Autor Thema: Parodontitis  (Gelesen 6812 mal)

Offline Wiesenhummel

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Parodontitis
« am: November 25, 2012, 17:28 »
Hallo Gemeinde,

letztes Wochenende fand in Wien wieder ein "Fit-Update" ("Fit" ist die österreichische Bezeichnung für ICT) von Kinga Howorka statt. Wie üblich war fast alles interessant, aber besonders aufschlussreich fand ich den Vortrag von Corinna Bruckmann, einer deutschen Parodontologin, die in Wien an der Zahnuni lehrt.

Der Inhalt des Vortrags in Kürze:
Diabetiker haben häufiger Parodontitis, und umgekehrt kann eine therapierte Parodontitis die Blutzuckerwerte verbessern, da ein flächenmäßig oftmals sehr große Entzündung den BZ natürlich beeinflusst.

So kann eine starke Parodontitis eine Fläche von 7-8 cm2 umfassen. Wenn wir so eine Entzündung zb am Bein hätten, würden wir uns umgehend darum kümmern. Da die Zahnfleischentzündung sich aber in Zahnfleischtaschen abspielt, nehmen wir sie oft nicht wahr bzw. nicht so ernst.

Evolutionär sind die Folgen der Parodontitis sehr sinnvoll: Da verhindert werden muss, dass sich eine Entzündung in den Körper ausbreitet, löst sich zuerst das Zahnfleisch vom Zahn, es bildet sich der Knochen zurück und stößt den infektiösen Zahn ab.

Eine gute Zahnpflege sieht nach Frau Bruckmann so aus:
- elektrische Zahnbürste
- 2 x täglich 4 Minuten putzen
- 2 x täglich Zahnzwischenräume reinigen (Zahnseide oder Bürstchen)
- Fluoridhältige Zahnpasta (Colgate Total, Parodontax)
- Mundspülungen (Listerine ohne Alkohol, 3%iger Wasserstoff)
- 2 x pro Jahr zum Zahnarzt
- mindestens 2 x pro Jahr professionelle Mundhygiene (im Fall von Parodontose eine spezielle Mundhygiene - PZR)
- Kaugummi mit Xylitol, falls man mal nicht Zähne putzen kann

gute Website:www.zahngesundheit-aktuell.de
Frau Bruckmann hat noch bemängelt, dass es in Österreich keine Parodontologen gibt, da unsere Zahnärztekammer dagegen ist. Dementsprechend sind viele Zahnärzte auf diesem Gebiet nicht sehr bewandert.

Liebe Grüße aus Wien
Barbara






Offline moewe

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Re: Parodontitis
« Antwort #1 am: November 26, 2012, 10:39 »
Hallo zurück,

na immerhin sind sie jetzt auch bei Euch mal auf diese Idee gekommen.

Hier ist die Parodontose (Rückgang des Zahnfleisches) eine anerkannte Folgeerkrankung des Diabetes. Darum wird schon seit Jahren empfohlen, was du unten aufgelistet hast. Die meisten Zahnarztpraxen haben entweder eine so genannte Stomatologische Assistentin oder Schwester, die sich mit der Parodontosebehandlung auskennt, oder die Ärzte machen es selber.


Ich hab seit vielen Jahren Parodontose, trotz ständiger Mundhygienemaßnahmen.

Fast alles, was du aufgeführt hast, tue ich auch und habe so zum Glück bisher noch keinen Zahn verloren. Wobei meine Zahnärztin meint, daß die 2 Minuten Zähneputzen ausreichen, wenn man es richtig macht. Nur bei den Mundspülungen muß ich passen, weil das in allen Präparaten enthaltene Chlorhexidin mein Zahnfleisch kaputt macht. Es brennt wie Feuer und auch verdünnt kann ich es nicht anwenden. Als Einziges spüle ich regelmäßig mit Salviathymol, das geht. Alle 5 Monate gehe ich zur PZR.

In den letzten 30 Jahren waren nur 3 OPs nötig,  bei denen tiefer nach Ablagerungen gegraben werden mußte, um Entzündungen zu beheben.

Kleiner Knackpunkt: obwohl es eine anerkannte Folgeerkrankung des Diabetes ist, wird die PZR (=professionelle Zahnreinigung) hier nicht von den Krankenkassen getragen und muß privat bezahlt werden.  Allerdings ist es nicht sooo teuer und lohnt sich auf jeden Fall.

Gruß
Ulrike
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Offline Scrat

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Re: Parodontitis
« Antwort #2 am: November 26, 2012, 12:46 »
Zitat
Hier ist die Parodontose (Rückgang des Zahnfleisches) eine anerkannte Folgeerkrankung des Diabetes.
Allerdings habe ich das Gefühl, dass genau so, wie die Wahrscheinlichkeit eine andere Spätfolge zu "erhaschen", auch die der Parodontose genetisch gesteuert ist. Ich habe ja nach 42 Jahren DM alles an Spätschäden abgegriffen, was lohnt (PNP, Nephropathie, Retinopathie, Herzinsuffizenz) - aber mit den Zähnen oder dem Zahnfleisch hatte ich noch nie Probleme...

Offline moewe

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Re: Parodontitis
« Antwort #3 am: November 26, 2012, 13:12 »
Zitat
Hier ist die Parodontose (Rückgang des Zahnfleisches) eine anerkannte Folgeerkrankung des Diabetes.
Allerdings habe ich das Gefühl, dass genau so, wie die Wahrscheinlichkeit eine andere Spätfolge zu "erhaschen", auch die der Parodontose genetisch gesteuert ist. Ich habe ja nach 42 Jahren DM alles an Spätschäden abgegriffen, was lohnt (PNP, Nephropathie, Retinopathie, Herzinsuffizenz) - aber mit den Zähnen oder dem Zahnfleisch hatte ich noch nie Probleme...

Siehste, bei mir ist es andersrum: ich hab "nur" Neuropathie und Parodontose.... Aber das  mit dem genetisch gesteuert ist wohl wahr.... Jeder kriegt das, was in seinen Erbanlagen schlummert. Nur, wenn sie das laut sagen würden, würde sich niemand mehr an irgendwelche Regeln halten.....  :wech:

Gruß
Ulrike
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