Autor Thema: Basal oder Bolus?  (Gelesen 4639 mal)

Offline Hexe

  • Special Member
  • *****
  • Beiträge: 1600
  • Country: de
  • Diabetestyp: DM 2
  • Therapie: Insulin-Pen
Basal oder Bolus?
« am: Januar 10, 2014, 19:27 »
Hallo

ich habe heute mit einer befreundeten Kollegin gesprochen. Es ging um einen Patienten aus der Praxis in der sie arbeitet, Typ2 Diabetiker.  Er hat Basal Insulin verschrieben bekommen, sonst nix, also keine Tabletten und kein Bolus. Ich hätte gedacht, es wär in dem Fall dann besser lieber Bolus Insulin zu verordnen?
Meine Kollegin sagte es werde immer erst Basis verschrieben, hat sie sich noch keine Gedanken drüber gemacht.
Kann mir jemand erklären warum es besser ist erst nur Basis zu verordnen?

Liebe Grüsse Vera
Typ2  zur Zeit Novorapid und Levemir

Offline Oggy

  • Administrator
  • Special Member
  • *****
  • Beiträge: 48425
  • Country: de
    • Oggy´s Homepage
  • Diabetestyp: DM 3
  • Therapie: Insulin-Pen
Re: Basal oder Bolus?
« Antwort #1 am: Januar 10, 2014, 19:47 »
Abend
So frei aus der Hüfte....  :waswillze:
Basisinsulin senkt ja das komplette Tagesprofil BZ mäßig ab.
Wenn der Rest (also Eigenproduktion) die Mahlzeiten abdeckt, dann kann das Sinn machen :D
Wie gesagt -rein aus dem Bauch raus :D
Gruß Oggy  DM 3c, HbA1c 5,9

Offline Gyuri

  • Special Member
  • *****
  • Beiträge: 1647
  • Country: de
  • Diabetestyp: DM 2
  • Therapie: Insulin-Pen
Re: Basal oder Bolus?
« Antwort #2 am: Januar 10, 2014, 20:29 »
Wir hatten meine Schwiegermutter (84 - Typ2) ein Jahr lang zur Pflege. Sie hatte mehrere Schlaganfälle hinter sich, war zwar noch ansprechbar, konnte aber nicht mehr reden. Zuvor hatte sie einen Spritzplan, bei dem sie aufgrund der Werte vor dem Essen (und ungeachtet der bevorstehenden BE) eine bestimmte Menge Bolus (Novorapid) spritzte und zusätzlich 1x täglich Protaphane.

Weil wir sie nicht zu sehr quälen wollten, sie auch Mahlzeiten ausfallen ließ und man ja nie wusste, ob sie Schmerzen hat, wenn sie sich nicht selbst sticht (mit Pen und Piekser) reduzierten wir das ganze auf ein Minimum und ich vereinbarte mit unserem Arzt, dass sie Lantus bekam und Novorapid nur noch, wenn vorauszusehen war, dass mehr BE zusammen kommen (z.B. Festessen, Kaffee & Kuchen oder einfach Süßigkeiten). Meist bekam sie nur Lantus und ihre BZ-Werte waren IMMER in Ordnung. Ich glaube, sie hatte in ihrem ganzen Leben nicht so gute Werte und gestorben ist sie garantiert nicht an Diabetes.
Gruß vom Gyuri
Gar nicht krank ist auch nicht gesund
Nie wieder Sommerzeit
"auch wenn es sonst keinen interessiert…

Offline Hexe

  • Special Member
  • *****
  • Beiträge: 1600
  • Country: de
  • Diabetestyp: DM 2
  • Therapie: Insulin-Pen
Re: Basal oder Bolus?
« Antwort #3 am: Januar 10, 2014, 23:52 »
Hallo

@ Oggy
ich hätte vermutet, dass die Bauchspeicheldrüse noch in der Lage ist, die basale Versorgung hinzubekommen, es aber für die Essenspitzen nicht reicht, also eher genau umgekehrt :)

@ Gyuri
das kann ich mir vorstellen, ist aber dann auch ein Sonderfall, wenn man selbst halt nicht in der Lage zu einem Diabetes Management, dann muss man halt schauen, wie man es für alle Beteiligten am besten regelt.

Liebe Grüsse Vera
Typ2  zur Zeit Novorapid und Levemir

Offline Joerg Moeller

  • Administrator
  • Special Member
  • *****
  • Beiträge: 15142
  • Country: de
  • Ohana heißt "Familie"...
    • Diabetesinfo
  • Diabetestyp: DM 1
  • Therapie: Insulin-Pumpe
Re: Basal oder Bolus?
« Antwort #4 am: Januar 13, 2014, 13:52 »
Da kommt es eigentlich immer auf den Einzelfall an. Bei einigen reicht es nur Basal zu geben (nennt sich dann je nach Spritzzeit 'Bedtime-Insulin' oder BOT(Basalunterstützte orale Therapie; die ja im oralen Teil auch nur aus Diät bestehen kann)), bei anderen braucht es eine SIT (supplementäre Insulintherapie, d.h. kein Basal, nur Bolusunterstützung für die Mahlzeiten).

Was im Einzelfall am sinnvollsten ist kann man im Tagesprofil sehen. Dazu braucht es aber einen Diabetologen, den das auch interessiert und einen Patienten, der bereit ist entsprechend mitzuarbeiten.

Ist ansonsten eher sowas wie bei jeder Infektion ein Breitband-Antibiotikum zu verordnen, weil es aufwändiger ist den konkreten Erreger zu identifizieren und eine Resistenzbestimmung zu machen.

Oder wie eine Hose von der Stange zu kaufen, statt eine maßschneidern zu lassen.

Viele Grüße,
Jörg
Meine Seite über Diabetes: http://www.diabetesinfo.de/

Offline Hexe

  • Special Member
  • *****
  • Beiträge: 1600
  • Country: de
  • Diabetestyp: DM 2
  • Therapie: Insulin-Pen
Re: Basal oder Bolus?
« Antwort #5 am: Januar 13, 2014, 22:55 »
Hallo Jörg

das mit dem Antibiotikum und der Hose leuchtet mir ein :)

Liebe Grüsse Vera
Typ2  zur Zeit Novorapid und Levemir

Offline Joerg Moeller

  • Administrator
  • Special Member
  • *****
  • Beiträge: 15142
  • Country: de
  • Ohana heißt "Familie"...
    • Diabetesinfo
  • Diabetestyp: DM 1
  • Therapie: Insulin-Pumpe
Re: Basal oder Bolus?
« Antwort #6 am: Januar 14, 2014, 13:40 »
Ich denke das ist aber auch eine Sache der Erfahrung (wie so oft in der Medizin).

Wenn ich weiß, daß ich 1000 Patienten behandle und eine genaue Untersuchung 100 Euro kostet, dann wären die Kosten für alle 100.000 Euro.

Wenn ich ferner weiß, daß nur 10% davon eine solche genaue Untersuchung brauchen sind das nur noch 10.000 Euro. Also kann ich erstmal eine Breitbandmethode einsetzen und die genaue Untersuchung dann auf die beschränken, bei denen das nicht funktioniert. Ist wirtschaftlicher und in Fällen wie der gewählten Insulinstrategie für den Patienten nicht schädlich.

Viele Grüße,
Jörg
Meine Seite über Diabetes: http://www.diabetesinfo.de/

Offline Gyuri

  • Special Member
  • *****
  • Beiträge: 1647
  • Country: de
  • Diabetestyp: DM 2
  • Therapie: Insulin-Pen
Re: Basal oder Bolus?
« Antwort #7 am: Januar 27, 2014, 20:33 »
Ich war heute bei meinem vierteljährlichen Besuch meines Diabetologen.
Der erzählte mir bei einer Tagung gewesen zu sein, bei der eine Großzahl von Kollegen immer mehr dazu übergehen, schwergewichtige Typ2-Diabetiker NUR NOCH mit Basalinsulin zu therapieren, vor allem um ihnen ein leichteres Abnehmen zu gewährleisten.

Bei mir kommt das jetzt nicht direkt zum Tragen, weil ich trotz relativ hoher Insulinmengen über das letzte Jahr doch immerhin beständig 6 Kilo abgenommen habe.

Und mal ganz ehrlich (nur so unter uns  :zwinker: ): Meine bestens bewährte ICT will ich nicht so einfach aufgeben.
Gruß vom Gyuri
Gar nicht krank ist auch nicht gesund
Nie wieder Sommerzeit
"auch wenn es sonst keinen interessiert…

 

Back to top