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Diabetes - Krankheit, ja oder nein?

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Herbie:
Eine interessante Diskussion!
Ich bin seit 10 Jahren Diabetiker (2er) und es hat mir eigentlich geholfen, bewusster zu leben. Ich sehe in der Diabetes sicher eine Beeinträchtigung der Lebensqualität (meine Finger sehen aus, wie die eines Flamenco-Gitarrenspielers, ich lauf immer mit einem Werkzeugkoffer rum (2 Pens, Messgerät, Streifen, Lanzette, Ersatznadeln für die Pens und die Lanzette, ein Set Insulinampullen, Notfallkarten, Traubenzucker etc. - Ihr kennt das ja alle). Eine Krankheit wird es normalerweise nur dann, wenn man nicht mit Ihr lebt sondern sie ignoriert - auch in meinem Bekanntenkreis gibt/gab es Leute, die amputiert wurden - von den Zehen beginnend und dann langsam aufwärts, aber zumindest in meinem Fall waren das alles Leute, die gemeint haben, wenn sie ihre Diabetes ignorieren und 'normal' weiterleben geht das auch gut...

Da ich offenbar durch eine Herzmuskelentzündung - keiner weiss es wirklich so genau, aber wenigsten schieben es meine Ärzte nicht gleich auf Diabetes (das ist ja so wunderbar einfach, Dir fehlt irgendwas und dann ist das eiinfach eine Diabetesspätfolge und wird gar nicht mehr weiter untersucht...) - auch eine schwere Herzinsuffizienz seit Herbst letzten Jahres mein Eigen nenne, hat es mich sehr befremdet, dass bei der Invaliditätsfeststellung hier in Österreich die Diabetes mit 50 Prozent bewertet wurde, das Herzleiden - für das es im negativsten Fall nur mehr eine Transplantation als Therapie gibt - mit 60 Prozent  :patsch: und da fragt man sich dann...

Wir haben es sicher nicht leicht, aber alle, die ihre 'schwere Krankheit' beklagen, die sollte so wie ich mal eine gewisse Zeit auf der Intensivstation verbringen. Da wird man dann ein wenig dankbar für die 'Behinderung', mit der wir uns dank der modernen medizinischen Technik immer weniger beeinträchtigt Tag für Tag herumschlagen müssen.

Nichts für Ungut und beste Grüße aus Wien

Herbie

Angela:

--- Zitat von: Jo am Mai 18, 2005, 13:39 ---Ich meine folgendes: Wenn ich Diabetes habe, und ich das NICHT als Krankheit sehe, nehme ich diese Sache doch nicht so ernst, wie es nötig wäre. Bei mir ist es jedenfalls so: Wenn ich eine "Fehlfunktion" nicht als Krankheit sehe, vernachlässige ich sie. Und wenn ich meinen Diabetes vernachlässigen würde, wäre ich sicher früher/eher tot als wenn ich die Sache als Krankheit sehe und sorgsam behandele. Anders kann ich das leider nicht erklären, aber mir scheint es SEHR logisch, dass man etwas, das man als krank empfindet, sorgsamer beobachtet als etwas, das keine Krankheit ist. Aber vielleicht bin ich da eine Ausnahme, weiss nicht...
--- Ende Zitat ---
Na gut das gilt aber jetzt rein für dich, oder?  :gruebeln:  Weil sonst würdest du mir vorwerfen das ich mit meinem Diabetes nicht sorgsam umgehe. Und das ist auf keinen Fall so.

Jo:

--- Zitat von: Angela am Mai 18, 2005, 19:26 ---
--- Zitat von: Jo am Mai 18, 2005, 13:39 ---Ich meine folgendes: Wenn ich Diabetes habe, und ich das NICHT als Krankheit sehe, nehme ich diese Sache doch nicht so ernst, wie es nötig wäre. Bei mir ist es jedenfalls so: Wenn ich eine "Fehlfunktion" nicht als Krankheit sehe, vernachlässige ich sie. Und wenn ich meinen Diabetes vernachlässigen würde, wäre ich sicher früher/eher tot als wenn ich die Sache als Krankheit sehe und sorgsam behandele. Anders kann ich das leider nicht erklären, aber mir scheint es SEHR logisch, dass man etwas, das man als krank empfindet, sorgsamer beobachtet als etwas, das keine Krankheit ist. Aber vielleicht bin ich da eine Ausnahme, weiss nicht...
--- Ende Zitat ---
Na gut das gilt aber jetzt rein für dich, oder?  :gruebeln:  Weil sonst würdest du mir vorwerfen das ich mit meinem Diabetes nicht sorgsam umgehe. Und das ist auf keinen Fall so.

--- Ende Zitat ---

Hallo, Angela,

natürlich gilt das nur für mich. NIEMAND kann hier Aussagen treffen (ausser rein wissenschaftliche, medizinische), die für alle gelten.

Und bei mir ist es nun einmal so, dass ich bei Prozessen an/in MIR (!), die ich als nicht-krank ansehe, weniger sorgsam bin, als bei solchen, von denen ich weiss, dass sie krankhaft/gefährlich sind oder werden können.

Muss ich Zukunft stets dazu schreiben "Achtung, Privatmeinung!"? ;-)

Im Übrigen werfe ich NIEMANDEM etwas vor. Ich bin es nur schrecklich leid, dass Nichtdiabetiker stets den Diabetes verharmlosen ("Das bißchen Zucker", das hört man sogar von ÄRZTEN!) und wenn ich befürchte, dass nun auch Diabetiker das Krankhafte des Diabetes infrage stellen, wird mir mulmig zumute.

Schönen Gruss und schönen Abend

Jo

Angela:
ne is schon ok. Versteh dich schon. Nur ich denk mir oft, als ich selber noch nicht Diabetiker war, hab ich das auch alles ganz anderes gesehen. Das ist nun mal so. Ich glaub man kann sich schwer in was reindenken was man nicht kennt und nicht hat.  :nixweiss: Versuch es mal so zu sehen.

Joerg Moeller:

--- Zitat von: Angela am Mai 18, 2005, 12:59 ---
--- Zitat von: Jörg Möller am Mai 18, 2005, 10:01 ---ich hätte es lieber sie denken darüber nach, was genau da bei ihnen schiefläuft, als darüber, wie sie sich verteidigen können.

--- Ende Zitat ---

Das hab ich eigentlich eh so gemeint

--- Ende Zitat ---

Ja, ich weiß das eh. Ich kenne dich aber auch schon länger. Ich wollte nur nochmal unseren obersten Grundsatz herausstellen: Wichtig ist der Mensch, nicht seine Blutwerte.

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