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| Andreas:
Ich wohne seit vier Jahren in Berlin und berate mich mit meinem Hausarzt und Internisten, der sehr verständnisvoll (er weiß aus eigener Erfahrung worüber er spricht) und liebenswürdig mit unendlich viel Zeit für mich da ist. Allerdings zeitweise auch zu lieb: Für meine Einstellungs-Probleme (HbA1c war vor zwei Monaten 8,2) wegen absolut unrhythmischer Tagesabläufe (Mittagessen fällt immer wieder aus oder ist um 15 Uhr, Abendessen mal um 17 Uhr, mal um 23 Uhr usw) und viele, viele Essen in verschiedenen Kantinen hat er zu viel Verständnis und meint, dass ginge dann halt nicht besser. Seit dem 8,2-Schock habe ich selbständig meine Therapie umgestellt: Mit SiDiary habe ich endlich die Motiviation, meine lückenlos Werte zu dokumentieren (Nebeneffekt: aus Angst schlechte Werte zu importieren berechne und wiege ich meine Essen viel gründlicher, mache mir viel mehr Gedanken um die richtige Insulindosis, messe öfter), im Forum habe ich die Lösung für meine Probleme am Ende des Tages gefunden (das gegen Mitternacht gespritzte Lantus wirkt bei mir wohl nicht 24 Stunden und ich habe eine zusätzliche Basisdröhnung am frühen Abend eingeführt) und ein umfangreiches Sportprogramm mit inzwischen ca. 50-60 km Joggen in der Woche trägt auch Früchte, nicht nur beim Gewicht... Jedenfalls wurde diese Woche ein HbA1c von 7,0 gemessen (da hängt noch etwas vom 8.2 mit drin), SiDiary gibt als errechneten Wert der letzten 6 Wochen 5,9 an. Also eigentlich ist alles auf dem richtigen Weg. Dennoch ist mein Problem, das ich letztlich ganz auf mich allein gestellt bin, die komplette Therapie gestalte ich eigentlich selbst, zündende Ideen kommen eigentlich nicht. Diese Woche habe ich mir das riesige Diabetes Centrum Dr. Austenat angesehen (http://www.diab-berlin.de/) und weiß nicht recht, was ich davon halten soll: Perfekt organisiert, riesig groß, eigenes Labor --- aber vielleicht auch zu anonym? Jedenfalls war die Ärztin - beim nächsten Mal kann ich durchaus auch einen anderen Arzt erwischen - mit meinen gesammelten Daten der letzten zwei Monaten etwas überfordert. Einige Hinweise zum Sport (aber nichts wirklich neues) und die Empfehlung, mich eine Woche in die Nachtklinik des Instituts zu legen (dann wäre abends mehr Zeit die Werte des Tages zu besprechen, außerdem würde nachts alle zwei Stunden gemessen --- nur: nachts und morgens ist mein Zucker absolut stabil, teilweise etwas zu niedrig, aber kein Grund für eine so dichte Nachtkontrolle), das war's. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das auch nicht das Richtige ist. Es gibt doch gezuckerte Berliner ;) hier im Forum: Wo seid Ihr in Behandlung, könnt Ihr mir etwas raten oder empfehlen? Wer betreut kompetent, mit phantasievollen Ideen und neuestem medizinischen Wissen? :hilfe: Vielen Dank für Eure Antworten, Andreas |
| Joerg Moeller:
Erstmal Glückwunsch zu deinem neuen Weg mit Diabetes umzugehen :prost: Das erfordert schon einiges an 'innerem Schweinehund' niederringen, und du bist ja auch direkt belohnt worden. Ich kann mir auch vorstellen, daß du dich jetzt besser und leistungsfähiger fühlst als vorher mit den 8,2 Zur Frage selber: ich kenne Fr. Dr. Austenat nicht persönlich, habe aber ihr Buch über CSII in meinem Bücherschrank und finde es hervorragend und sehr kompetent geschrieben. Wie sie mit Patienten umgeht kann ich nichts sagen, aber ihre Fachkompetenz steht für mich völlig außer Frage. Dann habe ich mal auf einem Symposium Dr. Ruhnau erlebt. Mir hat er gefallen, weil er kein Blatt vor den Mund nahm und zu Kritikern der Insulinanaloga dieselbe Meinung hatte wie ich. (Z.B. daß die Verschlimmerungen von Netzhautschädigungen unter Lantus wohl eher auf eine zu agressive Therapie als auf Lantus selbst zurückzuführen sind und einige viel zu früh die Pferde scheu gemacht haben) |
| Andreas:
--- Zitat von: Jörg Möller am Juli 21, 2005, 13:40 ---Zur Frage selber: ich kenne Fr. Dr. Austenat nicht persönlich, habe aber ihr Buch über CSII in meinem Bücherschrank und finde es hervorragend und sehr kompetent geschrieben. Wie sie mit Patienten umgeht kann ich nichts sagen, aber ihre Fachkompetenz steht für mich völlig außer Frage. --- Ende Zitat --- Naja, Frau Dr. Austenat praktiziert ja (leider) nicht mehr selber, sie selbst werde ich also vermutlich nie sehen. --- Sie hat halt einen riesen Komplex aufgezogen: Über 4 Etagen (Privatklinik, Spezialklinik, Privat-Ambulanz, Normale Ambulanz) und in vier, fünf oder sechs Behandlungszimmern (in jedem wartet ein Arzt) werden in 12 Minuten-Einheiten computer-verteilt Patienten durchgeschleust (und das nur in der normalen Ambulanz, der Computer weist wohl zu, zu wem man kommt: so werden auch längere Besprechungen aufgefangen à la "Herr xyz, bitte Behandlugnszimmer 4!"). Dazu werden in separaten Räumen noch Blutdruck und Gewicht, sowie Laborwerte (Blutzucker, HbA1c, Urin usw.) ermittelt (vor diesen Untersuchungen hatte ich noch keinen Arzt gesehen!). Wenn ich zu einem Arzt komme, sieht er diese Werte auf seinem PC. --- Allerdings wird das Personal sicherlich nach ihren Maßgaben arbeiten, und das wäre dann ja nicht so schlecht, wenn sie gut ist. --- Zitat ---Dann habe ich mal auf einem Symposium Dr. Ruhnau erlebt. Mir hat er gefallen, weil er kein Blatt vor den Mund nahm und zu Kritikern der Insulinanaloga dieselbe Meinung hatte wie ich. (Z.B. daß die Verschlimmerungen von Netzhautschädigungen unter Lantus wohl eher auf eine zu agressive Therapie als auf Lantus selbst zurückzuführen sind und einige viel zu früh die Pferde scheu gemacht haben) --- Ende Zitat --- Zu Dr. Ruhnau werde ich mal im Netz suchen... Aber Jörg, sag mal - off topic - was Du mit der zu agressiven Therapie meinst, bisher dachte ich immer, das Netzhautschäden durch erhöhte Blutzuckerwerte entstehen, sind auch niedrige Werte gefährlich? Danke für Deine Antwort, Andreas |
| Joerg Moeller:
--- Zitat von: Andreas am Juli 21, 2005, 14:23 ---Naja, Frau Dr. Austenat praktiziert ja (leider) nicht mehr selber, sie selbst werde ich also vermutlich nie sehen. --- Sie hat halt einen riesen Komplex aufgezogen:... --- Ende Zitat --- Das klingt wirklich nicht sehr einladend. Wie gefällt es dir denn da? --- Zitat ---Aber Jörg, sag mal - off topic - was Du mit der zu agressiven Therapie meinst, bisher dachte ich immer, das Netzhautschäden durch erhöhte Blutzuckerwerte entstehen, sind auch niedrige Werte gefährlich? --- Ende Zitat --- Nicht generell, aber man sollte gerade bei vorbestehenden Netzhautschäden (Retinopathie) vorsichtig sein, wenn man einen längere Zeit schlecht eingestellten BZ senken will. Geht man zu aggressiv vor kann es bis hin zu Netzhautablösungen kommen. Ist also einer ständig mit Werten um die 300 rumgelaufen, dann sollte man für die Anfangszeit erstmal einen Zielwert um die 200 einplanen. Und den dann so nach und nach auf Normalniveau absenken. 6-8 Wochen würde ich mir da schon Zeit nehmen. Daher sollte auch jeder bei Therapiebeginn erstmal zum Augenarzt und eine Funduskopie (Hintergrundspiegelung) machen lassen. |
| Andreas:
Danke für die schnelle Antwort zur Retinopathie (habe Gott sei Dank noch keine Spätschäden). --- Zitat von: Jörg Möller am Juli 21, 2005, 15:08 ---Das klingt wirklich nicht sehr einladend. Wie gefällt es dir denn da? --- Ende Zitat --- Genau das kann ich nach einmal nicht wirklich sagen, jedenfalls war der erste Besuch dort nicht so, dass ich sage: Da bin ich in Zukunft optimal aufgehoben. Eigentlich bin ich ja ein Fan von perfekt organisierten Praxen mit allen technischen Möglichkeiten... aber wie gesagt, die Anonymität hat mich sehr verschreckt, wenn ich beim nächsten Mal einen anderen Arzt erwische, erkläre ich alles von vorne, die Ärztin hatte keine wirkliche Energie, den SiDiary-Ausdruck zu verstehen (z.B. die letzte Woche einmal Tag für Tag zu analysieren), das blieb alles sehr pauschal. Herausgeredet hat sie sich mit ihrer Tages- bzw. Nachtklinik, ich solle mich einweisen lassen und da wäre abends alle Zeit der Welt den Tag zu besprechen, in der normalen Sprechstunde wäre dafür eigentlich keine Zeit (Termine gibt's übrigens kruzfristigst). --- Das heißt doch, das ich für das Tagesgeschäft in diesem Diabetes-Center keinen Ansprechpartnerhaben werde, es sei denn, ich lasse mich bei Problemen einweisen. (Vielleicht wollen Sie auch nur ihre Betten füllen? - Sie haben halt neu gebaut.) Zu meiner Frage, ob bei viel Sport "Levimir" günstiger wäre ... - weil nicht wie "Lantus" als Depot im Unterhautfettgewebe bevorratet, sondern im Blut (ich habe nämlich den Eindruck, dass Lantus bei Sport schneller abgebaut wird: ich muss trotz Basalreduktion um ein Viertel während dem Sport wie wild essen (bei 25 km Joggen z.B. 13 BE), anschließend scheint es signifikant "kürzer" zu wirken (in diesem Beispiel minus vier Stunden) - ... sagte die Ärztin, dass sie sich das vorstellen könne. Ich könne mir ja überlegen, ob ich umsteigen wolle. Also: ich kann mir das überlegen, von ihr keine Empfehlung, nix. Hm... ich hätte ja schon gerne einen Standpunkt gehört. Mir scheint, dass, wenn ich dort bliebe, ich weiterhin meine Diabetes-Einstellung mehr oder weniger selbst mache (seit dem Weckruf 8,2 tue ich das ja auch mit Erfolg). Was meinst Du, Jörg, ist es zu früh, nach einem Mal dem DC Austenat (DC = Diabetes-Center) den Rücken zu kehren... beim nächsten Mal teilt mich der Computer ja vielleicht einem anderen Arzt zu... ;) Habe nach Runauh gegoogelt: über seine Praxis gibt es nichts (außer Adresse und den Namen der Ärztin, mit der er zusammen arbeitet), aber viele Zitate über Lantus (Dr. Runauh ist absolut überzeugter Lantus-Fan) und einen interessanten Lebenslauf, der Kompetenz verspricht. Vielleicht ist er ja eine Alternative. Aber vielleicht gibt's in Berlin ja noch andere Möglichkeiten... und Empfehlungen aus eigenen Erfahrungen im Tagesgeschäft. |
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