein Wort noch zu Tortengrafiken. Es ist mir gleich, was andere davon halten. Bei politischen Wahlen mögen sie schon gut sein. Hier für Tagesprofile sind sie mehr als ungeeignet. Eine Torte setzt voraus, dass man Messwerte klassifizieren muss. Das sind "Häufchen", die mehr oder weniger willkürlich gesetzt werden. Begnügt man sich mit: zu niedrig, in Ordnung und zu hoch, hat man bei Werten um die willkürlich gesetzten Toleranzgrenzen ein undurchsichtiges Graufeld, welches Entscheidungen erschwert. Erhöht man hingegen die Klassenzahl (=Häufchen) wird die Torte unübersichtlich. Die einzig vernünftige Darstellungsart für Häufigkeiten ist das Histogramm. Hier zeigt sich in den allermeisten Fällen eine Glockenform, Gaußsche Verteilung nach dem Entdecker dieser Gesetzmäßigkeit benannt. Auch hier wird klassifiziert, jedoch nach mathematischen Regeln. Je mehr einzelwerte, desto mehr Klassen.
Hier habe ich meine Verteilung von mehreren Messwerten aufgezeichnet.
Dieses Diagramm zeigt mir an, wo die meisten meiner BZ-Werte liegen, wie häufig ich was messe und ob es Ausreißer gibt, die bei meiner Betrachtung aufgeklammert werden sollten.
Das sind also meine Tagesprofile. Wie schon gesagt arbeitet mein Diabetologe mit ganz ähnlichen Kurven. Wir haben meist eine sehr große Übereinstimmung. Nicht gezeigt habe ich den Langzeitverlauf. Hier geht es aber nur um das Tagesprofil.
Susanne:
--- Zitat von: Gyuri am September 10, 2014, 12:52 ---
Wie man sehen kann, kann man da nicht sehr viel sehen.
--- Ende Zitat ---
ok, nun oute ich mich einmal als hoffnungslos altmodisch:
GENAU mit so etwas kann ich gut umgehen. Das geht so einfach und schnell. Ich versuche einmal herzuschreiben wie ich so was betrachte, aber wie gesagt das geht in wenigen Sekunden. Also: Annahme, da ist ein Diabetiker den ich noch nicht kenne, erstes Treffen, grob mal über die Einstellung drüberschauen ist gefragt:
- Blick übers Ganze drüberschweifen lassen - keine Katastrophen, keine schweren Hypos, ok, abgehakt
- Nüchtern streuts ein bisschen sehr - hinterfragen, da wird man was tun können /müssen, - Basis? - siehe auch der Anstieg in den Morgenstunden, Weiter:
- Die Anstiege nach den Nüchtern-Werten sind NICHT abhängig von der Höhe des Nüchtern BZ ( interessant wegen Event Resistenzen aus der Nacht) ((und DAS zeigt mir kein "grafischer Standardtag" so klar und so schnell!!))
- mittags erstaunlich homogen - da arbeitet wohl jemand und hat ähnliche Belastungen vormittags - UND: da waren sicher Korrekturen um 08 30, die kommen recht schön
- 14 30 schaut nach "real life" aus, ( Essen sicher eingeschätzt? ) 18 00 wieder schön homogen, die Werte nahe beisammen - also Korrekturfaktor stimmt ganz sicher
- 20 30 interessant - unbedingt hinterfragen was da los ist - - andererseits ists abends meist am "unruhigsten"
- auch 23 h versteh ich nicht aufs erste - wurde da um 20 30 gegessen ? Meistens aber nicht immer?
- nachts einmal unter 60, sonst ganz gut - der Anstieg gegen in der Früh ist ja nicht zu übersehen, da müssen wir auf jeden Fall ran
- - und rein aus Neugier ( hat mit der Einstellung per se gar nichts zu tun) möchte ich, wenns im Gespräch passt, nach "Ausreißer-Tagen" fragen, da erfährt man oft Interessantes was der Diabetiker so neben der Arbeit macht, Hobbies, Künstlerisches, oder auch zB mehr oder weniger belastende Familenbesuche oder .. oder .. oder... ( hier der orange und event der in pink -- ach schau mal, das sind beides Freitage! ;-) )
... ins Detail, dann aber bitte mit BE und Insulin, gehen wir dann vielleicht auch noch, oder vielleicht erst nächstes Mal
So läuft das bei mir. Ich MAG echte Daten, genau so gerne auch einfach als Liste.
Und ich LIEBE die 24-Stunden Protokolle, bei denen ich ganz genau so schnell auch noch einen Überblick über Insulin-Dosierungen, BEs usw habe.
Deshalb interessiert mich am Flash das Messgerät SEHR viel mehr als die Software!
Eure hoffnungslos altmodische
Susanne
Gyuri:
:super: Kompliment für die passende Analyse!
Bestimmte Sachen konntest du natürlich wissen.
--- Zitat von: Susanne am September 10, 2014, 22:00 ---(…)
... ins Detail, dann aber bitte mit BE und Insulin, gehen wir dann vielleicht auch noch, oder vielleicht erst nächstes Mal
(…)
--- Ende Zitat ---
Ich habe hier ja nur ALTE Tagesprofile gezeigt, von wann, weiß ich jetzt gar nicht mehr. Bei meinen Aufzeichnungen sind selbstverständlich BE und Insulineinheiten dabei FALLS die von den mit dem Diabetologen vereinbarten Einheiten deutlich abweichen. Auch halte ich besondere Ereignisse wie Extrasport oder außerplanmäßige Kaffee- und Kuchen-Orgie fest. Das steht dann alles zusammen mit weiteren Diagrammen auf je einer Quartalsseite (oder sonst einer Seite).
Erstaunt bin ich immer wieder, auch bei meinem Diabetologen, dass man (sicher nur mit viel Übung) nur aufgrund der Tagesprofile die da übereinander zappeln, ein System oder zumindest einen Trend zu sehen. Ich kann das nicht. Und nur deshalb habe ich NUR FÜR MICH das Statistikdiagramm gebastelt, das mein Diabetologe auch nicht hat oder einfach nicht mit Diabass aktiviert (das weiß ich nicht). So kann ich, nur mal als Beispiel, die Streuung um 20:30 (=PP Abendessen) nicht nur schätzen, sondern habe sogar Werte zur Verfügung.
Mit einer Sicherheit von 95% (=4*s) liegen da meine Werte, also auch di nicht gemessenen zwischen 90 und 238 mg/dl. Der Mittelwert selbst ist nicht so wichtig. Die graue Kurfe zeigt nur an, dass das Maximum am Abend erst später, aber noch vor 23:00 IM MITTEL liegt. Mit geradlinigen Verbindungen zwischen den Messwerten könnte man das nicht sehen.
Also:
Ich erstelle meine Profile nicht für den Arzt, sondern für mich. Mein Arzt ist durchaus in der Lage, sich meine Daten selbst so darzustellen wie er es will. Es ist mir aber jedesmal eine Freude zu sehen, dass er nahezu die gleichen Kurven auf seinem Rechner hat wie ich und mir meist auch bestätigt, dass ich die richtigen Korrekturmaßnahmen getroffen habe.
Nicht nur für mich ist ein Tagesprofil das Wichtigste überhaupt. Ich betone aber noch einmal:
Wenn man zu viele Tagesprofile aufeinander legt, bei denen ganz verschiedene Ereignisse stattfanden (z.B. Korrekturen) kann man überhaupt keine Erkenntnisse daraus ziehen. Dann werden die Daten höchstens für einen Historiker von Interesse sein.
Joerg Moeller:
--- Zitat von: Joa am September 09, 2014, 23:08 ---Yep, das war ja auch meine Frage. Wieviel Detailanalyse bietet die Software zum FGM?
--- Ende Zitat ---
Bleibt abzuwarten. Es würde mich aber überraschen, wenn das nicht genügend Detailtiefe bietet. Das wäre ja dann so, als hätte man eine Ferrari-Karosserie mit einem Rasenmähermotor.
Viele Grüße,
Jörg
Hobbit:
[Achtung, reine Statistik-Frage!]
@Gyuri
wenn ich es richtig gelesen habe, gehst du von einer normalverteilten Grundgesamtheit der Werte aus. Warum eigentlich? Immerhin sind die unteren Werte recht schnell durch 0 mg/dl (oder von mir aus 10-15) begrenzt, wohingegen die Spanne der hohen Werte viel größer ist (160mg/dl sind möglich, aber auch 250 oder 500). Streng genommen müsstest du doch von einer linkssteilen(rechtsschiefen) Verteilung ausgehen. Oder ist das Haarspalterei und du nimmst eine mögliche Modellungenauigkeit eben in Kauf, weil diese zu vernachlässigen ist?
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